Eine große Geste eines Schweizers an Darmstadt

Dauerausstellung "Ein Wald der Skulpturen" im Hessischen Landesmuseum Darmstadt

 

 

Simon Spierer inmitten (noch) seiner Skulpturen

Der Genfer Kunstkenner Simon Spierer war dreißig Jahre lang im Kunsthandel tätig und legte sich dabei selbst eine stattliche Sammlung von Kunstwerken an. Die anfängliche Neigung zu Bildern verschob sich nach seiner Heirat zu Skulpturen, und nach und nach ersetzte er seine Bildersammlung durch eine stattliche Zahl von Plastiken des 20. Jahrhunderts. Nach dem Tode erhielt die Frage seines eigenen Nachlasses zunehmende Bedeutung. Im letzten Jahr entschloss er sich, selbst bereits hoch in den Achtzigern, seine Sammlung von vierzig Skulpturen zu verschenken. Anfangs dachte er an seine Heimatstadt Triest, doch bürokratische Hindernisse und Schwerfälligkeit veranlassten ihn bald, andere Empfänger für seine Gabe zu suchen. Von da an entdeckte er nach eigenen Angaben, dass er "überall geliebt wurde". Auch das Hessische Landesmuseum in Darmstadt erfuhr von dieser einmaligen Chance, und Museumsdirektorin Dr. Ina Busch setzte sich sofort mit dem Hessischen Minister für Wissenschaft und Kunst, Udo Corts, in Verbindung und schnürte zusammen mit dem Ministerium ein Paket, das Simon Spierer überzeugen sollte. Zwei Besuche, das hohe Engagement der Hessen und der Ruf des Hessischen Landesmuseum führten schließlich zu Simon Spierers Entscheidung, seine Sammlung den Darmstädtern zu überantworten. Innerhalb weniger Monate wurden praktische Fragen wie Räumlichkeiten, Dauerhaftigkeit der Ausstellung und Transport der Skulpturen gelöst, so dass am 23. Januar 2005 die Ausstellung offiziell für das Publikum eröffnet werden kann.

 

Der "Wald der Skulpturen" im Hessischen Landesmuseum

In drei Räumen des zweiten Stocks im Landesmuseum sind die 40 Skulpturen wie ein Wald aufgebaut. bewusst hat man auf aufwendige Erklärungstafeln verzichtet; die notwendigen Informationen erhalten die Besucher auf einem separaten Lageplan im A3-Format. Zwei der Räume bilden dabei eine Achse mit den Räumen der Beuys-Ausstellung, die offenen Durchgänge ermöglichen eine ferne Korrespondenz zwischen beiden Ausstellungen. Entsprechend wurden die Skulpturen in den Räumen platziert. 

Die vierzig Exponate stammen von ebenso vielen Künstlern, unter denen Namen wie Henry Moore, Max Ernst, Arnaldo Pomodoro auftauchen, um nur bekanntere Vertreter oder solche mit Bezug zu Darmstadt (Pomodoro) zu nennen. Der erste Eindruck der Ausstellung vermittelt ein Bild hoher Ausgewogenheit der Formen und zeitloser Ästhetik. Die filigranen und schlanken Exponate sind in der Sichtachse positioniert, während sich die größeren, kompakteren Skulpturen im Nebenraum befinden. 

Ein Video auf einem Monitor und - wahlweise - in einer Großprojektion vermittelt ein Bild von Simon Spierer und seinem Leben, ein umfangreicher Katalog für 35,- € ermöglicht es dem Besucher, sich weiter in das Thema zu vertiefen.

Die Ausstellung ist dienstags bis samstags von 10-17, mittwochs von 10- 20 und sonntags von 11-17 Uhr geöffnet, der Eintritt beträgt 2,50 €. Weitere Details sind über die Webseite des Landesmuseums zu erfahren.