| Leicht verdauliches Programm zur Martinsgans |
![]() |
Galakonzert zur Vorstellung der neuen Kräfte des Staatstheaters Darmstadt |
|
Das Staatstheater Darmstadt pflegt in jedem Jahr seine neuen Ensemblemitglieder im musikalischen Bereich mit einem eigenen Konzert vorzustellen. In diesem Jahr verzögerte sich dieser schöne Brauch aufgrund der Umbauarbeiten bis in den November, so dass man einige der Neuen bereits im Repertoire-Programm erlebt hatte. Doch das tat der Freude an diesem Abend keinen Abbruch. Durch das abwechslungsreiche Programm führte Hausherr John Dew selbst und erwies sich dabei als erfahrener und unterhaltsamer Conférencier. Natürlich nutzte er die zeitliche Nähe der berühmten Martinsgans für kleine Bonmots wie den Hinweis auf ein "fettes" Programm und ähnliche Sprachspielereien. Darüber hinaus würzte er seine Zwischentexte immer wieder mit erheiternden Anekdoten aus dem Musiker-Milieu und erntete dafür manch dankbaren Lacher. Das Programm selbst begann mit der schmissig präsentierten Ouvertüre von Bizets "Carmen" unter der Leitung von GMD Stefan Blunier. Es folgte eine beeindruckende Interpretation der Arie "Una furtiva lagrima" aus Donizettis "Liebestrank" durch den jungen Tenor Markus Durst mit dem neuen Kapellmeister Markus Beikircher am Pult. Der Ukrainer Oleksandr Prytolyuk brachte eine überaus lebendige und darstellerisch erfrischende Version von Graf Almavivas Arie "Hai già vinta la causa" aus Mozarts "Hochzeit des Figaro" zu Gehör, bei der Alexander Stessin aus Russland den Dirigentenstab schwang. Zur Abwechslung folgte anschließend ein Instrumentalvortrag mit dem jungen Solorepetitor Tobias Engeli am Cello. Unter der orchestralen Leitung von Martin Lukas Meister präsentierte er sieben Tänze von Manuel de Falla auf hohem Niveau. Ein reines Orchesterzwischenspiel mit Ruggiero Leoncavallos Intermezzo aus dem Bajazzo - ebenfalls mit Martin Lukas Meister als Dirigent - leitete über zum letzten Programmpunkt des ersten Teils: die junge deutsch-tunesische Sopranistin Yamina Maamar sang Richard Wagners "Liebestod" aus der Oper "Tristan und Isolde". Die süchtig machende Musik Wagners und der strahlende Vortrag der jungen Solistin bildeten den würdigen Abschluss eines bis dahin abwechslungsreichen und künstlerisch hochwertigen Programms. Nach der Pause ging es weiter mit humorvollen Randbemerkungen des Intendanten und großer Musik. Am Anfang stand mit der Ouvertüre zu Rossinis Oper "Die diebische Elster" wiederum eine Operneröffnung, diesmal unter der Leitung von Lukas Beikircher; es folgte der zweite Satz des Klavierkonzerts f-moll von Frédérich Chopin, professionell und mit viel Gespür für die romantische Musik des Franco-Polen vorgetragen von dem neuen Solorepetitor Konstantinos Kalakonas aus Griechenland. Nach dieser multinationalen Folge von Solisten konnte sich John Dew das Bonmot über seinen "internationalen Eintopf" nicht verkneifen. Oleksandr Prytolyuk folgte mit einer Arie aus Tschaikowskys Oper "Eugen Onegin", diesmal nur am Klavier begleitet von Alexander Stessin, und der schon länger zum Darmstädter Ensemble gehörende Bass Dmitry Ivashenko setzte das Programm mit der Arie des Gremin aus derselben Oper fort. Yamina Maamar trat anschließend als dritte Darmstädter "Tosca"-Interpretin mit deren Arie "Viss d'arte" auf, was angesichts der am Vor- und Folgetag auf dem Programm stehenden Oper von besonderem Reiz war. Den krönenden Abschluss bildeten drei Operetten-"Renner": Johann Strauß' "Eljen a magjar" mit Martin Lukas Meister am Pult machte den Anfang, und anschließend leitete Lukas Beikircher das Orchester zum Auskehr mit Otto Nicolais "Nun eilt herbei" aus "Die lustigen Weiber von Windsor" und dem Finale aus Johann Strauß' "Fledermaus" mit allen Gesangssolisten und dem Chor des Staatstheaters. Dieser Abschluss versetzte das Publikum noch einmal in fröhliche Stimmung, und so setzte das Ensemble noch eine weitere italienische Opernnummer von Giuseppe Verdi drauf. Dieser Abend stellte nicht den Anspruch auf eine tiefe Interpretation eines schweren Stoffes, sondern wollte das Publikum einerseits mit der breiten Palette der am Hause tätigen Künstler und Stilrichtungen bekanntmachen und außerdem für einfach gute Unterhaltung sorgen. Beides ist dem Ensemble in vollem Umfang gelungen. Frank Raudszus |
|
|