| "Mit einem Zeh im Wasser" |
![]() |
Lustspiel in zwei Akten von Derek Benfield |
"Mit einem Zeh im Wasser" Lustspiel in zwei Akten von Derek Benfield mit Dieter Rummel, Gabriela Reinitzer, Simone Seebacher, Inka Schmietendorf, Oliver Lemki, Joachim
Rudolph und Irene Greb
Parallel dazu entwickelt sich die Geschichte der jungen Linda, die sich hier mit ihrem vom Vater als nicht standesgemäß angelehnten Freund und Fensterputzer(!) treffen will, im natürlich irrigen Glauben, der Vater werde sie hier weder vermuten noch finden. Während Rodney, der junge Fensterputzer, sich in Erwartung des Kommenden - egal ob Kur-Anwendungen oder Bettgeflüster - bereits weit gehend entkleidet hat, erkennt Linda im Saunabereich in dem Bauunternehmer ausgerechnet ihren Vater. Nun beginnen sich die Dinge zu überschlagen: Rodney muss stehenden Fußes das Liebesnest verlassen, in der Eile in Schlafanzughose und Lindas zu kurzem Morgenmantel. Den Rucksack in der Hand, geistert er fortan durchs Haus, auf der Suche nach einer festen Bleibe, denn loslassen will er Linda nicht. Da diese ihm nichts über den Grund des Rauswurfs mitgeteilt hat (sonst wäre die Komödie zu schnell zu Ende), vertraut er ausgerechnet diesem sein Problem an, und Corby gibt ihm gute Ratschläge "von Mann zu Mann". Zugleich wundert sich Linda über die junge Dame im Schlepptau ihres Vaters, dem sie sich nicht mehr entziehen kann. Seine Verwunde- rung über ihre Anwesenheit erklärt sie mit dem Bedürfnis nach Ruhe und Abgeschiedenheit, das Doppel- zimmer mit dem Wunsch nach nach einem bequemen Bet, und für die verräterische Schlafzimmerjacke im Bad muss schließlich Mr. Potter, der sittenstrenge Direktor des Hauses, herhalten, der sie dort angeblich vor ihrem Einzug vergessen hat. Überhaupt muss Mr. Potter für alle Ausreden einstehen, auf ihn laden die betrogenen Betrüger alles ab, was nicht ins Konzept passt, und Potter muss sich und die ihm vertrauenden Gäste aus den unmöglichsten Situationen herauslavieren. Er tut dies mit viel moralischen Ermahnungen, kommt aber selbst dabei zunehmend in die Bredouille. Als Corby von Sandra erfährt, dass Potter ihn in ein neueres, schöneres Zimmer umquartiert habe, nimmt er dieses Angebot freudig an, nicht ahnend, dass ihn Sandra damit nur in ihr eigenes Zimmer lockt. Von nun an erscheinen alle Beteiligten nacheinander zur falschen Zeit im falschen Zimmer, so, wenn Rodney durchs Fenster zu Vater und Tochter steigt und sich blitzschnell als Fensterputzer ausgeben muss, oder wenn Sandra plötzlich in Corbys Badezimmer entdeckt wird und das Zimmermädhcen spielen muss. Vervoll- ständigt wird das Chaos noch, als unerwartet Corbys Ehefrau Marion auf Stippvisite vorbeikommt, über einen seltsamen Mann in Schlafanzughose und Damen-Negligé stolpert und die seltsame und höchst attraktive "Zimmergenossin" ihres Mannes entdekckt. Man kann sich lebhaft vorstellen, was hier in den Zimmern und den Beteiligten vorgeht, und wie wirklich verfängliche Situationen als unbedeutend und tatsächlich harmlose Situationen als kompromittierend interpretiert werden. Dass dann noch erotisch frustrierte Frauen plötzlich dem falschen Mann Avancen machen, würzt die ganze Geschichte nur noch. Und in dem ganzen Trubel muss Mr. Potter immer die Übersicht berhalten und verhindern, dass die falschen Personen zur falschen Zeit am falschen Ort sind........ Das TAP-Ensemble unter der Regie von Dieter Rummel hat diese Geschichte mit viel Tempo und richtigem Timing auf die Bühne gebracht. Als besonderen Gag hat man räumlich getrennte Szenen nebeneinander in versetzten Dialogen inszeniert. Das klappt reibungslos und erhöht dadurch das Tempo und die Dichte des Stücks. Die Darsteller haben offensichtlich Spaß an der Geschichte und sind mit viel Engagement bei der Sache. Dieter Rummel stattet den Sanatoriumsdirktor Potter mit einem süffigen Heiner-Dialekt aus und nutzt jede Gelegenheit für einen typischen hessischen "Spruch", womit er so manchen Lacher erntet. Den zeitweise die Übersicht verlierenden Hausvorstand bringt er überzeugend auf die Bühne. Oliver Lemki spielt einen zunehmend von Frau, Tochter und Möchtegern-Geliebter gestressten Mann, der sich schließlich Frau und Tochter beugen muss, ohne etwas von dem unterstellten Abenteuer gehabt zu haben. Joachim Rudolph verkörpert glaubwürdig den verliebten und etwas tolpatschigen Rodney, der dem ganzen Trubel verständnis- los gegenüber steht und nacheinander von allen Frauen erotisch in Versuchung geführt wird. Gabriela Reinitzer gibt die Ehefrau Marion mit der von ihr gewohnten Routine, Simone Seebacher und Inka Schmietendorf gönnen nicht nur den männlichen Besuchern einen mehr als ansehnlichen Anblick, sondern bewältigen auch ihre Rolle mit Textsicherheit und Witz. Gisela Greb hat nur einen Schlussauftritt als grummelnder, Zigarre rauchender Klempner, von dem während des gesamten Stücks die Rede ist. Die Inszenierung verspricht zwei Stunden angenehmer und abwechslungsreicher Unterhaltung mit viel Gelegenheiten zum Schmunzeln. Vorstellungen September/Oktober: mittwochs bis samstags um 20.15, sonntags um 18 Uhr. Vorstellungen November/Dezember: dienstags bis samstags um 20.15, sonntags um 18 Uhr. Weihnachten: 25. und 26.12. um 18 Uhr Sylvester: 18:30 und 22:30 Uhr Kartenvorbestellungen dienstags bis samstags von 11.00-14.00 Uhr und 18-20 Uhr, sonntags ab 17 Uhr. Telefon 06151/33 555 oder per e-mail |