| Bach mit Mut zur Emphase |
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Bach-Violinkonzerte im Kloster Eberbach beim Rheingau Musik Festival |
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Das gesamte Programm eines Konzerts einem einzigen Komponisten zu widmen birgt gewisse Gefahren, auch wenn dieser Komponist Johann Sebastian Bach heißt. Einerseits vermittelt eine solche Zusammenstellung immer ein wenig den Eindruck einer "best of"-Veranstaltung, andererseits kann es durchaus vorkommen, dass die unterschiedlichen Werke über den selben Interpretationskamm geschoren werden und damit in gewissem Maße ihre Individualität verlieren. Dass diese Untiefen bei dem Bach-Abend am 7. Juli im Kloster Eberbach souverän umschifft wurden, lag eindeutig an Frank Peter Zimmermann, Solo-Violonist und "Spiritus Rector" der Veranstaltung. Vor ausverkaufter Basilika - das Wort Haus passt hier nicht so recht - präsentierte er zusammen mit dem Württembergischen Kammerorchester Heilbronn und anderen Solisten verschiedene Solokonzerte vor, die alle die Solovioline als führendes Instrument aufweisen. Bachkenner hörten Alt- und Wohlbekanntes: zu Beginn das Violinkonzert a-Moll (BWV 1041), anschließend das Konzert für zwei Violinen und Streicher BWV 1043; nach der Pause dann das Konzert für Violine, Oboe und Streicher a-Moll BWV 1060 sowie zum Schluss das Violinkonzert E-Dur BWV 1042, ein so genanntes "Paradestück".
Frank Peter Zimmermann Hier
erkannte man die lebensfrohe Seite des Barocks, die sich ja
auch in der Architektur dieser Epoche niedergeschlagen hat.
Bach muss nicht immer wie eine himmelwärts gerichtete
Hymne klingen, sondern er hat durchaus auch
bodenständige und volksnahe Seiten. Zimmermann brachte
diese Seite Bachs vor allem in den Finalsätzen zum
Ausdruck. Doch auch in den Mittelsätzen beließ er es nicht
bei einer schulmäßig weihevollen Interpretation, sondern
stattete die Andantes, Adagios und Largos mit einer besonderen
Betonung der Melodieführung aus und ließ die Themen
wahrhaft klingen. Dazu leitete er das Orchester mit knappen
Kopfbewegungen und Blicken von der Violine aus, dabei immer
ein spielfreudiges Lächeln auf dem Gesicht. Auch E-Musik
macht Spaß, vermittelte dieser Gesichtsausdruck, und diesen
Spaß wollen wir auch auf das Publikum übertragen. "Wir", das waren außer dem Orchester - in Kammerbesetzung - die beiden anderen Solisten: Kai Frömbgen (Oboe) und der vierzehnjährigen Serge Zimmermann (Violine). Serge präsentierte zusammen mit seinem Vater das Doppelkonzert mit erstaunlicher Sicherheit und Ruhe. Lampenfieber scheint er nicht zu kennen, jedenfalls war es dem feinen, hellen Ton seiner Violine nicht zu entnehmen. Auch benötigte er von seinem Vater keine besondere Ermunterung oder Beistand, um seinen Part überzeugend zu interpretieren. Hier wächst ein neues Talent unter der (An-)Leitung eines höchst kompetenten Vaters und Mentors heran. Der Beifall war denn auch so ausdauernd, dass Vater und Sohn mit einem hoch virtuosen Duo von Leclair noch eine publikumswirksame Zugabe drauflegten. Serge Zimmermann
Kai Frömbgen, mit 28 Jahren ebenfalls noch jung, brachte nach der Pause die Oboe effektvoll zum Einsatz. Erstaunlich seine Virtuosität und der dabei sehr weiche und geschmeidige Klang. Wie viele Bläser setzt er zwar auch gerne den Körper zur Ausdruckunterstützung ein, jedoch bleiben diese Bewegungen im akzeptablen Rahmen. Besonders rezivoll waren die Klangmischungen und -überschneidungen der beiden Soloinstrumente. Darüber hinaus hatte die Oboe sowohl im ersten als auch im zweiten Satz sehr viel Raum zur freien Entfaltung, was Kai Frömbgen mit Bravour und viel Gespür für die musikalischen Linien nutzte. Kai Frömbgen
Das berühmte E-Dur-Konzert gab dann zum Schluss noch einmal Frank Peter Zimmermann die Gelegenheit, sein gesamtes musikalisches Können vorzuführen, sei es als Solo-Violonist oder als Orchester-Dirigent. Beides erledigte er mit hoher Routine, minimal sichtbarem Aufwand und einer beeindruckenden musikalischen Wirkung. Eigentlich war bereits der dritte Satz dieses Konzerts ein würdiger Abschluss eines gelungenen Bach-Abends, aber das Publikum verlangte nach mehr, und so legten Orchester und Solist noch eine Zugabe aus der Bach-Literatur drauf, die dem Publikum noch beim Heimweg in den Ohren klang. Frank Raudszus |