| Akrobatik mit Witz - Witz mit Akrobatik? |
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Die Show "Loft" im Berliner Varieté "Chamäleon" |
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Das Programm "Loft" des Berliner Varietés "Chamäleon" in den Hackeschen Höfen enthält bietet den Besuchern bereits beim Eintritt einigen Witz: statt über den üblichen Aufgang auf der linken Hofseite gelangt man durch einen engen Raum im zweiten Stock der rechten Seite in den Saal, nur um festzustellen, dass man durch einen alten Kühlschrank direkt auf die Bühne und damit in eine ein wenig geniale WG geraten ist. Hat man sich dann im - nun bekannten - Zuschauerraum eingerichtet, entdeckt man ein halbes Dutzend Darsteller in weißem Unterzeug aller Typen - mal kurz, mal lang - auf der Bühne und im Saal umhergehen, den Besuchern Kaffee oder Wasser anbieten oder sie nett begrüßen. An der Bühnenrückwand hängt Unterwäsche aller Größenordungen, auf der Bühne stehen ausrangierte Möbel vom einfachen Tisch bis zur Badewanne, und durch den Kühlschrank strömen weitere Zuschauer, bis der Raum auf den letzten Platz gefüllt ist. Dieser lockere Einstieg - im wahrsten Sinne des Wortes - schafft gleich eine gelöste Atmosphäre, man fühlt sich "auf Augenhöhe" mit den Akteuren der Gruppe "The 7 fingers".
Dann stellt sich Joel Baker vor, ein Darsteller mit Augenklappe und - scheinbar - etwas ungelenk. Seine akrobatischen Versuche mit einem Sitzmöbel wirken genauso lieb-naiv wie seine wortreiche Anbiederung an die Zuschauer. Natürlich kollidiert er dabei such mit seinen eigenen Kollegen auf der Bühne, bis die ihm langsam aber konsequent das "Bühnenrecht" entziehen. Fortan wird er immer wieder die Rolle des ein wenig tolpatschigen Clowns übernehmen, der seine Kollegen nervt und das Publikum erheitert. Auf der Bühne spielt sich jetzt das Leben in einer Wohngemeinschaft ab, oder besser, in einem "Big Brother"-Container, denn schließlich schauen hunderte von Augenpaaren den kleinen und großen Auseinandersetzungen und Katastrophen in dieser WG zu. In diese pantomimische Darstellung des WG-Lebens weben die Künstler auf der Bühnen scheinbar nebenher das akrobatische Programm ein. Isabelle Chasse präsentiert ihre Fähigkeiten am "Vertikaltuch", mit dem sie sich scheinbar spielerisch am Seil hinaufschraubt und hinabsausen lässt, Jay Gilligan beginnt seine Jonglage mit den Bällen scheinbar harmlos, fast trivial und ein wenig witzig, um dann die Bälle immer höher schneller und zahlreicher fliegen zu lassen. Die Übergänge unterscheiden sich zum "normalen" Varité dadurch, dass die Rahmenhandlung zum eigenen Programmpunkt aufgewertet wird. Statt An- und Absage oder einer aufs Minimum reduzierten Überleitung zwischen den einzelnen Nummern spielt sich zwischendurch das turbulente Leben einer Wohngemeinschaft mit Auseinandersetzungen und Streitereien ab, die natürlich auch ein gewisses Maß an lockerer und humorvoller Akrobatik enthalten, dabei dem Zuschauer jedoch nicht die volle Aufmerksamkeit abverlangen, sondern ihm das entspannte Lachen erlauben.
Dann wagt sich Elizabeth Clark aufs Schlappseil, ein zwischen zwei Stangen gespanntes, relativ lasch gespanntes Seil, auf dem sie turnt, sitzt, sich dreht und liegt. Wie selbstverständlich vollführt sie auf dieser instabilen Unterlage Bewegungen, die die meisten von uns kaum auf einer festen Unterlage schaffen würden. Faon Shane zeigt inmitten der Zuschauer eine rasante Nummer an zwei von der Decke hängenden Ketten, und Matias Salmenaho begeistert das Publikum zusammen mit Jay Gilligan in einer wirbelnden Jongliernummern mit permanent an Zahl zunehmenden Keulen. Olav Triebel zieht sich bei einem improvisierten Gedichtvortrag den Spott seiner Kollegen zu und reagiert darauf mit einer ausgefeilten Akrobatik-Nummer, und "DJ Pocket" schließlich begleitet das Ganze mit raffinierten Musikkreationen vom Mischpult, die dem Programm zusätzlich Tempo und Pep verleihen. Eineinhalb Stunden ohne Pause vergehen bei diesem so vergnüglichen wie anspruchsvollen Programm wie im Flug, und wenn sich plötzlich das Ensemble verneigt, denkt man sich ein wenig enttäuscht: "Was, schon Schluss?". Die "7 fingers" präsentieren sich mit ihrem Programm als Vorreiter einer neuen Varieté-Generation, die nicht mehr die physische Glanzleistung als isolierte "Nummer" in den Mittelpunkt stellen sondern ihre akrobatischen Leistungen in eine intelligente und humorvolle Geschichte einbetten, die das Publikum auf anspruchsvolle und heitere Weise unterhält. Noch
bis zum 25. März 2006 |