| Leichter Barock zum Saisonschluss |
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Pergolesis Kurzoper "La serva padrona" in den Darmstädter Kammerspiele |
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Sa sage noch einer, dass Opern immer ein großes Haus benötigten, um ihre Wirkung voll zu entfalten. Auch auf "Kammer-Niveau" lässt sich unterhaltsames Musiktheater effektvoll präsentieren, wie die Inszenierung von Pergolesis Gelegenheitswerk "La serva padrona" in Darmstadt zeigt. Dem Hörensagen nach sollte diese Kurz-Oper bereits im Juni als Freiluft-Veranstaltung zur Aufführung kommen, aber verschiedene Gründe erzwangen wohl eine -verspätete - Verlagerung in geschlossene Räume. So richtete man denn die Kammerspiele entsprechend her und feierte schließlich am vorletzten Spieltag der Saison Premiere.
Zu Pergolesis Zeit unterbrach man ernste - und lange - Opern gerne durch kurze, humoreske Singspiel-Einlagen, die mit der Opernhandlung nichts zu tun hatten. Daraus entwickelte sich schnell das eigenständige Genre der Kurz-Oper, auch "Intermezzo in musica" genannt. Leichtigkeit bis hin zur Derbheit, einfache Handlung und eingängige Musik waren die wesentlichen Merkmale. Bei "La serva padrona" geht es um den brummigen Hagestolz Uberto, der das arme Mädchen Serpina als Dienstmagd aufgenommen hat. Diese hat sich vorgenommen, den Herrn zu heiraten und damit von der "serva" zur "padrona" zu avancieren. Mit Hilfe des tumben Gärtners Vespone inszeniert sie eine so raffinierte wie dreiste Intrige, mit der sie schließlich das Objekt ihrer - wahrscheinlich weniger erotischen - Begierde in ihr Netz zieht und den begehrten Heiratsantrag erhält. Am Ende erwächst aus dieser Hinterlist sogar so etwas wie ein echtes Gefühl zwischen den beiden, und die gerissene Serpina steht nicht als triumphierende Gewinnerin eines Kampfes sondern als glückliche Braut da.
In den Kammerspielen hat Alfonso Romero Mora (Regie und Bühne) einen lauschigen Garten mit zierlichen Sitzmöbeln aufgebaut. Das kleine, nur aus Streichern bestehende Orchester unter der Leitung von Joachim Enders am Cembalo trägt Perücken aus dem 18. Jahrhundert, und Enders selbst tritt zu Beginn als gravitätischer Maestro ans Pult. Während sich Uberto über die Faulheit und Frechheit von Serpina aufregt, lässt sich diese im Badeanzug auf einer Chaiselongue von einer künstlichen Sonne bestrahlen, um dann in der Folge unverblümt als eigentliche Herrin über ihren Arbeitgeber aufzutreten, ohne dass sich dieser wirklich dagegen wehren kann. Sonja Gerlach spielt die Serpina mit viel Frechheit und Temperament, ihre leichte Stimme ist der kammermusikalischen Umgebung ideal angepasst. Uberto kommt in Gestalt von Dimitry Ivashenko eher jung und eitel daher - sein aufrechter Haarzopf dominiert die ganze Gestalt - und wirkt eher etwas verzweifelt denn brummig. Auf Grund ihrer annähernden Altersgleichheit wirken die beiden am Schluss sogar als glaubwürdiges Paar. Boris Weichhart spielt derweil mit viel Sinn für Slapstick den stimmlosen Gärtner Vespone, der erst vom Herrn herumgejagt wird und dann als Eifersucht fördernder Pseudo-Bräutigam von Serapina herhalten muss. Am Ende gibt er sogar noch einen in Gold gewandeten und tanzenden Amor mit Flügeln und Köcher, aus dem zum Schlussakkord das Hochzeitskonfetti hervor schießt. Das mitten auf der improvisierenden Bühne angesiedelte Orchester spielt kräftig mit, mal mit deutlichen gestischen und mimischen Kommentaren zur Musik, mal mit übertriebenen und extrovertierten Solo-Einlagen oder gar durch hochgehaltene "Applaus"- oder "Lachen"-Schildern. Auch gewisse Worte der Protagonisten wie "Donnerwetter" werden "stante pede" und übereifrig musikalisch unterlegt. Regisseur Mora hatte sich hier eine Menge kleiner Gags einfallen lassen, und sowohl Darsteller wie Orchestermitglieder hatten bei der Premiere offensichtlich viel Spaß an dieser "Mini"-Oper. Die leichte und bekömmliche Musik tat ein Übriges, um einen unterhaltsamen und spaßigen Abend zu bereiten. Das Publikum nahm´s dankbar auf und dankte den Akteuren mit langem und mehr als herzlichem Saisonschluss-Applaus. Frank Raudszus |