In Vino Veritas

Eine musikalisch-literarische Weinprobe bei Rheingau Musik Festival

 

Im Kloster Eberbach hatten die Gäste des Rheingau Musik Festivals abermals die Gelegenheit, den Einklang von Genuss und Kultur auf höchstem Niveau zu erleben. Am Samstag, dem 5. August, wurde das anspruchsvolle und oft über lange Jahre treue Publikum des herausragenden Festivals zur Verköstigung exzellenter Weine in das Laien-Dormintorium, ursprünglich Schlafsaal der Klostermönche, geladen. Das Kernelement des Abends, die ausführliche Weinprobe, war in ein individuell abgestimmtes Rahmenprogramm mit Musik und Rezitation eingebettet. Das Wechselspiel von Proberunden, begleitet von tiefgehenden Ausführungen zu den zu degustierenden Weinen und musikalisch-literarischer Auflockerung, erreichte beim Publikum hohe Zustimmung. 



Kloster Eberbach

Der Veranstaltungsbeginn wurde zwar offiziell mit 19 Uhr angegeben, doch es stellte sich als sehr lohnenswert heraus, frühzeitig zu erscheinen. Aperitif und Gebäck standen vor Beginn den Gästen der Weinprobe zur Einstimmung bereit. So konnten frühe Gäste an diesem Abend noch in aller Ruhe das herrliche Ambiente der mittelalterlichen Klosteranlage bei einem Glas Rauenthaler Baiken Riesling Sekt brut genießen. Wenig später begann nach kurzer Eröffnung durch Herrn Heiner Louis, kaufmännischer Leiter des Rheingau Musik Festivals, die eigentliche Veranstaltung. Die musikalische Darbietung, an diesem Abend durch das Trio Amanti della Musica, begann mit The Entertainer, einem der bekanntesten Ragtimes von Scott Joplin. Ein Stück, das für jeden Bar-Pianisten und Klavierschüler zum Pflichtprogramm gehört und somit natürlich auch im Publikum einen hohen Wiedererkennungseffekt erzielte. Die Musikauswahl zeigte, dass man komplementär zum Kernereignis des Abends, der Weinprobe, unterhalten wollte. Bestückt war das Trio mit den Instrumenten Querflöte, gespielt von Willy Freivogel, Klarinette, geblasen von Rainer Schumacher, und Gitarre, dargeboten durch Siegfried Schwab. Alle drei Musiker haben während einzigartiger internationaler Karrieren, gekrönt durch renommierte Preise und Awards, viel Erfahrung sammeln können und boten so den Zuhörern Unterhaltungsmusik auf Spitzenniveau. 

Das "Trio Amanti della musica"

Kurze Zeit später begann die erste Probenrunde und während die Weine ausgeschenkt und verköstigt wurden, bemühte sich Dieter Greiner, Leiter des größten Weinguts Deutschlands, den Hessischen Staatsweingütern Kloster Eberbach, seinen Gästen die Weine und deren Entstehung näher zu bringen. Auch Dieter Greiner war bereits viel international tätig und ist dem Weinbau seit Kindesalter verbunden. Dies spiegelt sich in seinem außerordentlichen Wissen über dieses Gebiet wider und gewährte den Probierenden einen Einblick in die Kunst des Weinanbaus und der Kelterei. Die Komplexitätsbewältigung in technischer wie betriebswirtschaftlicher Hinsicht, die für die Herstellung exzellenter Weine nötig ist, erschließt sich sicher nicht für jeden Gast auf Anhieb, fördert aber ein grundlegendes Verständnis für die Existenz einer so hohen Anzahl von Weinsorten und –kategorien sowie für die immensen preislichen Unterschieden. Als Beispiel lässt sich der Steillagenanbau bei Assmannshausen anführen. Bei Steigungsgraden von bis zu 80% ist intensive händische Pflege und Ernte unerlässlich, wobei der Ertrag pro Flächeneinheit bei ca. der Hälfte normaler Weinanbaulagen liegt. Folglich lohnen solche Bewirtschaftungen nur bei Erreichung höchster Qualität und hohen erzielbaren Preisen. Die dargebotenen Weine deckten ein sehr breites Spektrum hinsichtlich des Geschmackserlebnisses und der Erzeugungsweise ab. Auch die Reihenfolge, bestimmt durch ansteigende Qualität, war klug gewählt und sicherte so einen steten Genusszuwachs. 

Durch den Abend mit dem Trio Amanti della Musica führte Rezitator Elmar Gunsch. Der Österreicher, geboren 1931, gilt als einer der Erfahrensten in seinem Metier als Moderator und Präsentator von Musik sowie niveauvoller Unterhaltung. Durch Verweise auf Lessing und Goethe fand er literarisch anspruchsvoll gute Verbindungen zwischen Wein und Literatur und unterstrich hierbei die Wahrheit fördernde Kraft des Weines. Aber mit einer rein distanzierten humorvollen Vorstellung begnügte sich Elmar Gunsch nicht sondern wagte es, möglicherweise nicht zur Erheiterung aller Gäste, anzügliche Lebenserfahrungen des bekannten Verführers Casanova zu zitieren. Auch hierbei ging es um Hochgenuss für den Gaumen. In diesem Fall aber schilderte er, wie Casanova Frauen mit der Kunst des Austernessens erfolgreich verführte. Gewählt hatte Elmar Gunsch dieses Beispiel nach dem Vorbild des Weinkenners, der ja schließlich auch von einem Wein „satt“ werden könne, aber dennoch alle Sorten und Jahrgänge probieren möchte. Nun – Casanova übertrug dieses Prinzip auf die Frau. 

Dank der Symbiose von Weinprobe und witziger Rezitation - gepaart mit Musik
- gelang es, den Gästen den erwartet schönen Abend zu bieten. Die Erwartung der Gäste hinsichtlich guter Weine und interessanter Geschichten über deren Entstehung blieb im Mittelpunkt der Veranstaltung. Der Unterhaltungsaspekt war gut eingepasst und inhaltlich geistreich auf die Weinprobe abgestimmt. 

Malte Raudszus