| "Queen"-Revival mit Balletgarnierung |
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Wiesbadener Ballet gastiert in Darmstadt mit einer Choreographie auf die Gruppe "Queen" |
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Die englische Gruppe "Queen" stellt eine Besonderheit der neuern Musikgeschichte dar. Nicht nur, dass sie von 1971 bis 1991 den Musikmarkt dominierte -as taten die Beatles und die Rolling Stones auch - sondern weil sie in ihren Songs eine außerordentliche Bandbreite von Musikstilen vereinten und alle vier eine akademische Bildung außerhalb der Musikwelt genossen hatten. Außerdem fanden sich und hielten hier vier starke Persönlichkeiten über 20 Jahre zusammen, obwohl - oder weil - sie alle eigene Vorstellungen hatten und diese auch umsetzten. In dieser Gruppe gab es keine eindeutige Rollenverteilung, sondern alle vier komponierten selbst und brachten ihre Kreationen erfolgreich in das Programm der Band ein.
Soviel zum Hintergrund des Ballettabends im Großen Haus des Staatstheaters Darmstadt. Ben Cauwenbergh, Choreograph der Wiesbadener Tanztruppe, hatte sich zum Ziel gesetzt, diese Gruppe auch anderen Publikumskreisen in Form eines anspruchsvollen Ballet-Abends zugänglich zu machen. Dabei stellen sich natürlich gleich zwei Fragen: kommt überhaupt das typische Ballet-Publikum zu dieser Veranstaltung oder vielmehr das der Queen-Fans? Viel wichtiger jedoch: wie kann man diese beiden Kunstrichtungen sinn- und wirkungsvoll miteinander verbinden? Ein kurzer Rundblick über das Publikum ergab keine eindeutige Antwort auf die erste Frage. Es schien jedoch, als ob sich beide Gruppen etwa hälftig den Abend teilten. Das sicherte zumindest einen Teil des Erfolgs ab. Eine schlüssige Antwort auf zweite Frage blieb Cauwenbergh jedoch schuldig, denn eine überzeugende Symbiose der "Queen"-Musik und der darstellerischen Mittel des Tanzes war an diesem Abend nicht zu erkennen. Vielleicht hätte modernes Tanztheater mehr aus der Vorlage machen können, doch das sind müßige Spekulationen.
Das Programm bestand aus zwei Mal zwölf Songs der Gruppe - Ohrwürmer wie "God save the queen", "We will rock you" und eine Reihe anderer -, die vom Band kamen. Dazu erschienen auf der Bühnenrückwand Videoclips von "Queen"-Auftritten - vor allem mit Freddy Mercury als Hauptperson oder mit verfremdeten und überblendeten Visualisierungen der Liedtexte. Das war im Einzelnen durchaus gut und auch "fetzig" oder stimmungsvoll gemacht, hatte aber mit Ballet nicht viel zu tun. Man hätte mit diesen beiden Zutaten jede Stadthalle einen Abend lang gut mit reiferer Jugend füllen können. Ein preiswertes "Queen"-Revival halt. Cauwenbergh lässt dazu seine Tanztruppe im Vordergrund tanzen, die Choreographie hat jedoch wenig mit dem Inhalt der Musik zu tun. Das liegt natürlich auch an den Texten, die immer wieder von unerwiderter oder verlorener Liebe und ähnlichen Themen handeln, typische Pop-Musik eben. Da lassen sich aus den Texten keine großen dramatischen Entwicklungen oder Variationen herleiten. Die Choreographie stellt sozusagen eine Parallelhandlung dar, technisch gut gemacht, jedoch ohne einen sicht- oder fühlbaren Bezug zum musikalischen Geschehen. Das kann dann auch die "Killer"-Queen im gelben Vamp-Outfit nicht wettmachen, die ihren unterwürfigen Verehrer nach allen Regeln der Kunst vorführt, wenn diese Szene auch durchaus ihre komischen Seiten hat. Zu einem Rock'n Roll treten alle Tänzer im Stil der Elvis-Zeit in geblümten Kleidchen und Petty-Coats sowie in den hässlichen Hemden und engen Hosen dieser Jahre auf. So versucht Cauwenbergh, zu jedem Stück einen kurzfristigen Bezug zu schaffen, der jeweils auf den Titel oder Textstücke aufgreift. Beim "Bicycle Race" fahren die Tänzer mit Rädern auf der Bühne herum und liefern kleinere Slapstick-Einlagen ab, ein anderes Stück wird mit einer Gangster-Parodie unterlegt. Doch bei all den tänzerischen Verbildlichungen des jeweiligen Textes fehlt der große Bogen, das Gemeinsame.
Letztens Endes liefert Cauwenbergh eine Nummernrevue von Tanzeinlagen zur Musik vom Band ab. Das mag für Freunde des klassischen Balletts recht unterhaltsam sein, falls die Pop-Musik bei ihnen kein Naserümpfen hervorruft, und Queen-Fans mag es die Tränen der Nostalgie in die Augen treiben - weißt Du noch, damals? -, wobei sie das Tanzen in Kauf nehmen. Wer jedoch erwartet hatte, dass hier der Anspruch eines Gesamtkunstwerks umgesetzt wurde, sah sich getäuscht. Nicht einmal die Geschichte der Gruppe wurde abgebildet, etwa aus der doch recht aufregenden Zeit der Siebziger und Achtziger heraus, geschweige denn historische Hintergründe und Ereignisse. So blieb die Choreographie letztendlich unverbindlich-nett. Die Queen-Fans hatten ihr Erfolgserlebnis, die Liebhaber klassischen Balletts blieben etwas ratlos, sahen aber immerhin ein paar nette Tanzfiguren. Am Ende war es zwar ein netter Abend mit viel Musik vom Band und einigem Leben auf der Bühne, aber mehr auch nicht. Das Publikum zeigte sich dennoch sehr angetan und applaudierte lange und kräftig. Es müssen doch mehr Queen-Fans als gedacht im Saal gewesen sein.. Frank Raudszus Alle Fotos © Barbara Aumüller |