| Der Zauber des Alltäglichen |
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Holländische Malerei des 17. Jahrhunderts im Frankfurter "Städel" |
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Im 17. Jahrhundert blühte die niederländische Wirtschaft aufgrund der wachsenden Bedeutung des Seehandels - vor allem mit den indischen Gewürzinseln - in ungeahntem Maße auf. Mit dem zunehmenden Wohlstand des Bürgertums entwickelte sich auch die bildende Kunst, da die zu Geld gekommenen Kaufleute sich und ihre Familien gerne an der Wand sehen wollten. Dieser Wunsch führte zu einer völlig neuen Kunstrichtung, der später so genannten "Genre-Malerei". Obwohl dieser französische Begriff ("genre= Art) nichts Spezifisches ausdrückt, stand er bald für die bildliche Darstellung familiärer, häuslicher und gemeinschaftlicher Aktivitäten. Neben dem Haushalt spielten dabei natürlich die (Dorf-)Schänke sowie das Soldatenleben wesentliche Rollen. Schnell bildete sich eine ganze Schule von Genre-Malern, die dem "Alltäglichen" immer neue malerische und interpretatorische Aspekte entlockten. Das Frankfurter "Städel", renommiertes Kunstinstitut am Mainufer, hat jetzt im Rahmen einer Sonderausstellung Bilder verschiedener Vertreter dieser Schule aus ganz Europa und Übersee zusammengestellt.
Johannes Vermeer: "BRiefschreiberin in Gelb" Nach den Landschaftsbildern ist diese "Alltags"-Malerei ein Markenzeichen der Niederländer. Franz Hals' rotnasiger "Trinker" ist ein leuchtendes Beispiel, das allerdings den Rahmen der Genre-Malerei sprengt und hier auch nicht zu sehen ist. Die Ausstellung beginnt chronologisch eher mit den Schülern des Franz Hals, so mit Willem Buytewech (1591-1624), Dirck Hals (1591-1556, Bruder von Franz Hals), Willem Duyster und anderen mehr bis hin zum bekanntesten Vertreter dieser Schule, Johannes Vermeer (1632-1675). Die chronologische Ordnung der Künstler (nicht unbedingt der Bilder) vermittelt einen guten Eindruck von der Entwicklung der Genre-Malerei. Dominiert anfangs noch ein eher lockerer Malstil, dem es mehr um das Einfangen von - oftmals grotesken - Situationen geht, so wandelt sich dieser Stil hin zu einer sehr aufwendigen Detailmalerei, die sich vor allem mit der Wirkung von Stoffen, perspektivischen Erweiterungen und einer bewussten Bildkomposition beschäftigt. An dieser Entwicklung lässt sich anschaulich der Konkurrenzdruck in der "Branche" nachvollziehen, der durch die steigenden Ansprüche der Auftraggeber an repräsentative Wirkung ausgelöst wurde und schließlich zur Spezialisierung auf ganz bestimmte Genre-Typen führte, sei es nun das Wirtshaus, der Wochenmarkt oder das traute Heim.
Adriaen Brouwer: "Der bittere Trank" Die Ausstellung gibt weiterhin Aufschluss darüber, wie sehr sich die Malerei in relativ kurzer Zeit entwickelt hatte, vor allem, was die Inhalte und die Aussage betrifft. Nicht mehr das den Auftraggeber erhöhende und idealisierende Portrait oder eine zeitlose religiöse Wahrheit stehen im Mittelpunkt der Malerei, sondern die oftmals sogar platte Darstellung der menschlichen Niederungen oder zumindest des einfachen Alltagslebens. Hintersinn oder tiefere Aussage wird man hier oft vergeblich suchen, und wenn sich eine entdecken lässt, dann stand wohl eher die Ironie des Alltags denn ein ernstes Anliegen des Künstlers Pate. Diese Ungezwungenheit des Sujets schlägt sich in einer leichten Pinselführung nieder, macht die Bilder lebendig und lässt noch nach Jahrhunderte das Leben der einfachen wie der arrivierten Bevölkerungsschichten anschaulich werden. So manche Charakterstudie würde auch heute noch als zeitgenössisches Bild durchgehen. Die Ausstellung ist bis zum 1. Mai 2005 wie folgt geöffnet: Dienstag und Freitag bis Sonntag 10-19 Uhr, Mittwoch und Donnerstag 10-21 Uhr. Der Eintritt beträgt 8 €, der umfangreiche begleitende Katalog (296 Seiten) kostet 29,90 Euro. |