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Die Grillsaison ist beendet, die luftige Sommerkleidung in den Keller verbannt, die Freibäder werden geschlossen und in den Strandbars bleiben zunehmend Liegestühle frei: der Sommer neigt sich dem Ende zu. Als wären die Aussichten auf einen kalten und regnerischen Herbst nicht schon ausreichend trübe, prägen Hartz IV, Rezession und leere Rentenkassen den Alltag. Die Realität ist ernüchternd.
Da braucht es Menschen, durch die wir den Glauben an das Unglaubliche zurückerlangen. Im Varieté Wintergarten in Berlin sind solche Menschen zur Zeit zu Gast: Magier, Zauberkünstler und Illusionisten entführen die Gäste in zauberhafte Welten. Zauberei ist hier Tradition: der weltberühmte Magier Harry Houdini faszinierte schon vor Jahrzehnten das Publikum des Wintergartens.
Der Niederländer Philip Simon nimmt als gewitzter Conférencier die Gäste mit auf eine zauberhafte Reise (bemerkt aber dennoch: „Zuviel darf der Mensch nicht wissen..“).
Erste Station ist ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht: Omar Pasha, „Meister des Magischen Theaters“ lässt Schlangen tanzen; Tische, Stühle, Kerzenständer durch Luftmalerei erscheinen, eine Bauchtänzerin in der Dunkelheit verschwinden, er macht Männer kopflos und löst sich am Ende selbst in Nichts auf.
Der Amerikaner Nicholas Night dagegen besitzt die Fähigkeit, Dinge zum Leben zu erwecken. Er zaubert aus einem Haufen leblosen Metall und Stoff ein kleines Gefährt mit einem Männchen auf dem Sattel, das auf einmal wundersam lebendig von der Bühne radelt. Ebenso lebendig entsteigt plötzlich seine schöne blonde Frau einem Gemälde.
Doch das Publikum wird sie nicht nur verzaubert, sondern sogar eingebunden in mysteriöse Gedankenübertragung und eingeweiht in verblüffende Kartentricks.
Mentalmagier Jan Becker zeigt, dass er telepathische Kräfte besitzt: er kann tatsächlich Gedanken lesen – wie sonst sollte er mühelos Sternzeichen und Geburtsdaten, gedachte Bilder bis hin zu vorgestellten vollständigen Sätzen wiedergeben können? Seine Künste sind ebenso faszinierend wie beunruhigend.
Doch Rätselhaftes kann auch im komischen Gewand der Pantomime erscheinen: Vik & Fabrini sind beweglich und starr, Mensch und Maschine, Zauberer und Gehilfe. Die tempogeladene Performance der beiden Brasilianer löst die Lachmuskeln wieder.
Mit wunderbar ästhetischer Magie rundet Juliana Chen den Abend ab – der Chinesin wurde als erster Frau der Weltmeistertitel der Zauberei verliehen. In dem Moment, wo man dem Reiz ihrer Künste erliegt, stimmt man augenblicklich zu, dass er ihr gebührt: dies ist Zauberei mit Karten in einer völlig neuen Dimension.
Und äußerst mysteriös bleibt bis zuletzt, wie der russische Clown Boiarinov wohl in den Besitz eines lebendigen kleinen Elefanten gekommen ist..
Vorstellungen bis 30.Oktober 2004.
Ticket-Hotline: 030 – 25 00 88 88
www.wintergarten-variete.de
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