| „Tradition verpflichtet“
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Wintergarten Varieté Berlin mit der Show „Capriccio“ |
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Die Erwartungen waren hoch, denn so wurde einer der gefeiertsten Jongleure in der internationalen Varietészene angepriesen. Das öffentliche Interesse fokusierte sich jedoch im Vorfeld der Premiere lediglich auf den aus einer portugiesischen Künstlerdynastie stammende Gemahl von Prinzessin Stephanie von Monaco, Adans Lopez Peres. Das ließ natürlich zusätzlich Erwartungen
aufkommen. An einem regnerischen und nass kalten Abend zieht das Wintergarten Varieté in Berlin einen jeden mit dem Eintritt durch die Pforte in seinen Bann. Eine verspielte und wunderschön anmutende Welt.
Anders als viele Male zuvor beginnt der Abend mit einer Filmdokumentation, einen Rückblick in eine längst vergessene Ära, Ausschnitte aus der Wochenschau von 1956. Damit stiegen die Erwartungen immens auf das nun folgende Programm.
Die Luftakrobaten am Seil, das Duo Valery, die Hula Hoop schwingende Yelena Larkina, der Mime und Soundimitator Fabien Kachev, der Jongleur Kris Kremo, das Tango tanzende Paar Oksana & Vadim sowie die hochgelobten Äquilibristen, die "Peres Brothers", und nicht zu vergessen der Conférencier. Ein klassisches Nummernvarieté, ausgewogen arrangiert von Bernhard Paul und unterstützt durch dem großartig aufspielenden "Wintergarten Orchester".
Der Conférencier Thomas Otto führte nicht nur durch das Programm, sondern wurde zugleich auch selbst zu einer Nummer. Das Publikum kam bei seinen Zauberkünsten nicht mehr aus dem Staunen heraus, und zum Ende lief er zu Höchstform auf. Jedoch sollte er sich lieber auf seine Zauberkünste beschränken anstatt auch noch den Conférencier zu mimen. Sein Humor hatte einen von Volksfesten entlehnten Charakter, von Esprit und Wortwitz nichts zu spüren. Die artistischen Darbietungen waren mäßig und nicht sonderlich spektakulär, lediglich der Schweizer Kris Kremo überraschte. Wie ein Gentleman jonglierte er Hüte und Zigarrenschachteln mit viel Charme durch die Lüfte. Locker und leicht wirkten seine Bewegungen, und seine Devise lautete wohl nicht "höher, schneller, weiter" sondern Effekte durch Minimalismus. Tradition verpflichtet. So trat schon der Vorfahre von Kris Kremo im alten Wintergarten Varieté in Berlin auf. Zu guter letzt wurden kleine Slapstick Einlagen von jedem Künstler als Häppchen gereicht, die nicht wirklich überzeugten. Ein netter Abend, der zu Beginn mehr versprochen hatte. Nicole Himmerlich |