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Die Sprache der
Blasinstrumente |
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8.Kammerkonzert
des Staatstheaters Darmstadt mit dem Bläserquintett "Zephyr" |
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Zephyr ist in der griechischen
Mythologie der Gott der Westwinde; im heutigen Sprachgebrauch steht der
Begriff für einen lauen Westwind. Den selben Namen hat sich das
Bläserquartett aus Köln mit Michael Faust
(Flöte), Manuel Bilz (Oboe), Thorsten Johanns (Klarinette), Ole
Kristian Dahl (Fagott) und Luiz Garcia (Horn) gegeben. Das Adjektiv
"lau" - um es vorweg zu sagen - gilt für den Namen in diesem
Kontext nur insofern, als das Ensemble eine außerordentliche
Sensibilität des Ausdrucks zeigt. Es ist halt keine "Heavy
MetalGroup". Bei dem Auftritt am 26. April war kurzfristig ein
Gasthornist für den verhinderten Luis
Garcia eingesprungen.
Das zweite Werk machte dann
zeitlich schon einen deutlichen Schritt vorwärts: August Klughardts
Bläserquintett in C-Dur op. 79 aus dem Jahr 1901 zeigt sich auf
der Höhe der spätromantischen Epoche, jedoch bereits mit
tonalen Elementen der beginnenden Neuzeit. Vieles erinnert noch an
Brahms, wenn auch ohne dessen extremm expressive Spannweite, bisweilen
hört man jedoch auch schon die Harmonik eines Richard Strauss'
heraus. Klughardts Stärke liegt jedoch eindeutig bei der
Stimmführung; äußerst kunstvoll setzt er immer wieder
einzelne Instrumente gegeneinander, mal im "Frage-und- Antwort"-Stil,
mal als Thema und Begleitung. Dabei lässt er mal die Flöte
von der Klarinette, mal die Oboe vom Fagott begleiten - und umgekehrt.
Dazu setzt das Horn immer wieder kräftige Akzente oder unterlegt
den Vortrag der anderen Instrumente mit einer Art Generalbass. Im
Ganzen kommt Klughardts
Komposition bisweilen ein wenig akademisch daher, doch nicht ohne Reiz,
weiß er doch die Klangfarben der einzelnen Instrumenten sehr gut
einzusetzen und miteinander zu verbinden weiß. Man kann sich gut
vorstellen, welchen Reiz dieses Stück gerade auf die fünf
Solisten - denn solche bleiben sie immer auch im Quintett -
ausgeübt hat. Der zweite Teil des Abends
begann dann wieder mit einem "Klassiker": Beethovens Bläserquintett
Es-Dur op71, auch dieses in Abänderung des ursprüglichen
Programms. Das viersätzige Werk zeichnet sich vor allem durch
seine
Ausgewogenheit aus, was wohl auch wieder darauf
zurückzuführen ist, dass man damals mit dieser Art von
"Blasmusik" ein breites Publikum ansprechen wollte. Manches zu Beginn
erinnert an die Beethobenschen Sinfonien, vor allem die 7. - langsamer
Beginn, dann Umschlag ins forcierte Tempo -, dann wieder
überwiegen kammermusikalische Aspekte wie sauber gegeneinander
gesetzte Stimmführungen oder Duette und Terzette einzelner
Instrumente. Das Menuett kommt als "quasi allegretto" daher und
löst sich damit von der hergebrachten Form des Menuettsatzes, das
Finale bietet dann das übliche Beethovensche Feuerwerk am Ende
eines Werkes. Das Ensemble interpretierte dieses Werk mit viel
Konzentration und unter Verzicht auf allzu forcierte
Expressivität. Offensichtlich wollte man nicht in die
"Beethoven-Falle" geraten, die oftmals übergroße
Lautstärke und zu hohes Tempo zur Folge hat. Beethoven kann man
auch temperiert liefern, und das vor allem bei Bläserarrangements,
die Musik schon immer immer gemeinverträglich interpretiert haben. Den Schluss bildete Carl Nielsens
(1865-1931) Bläserquintett in C-Dur op. 79 aus dem Jahr 1922. Der
Entstehungszeitpunkt weist bereits auf eine moderne Form hin, und so
war man denn angesichts dieser Erwartungshaltung überrascht von
der tonalen Ausrichtung. Diese Musik hätte auch noch gut ins
späte 19. Jahrhundert gepasst, und von daher war es nicht zu
mutig, sie an das Ende des Programms zu stellen. Im Gegensatz zu vielen
anderen Werken dieser Zeit enthält das Werk klar erkennbare
Themen, die in gewissem Sinne auch variiert und wieder aufgenommen
werden, wenn auch nicht in der Form des klassischen Sonatensatzes. Der
dritte Satz, ein Präludium, wirkt in seiner Homophonie fast wie
ein Choral und findet sich im Finalsatz wieder; dieser - tema con
variazone - besteht aus einer Reihe komplexer und vielschichtiger
Variationen zu einem vorgegebenen Thema und endet - wie bereits gesagt
- mit dem Thema des Präludiums. Auch dieses Werk präsentierte
das Ensemble mit viel Gespür für die Klangwirkungen, vor
allem in den Variationen, wenn auch die Wirkung auf das Publikum eher
auf den Kopf als auf den "Bauch" zielte. Dieser Einschränkung des
Programmabschlusses begegnete das Ensemble mit einer nachgereichten
Zugabe der Sängerin Camille van Lünen, in der diese ihre
Eindrücke einer Zugverspätung in musikalisch wie gesanglich
humoristischen Form wiedergibt. Da sie selbst nicht zu dieser
"Welturaufführung" erschien, übernahmen - wie schon bei
Berios Werk - die Musiker die Sprechpartien neben ihren
Instrumentalauftritten. Das Publikum goutierte es mit amüsierten
Lachern und viel Abschlussapplaus. Frank Raudszus |
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