| Blick zurück im Zorn.... |
![]() |
"What of the night" von und mit Jane Alexander in er Werkstatt des Staatstheaters Darmstadt |
|
Die
amerikanische Schriftstellerin Djuna Barnes (1892-1982)
galt zu Lebzeiten als außergewöhnliche
Schriftstellerin, deren poetischen Werke Kritiker und
Kollegen bewunderten. Birgitta Trommler, die scheidende
Leiterin des Darmstädter Tanz/Theaters, hat das Leben
dieser Frau zum Gegenstand eines Einpersonenstücks
gemacht und mit der amerikanischen Autorin und
Schauspielerin Jane Alexander eine überzeugende
Darstellerin gefunden.
Djuna Barnes feiert ihren 90. Geburtstag alleine mit einer Kerze, ihren Erinnerungen und dem Lied "happy birthday to me" auf den Lippen. Ihre großen Tage sind lange vorbei, das Asthma zwingt sie in kurzen Abständen zum Inhalieren, und die persönlichen Verluste lasten schwer auf ihr. Sie trauert einer großen Liebe nach - zu einer Frau, Thelma Wood. Diese Liebe hat die echte Djuna Barnes in ihrem Roman "Nightwood" verarbeitet, der Titel "What of the night" dieses Stückes kann als Anagramm auf den Roman verstanden werden. Eine Stunde lang raisoniert diese Djuna Barnes mit dem Leben, dem Schicksal und vor allem dem Alter. Scheinbar abgeklärt und sarkastisch, bricht sie doch immer wieder in verzweifelte Attacken gegen sich und das Leben aus, wirft sich aufs Bett, gibt sich Tagträumen über nicht geborene Kinder hin - eine Puppe symbolisiert den Kinderwunsch - und windet sich in verzweifelten Erinnerungen. Zwischendurch sitzt sie - nun wieder ernüchtert - auf einer Couch und führt Small Talk mit sich selbst. Nach einer Stunde drückt sie die Kerze mit dem Krückstock aus, was sich als freiwillige Beendigung ihres Lebens verstehen lässt. Doch ist dieser letzte Akt eher symbolisch gemeint, denn von einem Freitod sagt ihre Biographie nichts, wenn er auch im Bereich des Möglichen gelegen hätte. Das Stück krankt an seiner mangelnden Aussage. Zwar zitiert Jane Alexander an einer zentralen Stelle eine längere Passage aus dem Werk von Djuna Barnes, aber die Tatsache, dass sie englisch vorträgt, der Text aber in Deutsch auf dem Gaze-Vorhang erscheint, verwirrt die Zuschauer eher als erhellend zu wirken. Das Verständnis dieses Textes wird dadurch jedenfalls nicht gerade erleichtert. Ansonsten ist die Tatsache, dass eine alte, einsame Frau mit ihren Erinnerungen kämpft und die Vergänglichkeit beklagt, nicht gerade abendfüllend. Die Aussage dieses Stückes bleibt bis zuletzt unklar, wenn man von der biographischen Komponente einmal absieht. Höchstens lässt sich daraus schließen, dass auch Intellektuelle, zumal Schriftsteller, offensichtlich im Alter keinen Deut weiser sind als "normale" Menschen. Die verbalen Aussagen der Djuna Barnes beschränken sich auf kurze Kommentare zu ihrer aktuellen Umgebung in ihrem kleinen Appartement - gelangweilt liest sie sich alte Kritiken vor - und auf die kurzen eruptiven Erinnerungen an bessere Tage, ohne dass diese texte eine besondere Erkenntnis transportieren. Auch wenn Jane Alexander zum Schluss für ihre Darstellung verdienten Applaus erhielt, bleiben zu viele Fragen offen. Es reicht halt nicht, Selbstmitleid im Alter darzustellen, auch wenn es das einer renommierten Schriftstellerin ist. |