| Neuer "Hallenrekord" mit 67 Minuten |
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3. Sinfoniekonzert des Staatstheaters Darmstadt mit Beethovens "Neunter" |
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Das Programmheft zu diesem sinfonischen Abend weist aus, dass Herbert von Karajan bei den ersten CD-Herstellern mit dem Hinweis auf Beethovens "Neunte" eine Mindestspieldauer von 74 Minuten durchsetzte. Nun, Stefan Blunier und das Orchester des Staatstheaters Darmstadt benötigten diesen Spielraum nicht, "schafften" sie die "Neunte" doch an diesem Abend in nur 67 Minuten. Anschließende Gespräche mit Chormitgliedern ergaben, dass diese aufgrund des hohen Tempos im letzten Satz ein wenig Mühe mit dem text und dessen Verständlichkeit hatten. Wie dem auch sei, dem Werk kam das Tempo auf jeden Fall zugute, und die Zuhörer merkten kaum etwas von diesen gesanglichen Randproblemen.
Der dritte Satz führt noch einmal zurück in die bekannte Dichte und Innigkeit Beethovenscher Adagio-Sätze, die noch viel Mozartschen Gestus beinhalten. Doch auch hier verblasst der durchgehaltene Takt zugunsten extremer rhythmischer Aufweichungen. Die Steigerung des verinnerlichten Ausdrucks steht dabei über der Einhaltung eines klaren Zeitmaßes. Im berühmten vierten Satz schließlich nimmt das Orchester die Themen des Chorgesangs ("Freude!") vorweg und variiert sie auf alle denkbaren motivischen, rhythmischen und harmonischen Weisen, bis hin zu schroffen, nahezu dissonant wirkenden Harmonien und harten Einsätzen verschiedener Instrumentengruppen. Nach diesen ebenfalls in die sinfonische Zukunft weisenden "kakophonischen" Ausflügen erklingen dann auch die ersten Worte des Basses: "Oh Freunde - nicht diese Töne", um dann den vier Solisten und dem Chor das Feld zu überlassen. Den hymnischen Schluss dieses Werkes prägen Solosänger, Chor und Orchester in einer sich stetig steigernden Apotheose der Musik. GMD Stefan Blunier hatte sich für einen ausgesprochen wuchtigen und kantigen Beethoven-Stil entschieden, der jegliche Breite der Interpretation ausschließt. Zwar erinnerten einige Stellen zu Beginn kurzfristig an die 6. Sinfonie ("Pastorale"), doch dieser Eindruck verblasste schnell zugunsten einer kompromisslos vorangetriebenen Herausarbeitung der schroffen Gegensätze. Blunier zeigt deutlich, dass Beethoven hiermit seinem sinfonischem Schaffen und allen eventuellen Zugeständnissen an den Publikumsgeschmack ein Ende setzen wollte. Ironischerweise brachte gerade diese Kompromisslosigkeit dem Komponisten schon bei der Uraufführung einhellige Begeisterung ein, so als hätte er das Publikum in den Jahren davor zum höheren Musikverständnis geradezu erzogen. Bei den Puristen - auch vielen Kritikern - weckte die Mischung aus Instrumental- und Chormusik zwar Skepsis und Ablehnung, beim Publikum jedoch kam sie gut an. So auch beim Darmstädter Publikum, das nach den machtvollen Schlussklängen in begeisterten Applaus ausbrach. Das hohe Tempo tat der Aufführung nicht nur keinen Abbruch sondern verstärkte den Eindruck dieser einzigartigen Sinfonie. Das Orchester war hervorragend eingestellt und konnte sich in vielen solistischen Einzelleistungen hervortun. Hervorzuheben sind hier vor allem die Bläser und das Schlagzeug, die Blunier besonders hervorhob und die Sonderapplaus erhielten. Als Gesangssolisten fungierten Andreas Daum mit einem durchsetzungsstarken Bass, Mark Adler (Tenor), sowie Inna Kalinina (Alt) und Allison Oakes (Sopran). Alle vier zeigten sich stimmlich voll auf der Höhe und bewahrten auf gegenüber Chor und Orchester deutliche Präsenz. Der Chor nahm bei dieser Aufführung natürlich eine Sonderrolle ein und bewies ein weiteres Mal, dass er sich unter der Leitung von André zu einem besonders geschlossenen und ausdrucksstarken Klangkörper entwickelt hat. Frank Raudszus |
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