| Solo für Sterzenbach |
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Pascal Vrebos' Einpersonensstück "Das Meisterverbrechen" in Darmstadt |
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Manchmal spielt die Realität in seltsamer Koinzidenz mit der Fiktion. So in Darmstadt, wo der kurz vor dem Ruhestand stehende Schauspieler Till Sterzenbach in seiner quasi letzten Rolle einen Wissenschaftler spielt, der seine letzte Vorlesung hält. Honi soit, qui mal y pense - und daher wollen wir glauben, dass außer der Ähnlichkeit der äußerlichen Gegebenheiten keine weiteren Analogien bestehen, denn dieser Professor Boulanger, seines Zeichens Physikprofessor, geht in seinem letzten Auftritt doch recht forsch, um nicht zu sagen brutal zu Werke.
Solange diese Abrechnung sich im Rahmen des universitären Lebens bewegt, bietet sie Tempo und sarkastisch formulierte Gesellschafts- und Institutionskritik. Dann jedoch schwappt das Lebensresumee ins Private über. Man stößt auf eine längst der Liebe verlustig gegangene Ehe und sogar auf den tragischen Tod der Tochter. So dehnt sich der Kreis der professoralen Rückschau immer weiter aus, und das kommt dem Stück nicht unbedingt zu Gute. Vor allem die tragischen Umstände des Tochtertodes lenken die satirische Schärfe um in gerührte Betroffenheit. Dann jedoch endet der Handlungsfaden der Tochter. Sie wird nicht etwa systematisch zu einem Kernthema in Boulangers Leben ausgebaut, sondern erscheint später nur noch in kurzen Nebensätzen. Da drängt sich die Frage auf, wie diese Geschichte in die "Abrechnung" dieses Professors passt. Als dann das Ende der Vorlesung naht, sieht Boulanger eine ungeliebte weil karrieresüchtige und taktisch geschickte Kollegin ihn aus dem Saal vertreiben und inszeniert eine letzte Farce, indem er sich als Frau verkleidet und sie mit harschen Worten vertreibt. Diese Episode garantiert zwar Lacher, da reife Männer mit Büstenhalter, Stöckelschuhen und Lippenstift seit "Charleys Tante" das Publikum stets begeistert haben, dem eigentlichen Thema einer Abrechnung mit dem akademischen und sonstigen Leben fügt diese Szene jedoch keine neuen Aspekte hinzu. Am Schluss dann enthüllt Boulanger auch noch das Geheimnis, das sich hinter dem Titel "Das Meisterverbrechen" verbirgt und das wir hier zwecks Erhaltung der Spannung nicht verraten wollen. Die abschließende Pointe besteht darin, dass Boulanger seine Studenten über sein persönliches Schicksal abstimmen lässt. Er erhält das Abstimmungsergebnis, bedankt sich und - Vorhang.
Vielleicht weist dieses Stück textliche Schwächen auf, die seine Wirkung einengen, die Darbietung durch Till Sterzenbach jedoch wiegt die meisten dieser Schwächen bei Weitem wieder auf. Die nächste Aufführung findet am 27. April statt. Frank Raudszus Alle Fotos © Barbara Aumüller |