| Tempo, Tempo - und Lebensfreude |
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André Hellers Afrika-Show in der Frankfurter "Zeltstadt" |
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Das Programm lebt von der temperamentvollen Musik, die - zirkusgerecht - von einer in afrikanische Kostüme gekleideten Band über dem Manegeneingang kommt, und von der Lebensfreude der Akrobaten unter der Zirkuskuppel. Vom ersten bis zum letzten Moment jagen sich die Nummern, angetrieben von den Trommeln der Band, die bisweilen Urwaldatmosphäre verbreiten - wie man sie von der Lektüre einschlägiger Reisebeschreibungen des 19. Jahrhunderts kennt - und von der mächtigen Stimme der Sängerin Ntombifuthi Pamella Mhlongo aus Südafrika. Selbst die Umbauten zwischen den einzelnen Nummern erfolgen in spielerischer Form, wobei immer eine begleitende "Show" für Ablenkung von den notwendigen Arbeiten sorgt oder diese natürlich wirken lässt.
Die Künstler kommen zwar nicht alle aus Afrika, wenn man jedoch die ursprüngliche Herkunft der Farbigen in Rechnung stellt, so die "Afro-Amerikaner", dann kann man auch die Künstler der karibischen Insel Martinique als Afrikaner bezeichnen. Alle gemeinsam zeichnet jedoch ihre außerordentliche Körperbeherrschung und ihre offensichtliche Lust an der Bewegung aus. Auch wenn sie gerade nicht ihre gewagten oder schwierigen Kunststücke vorführen, sind sie immer in Bewegung, springen, tanzen und wiegen sich in den Hüften. Hier liegt auch der Unterschied zu den beherrschten und disziplinierten Athleten aus Russland und anderen osteuropäischen Ländern, die sich ihr unbestritten einmaliges Können hart erarbeitet haben. Das trifft zwar bei den Afrikaner sicher auch zu, jedoch vermitteln sie den Eindruck spielerischer, lustbetonter Akrobatik. Die Vorführungen bestehen aus den üblichen Kunststücken, obwohl auch hier immer wieder Überraschungen auf die Zuschauer zukommen, und sei es nur wegen der teilweise unglaublichen Leistungen. Da gibt es den "Verbiegungskünstler", der derart unglaubliche Verrenkungen seines Körpers zuwege bringt, dass man nicht mehr zuschauen mag, und der seinen gesamten Körper durch die Schlägerfläche eines Tennisschlägers zwängt. Sein weibliches Pendant windet sich wie eine Schlange auf einem Podest und lässt ihre Gliedmaßen in ähnlich grotesken Stellungen in alle Richtungen zeigen und sieht dabei noch außerordentlich weiblich aus. Die Stangenkünstler zeigen an vier raumhohen Metallstangen geradezu atemberaubende Kraftübungen, die bei ihnen jedoch alle leicht und wie natürlich aussehen. Nur die Vorstellung, man solle das selber nachturnen, lässt einen die unglaubliche Leistung erahnen. Eine andere Artistengruppe präsentiert gewagte Sprünge über- und miteinander; zwei Jonglierkünstler lassen symbolische Schwerter um sich kreisen, als seien sie mit mit unsichtbaren Seilen mit dem Körper verbunden. Artistische Bodenübungen auf einem Arm oder auch dem Kopf wechseln ab mit Künstlerinnen, die verschiedene Gegenstände bis hin zu Tischen mit den Füßen durch die Luft wirbeln, und ein Artist am Seil zeigt seine Kraft, ohne angestrengt zu wirken.
Für Atempausen sorgen ein Tierzirkus aus possierlichen "Kunsttieren" Afrikas mit Elefant, Krokodil, Giraffe und anderen Tieren, den ein gemütlicher "Dompteur" durch die Manege führt, oder ein Balljongleur, der zwei Handvoll weißer Bälle in geradezu mit schlafwandlerischer Sicherheit rings um seinen Körper tanzen lässt. Zwei Basketball-Teams auf Einrädern liefern sich nicht nur eine scheinbar erbitterte Schlacht um die Körbe sondern gehen zunehmend zu "schmutzigen", will sagen witzigen Tricks über, mit denen sie den Gegnern die Körbe vermasseln. Daneben springen sie mit ihren Rädern zwischen zwei wild rotierenden Springseilen. So jagt eine Attraktion die anderen, nahtlos miteinander verbunden und von der Musik vorangetrieben. Die einzige berechtigte Kritik betrifft das andauernd gleich hohe Tempo, das - im Zusammenspiel mit der Musik - zeitweise die Animationsatmosphäre eines "Club Med" erzeugt. Etwas weniger wäre stellenweise mehr. Außerdem enthält die Musik vorwiegend Nummern des internationalen Pops oder Chansons. Hier hätte man sich auch ein wenig mehr an authentischer afrikanischer Musik gewünscht. Dennoch ist das Programm rundherum als Erfolg zu betrachten, und das Publikum dankte es dem gesamten Ensemble auch mit lang anhaltendem, begeisterten Beifall. Das Programm wird im kommenden Jahr in folgenden Städten gastieren:
Weitere Informationen sind erhältlich über das Internet oder über E-Mail. Frank Raudszus |