| Voller Wohlklang mit Donner und Blitz |
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"Rheingau Musik Festival" eröffnet das Programm mit Haydn und Mozart |
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Den Beginn des diesjährigen "Rheingau Musik Festivals" mit Haydn und Mozart in den kühlen Gemäuern des Kloster Eberbachs kommentierte am Sonntag - passend zur geistlichen Kantate "Davide penitente" des Jubilars aus Salzburg auch der Himmel - mit Donner und Blitz, wobei sich ersterer vor allem bei musikalisch bedingten Verzögerungen und Haltemomenten grummelnd mit seinem Schlagzeug einbrachte. Doch glücklicherweise hielt sich der Herr des Himmels und der Wolken akustisch zurück und tat dem Musikgenuss in der ausverkauften Basilika keinen Abbruch. Dafür fiel natürlich das erwartungsfreudige Flanieren im offenen Geviert des Klosters mit dem Sektglas in der Hand buchstäblich ins Wasser, was auch Kulturpuristen bedauerten, da die Atmosphäre eines lauen Sommerabends einfach als fester Bestandteil zum "Rheingau Musik Festival" gehört.
Doch wahre Musikliebhaber lassen sich durch solche Äußerlichkeiten - schließlich musste man ja auch unter kleinen Regenschirmen in Stöckelschuhen den langen Weg von und zum Parkplatz zurücklegen - nicht entmutigen, und so harrte gegen 20 Uhr eine erwartungsfreudige Menge der musikalischen Dinge, die da kommen sollten. Doch erst einmal eröffnete Gastgeber Michael Herrmann ein zweites Mal die Veranstaltungsreihe, denn das Eröffnungskonzert hatte seine Premiere zwar bereits am Vorabend gefeiert, damit aber nicht seinen Status verloren. Nach dem üblichen Dank an Mitarbeiter, Publikum - dieses Jahr sind wieder 100.000 Karten verkauft worden (!) - und Sponsoren betrat dann Hugh Wulff ans Dirigenten-Pult, um mit dem Orchester des Hessischen Rundfunks den musikalischen Abend zu gestalten.
Zum Auftakt erklang Joseph Haydns Sinfonie 104 in D-Dur. Dieses Werk entstand 1795, also vier Jahre nach Mozarts Tod, und angesichts der wechselseitigen Bewunderung der beiden österreichischen Ausnahmemusiker - Haydn hatte schon früh Mozarts Genie erkannt und bewunderte es rückhaltlos, während jener den 24 Jahre älteren "Papa Haydn" als Vorbild und Mentor verehrte - nimmt es nicht wunder, dass diese Sinfonie auch Einflüsse des jüngeren Musikers aufweist. Schon der erste Satz mit seiner langsamen, spannungsvollen Adagio-Einleitung und dem anschließenden Tempowechsel ins Allegro erinnert bisweilen an Mozart; dazu kommen gerade im Kopfsatz motivische Elemente, die flüchtig an Mozarts späte g-moll-Sinfonie (KV 440) erinnern. Doch trotz dieser Anklänge bleibt natürlich die typische Struktur Haydnsche Sinfonien auch in diesem Werk sichtbar: das gleichmäßig Voranschreitende, die ausgewogene thematische Auswahl und Präsentation, kurz, die Klassik auf ihrem Höhepunkt als repräsentative Kunstgattung, bevor Mozart sie endgültig von ihren höfischen Fesseln befreite - auf Kosten einer gescheiterten bürgerlichen Existenz - und die Musik als "Selbstzweck" begründete. Die Akustik der Basilika des Klosters Eberbach kam dieser Aufführung zugute, kam doch das Echo fast ungebrochen von den nackten Wänden des Kirchenschiffs zurück und verstärkte damit die Intensität zu einem machtvollen Rauschen, das auch den letzten Winkel des lang gestreckten Raumes erreichte. Das hr-Orchester überzeugte in jedem Moment durch eine stets klassisch-transparente, nie ins nur Epigonale oder gar Breite verfallende Interpretation, die diesem Haydnschen Spätwerk eine erfreuliche Frische verlieh.
Als zweites Werk stand nach der Pause mit Mozarts "Davide penitente" eine musikalische Parodie auf dem Programm. Man darf sich diesen schon zu Mozarts Zeiten durchaus übliche Begriff jedoch nicht im Sinne des "Dorfmusikantensextetts" vorstellen, bei dem Mozart eine dilettantische Kompositions- und Aufführungspraxis verulkt. Die "Parodie" war damals vielmehr eine beliebte Methode, vorhandenen Musikstücken neue Texte zu unterlegen und damit schneller neue Werke auf den Markt bringen zu können. So entstand denn auch "Davide penitente" aus der Messi in c-moll KV 427 unter Hinzufügung einiger Arien für Sopran und Tenor. Der Chor spielt aus diesem Grunde eine Große Rolle und bildet auch den musikalischen Rahmen, in dem er sowohl den Anfang als auch das Ende markiert, jeweils unterstützt von den Solosängern. Dazwischen liegen drei Arien - zwei Mal für Sopran und ein Mal für Tenor sowie ein Duett der beeiden Sopranistinnen und ein Terzett, die jeweils wieder durch Chor-Einlagen voneinander getrennt sind. Als Solisten hatte man die Sopranistinnen Simone Nold und Lisa Larsson (Schweden) sowie den Tenor Mark Padmore (England) gewinnen können.
Überflüssig zu sagen, dass ein solches Chorwerk natürlich in der Basilika seine ideale Aufführungsstätte fand. Machtvoll erfüllten die Stimmen den weiten Raum, wobei die Sopranstimmen zeitweise leider etwas unter der Dominanz des Chores litten. In den Arien jedoch, in denen sie Hugh Wulff mit seinem Orchester behutsam und doch nicht nur begleitend unterstützte, konnte sich vor allem die lyrische Stimme von Simone Nold mit ihrem warmen Timbre entfalten. Lisa Larsson steuerte mit ihrer helleren Stimme überzeugende Koloraturen bei, und beide Sängerinnen ergänzten sich vor allem in Duett und auch im Terzett hervorragend. Mark Padmore setzte gegen diese beiden Damen mit den feinen Stimmen den männlich-voluminösen Klang seines umfangreichen Tenors, der über den gesamten Tonumfang gleichmäßige Qualität bewies. Alle drei konnten zum Schluss in engem Zusammenwirken und zusammen mit dem Chor noch einmal ihr ganzes Können unter Beweis stellen. Die besondere Leistung der Solisten und des Ensembles unter Leitung von Hugh Wulff lag darin, diesem ursprünglich geistlichen Werk seine Schwere zu nehmen und ihm eine gewisse Leichtfüßigkeit zu verleihen. Wer sagt denn, dass geistliche Musik immer schwer und anklagend wirken muss? Auch wenn es hier um einen "reuigen" David ging: Reue kann man auch mit einer gewissen Heiterkeit empfinden und ausdrücken. Hier wurde diese Option Wirklichkeit. Das Publikum dankte allen Beteiligten durch lang anhaltenden und mehr als herzlichem Beifall für diesen gelungenen Saison-Auftakt. Frank Raudszus |