Biederes "Theater mit dem Fernsehen"

Alfred Bioleks Tournee-Gastspiel in der Reihe "Quatsch keine Opern"

 

"Man muss die Menschen nur lieben, dann kommt der Erfolg von selbst"! Etwa diesem Thenor - sinngemäß - folgte das Abschlusslied, mit dem Alleinunterhalter Alfred Biolek seinen Lebensrückblick im Großen Haus des Staatstheaters Darmstadt abschloss. Und so bieder, wie dieser - in der Sache durchaus nicht falsche - Ausspruch daherkam, lief das gesamte Programm ab. Unter dem Titel "Mein Theater mit dem Fernsehen" ließ"Bio", wie in seine Verehrer liebevoll nennen, vierzig Jahre Tätigkeit im Fernsehen vor dem Publikum abrollen. Dabei überanstrengte er weder sich noch das Publikum mit überbordendem Esprit, Witz oder Tempo. Geruhsam bis betulich erzählte er den Anwesenden, was er vor und hinter der Kamera so getrieben hat im Laufe der Jahrzehnte. Glücklicherweise lockerte er den auf sein Ego zentrierten Vortrag mit Beispielen aus vierzig Jahren deutscher Fernsehgeschichte auf, so dass die Zuschauer zumindest in den Genuss der Darsteller und der Mode der sechziger, siebziger und achtziger Jahre kamen, die Folgezeit nicht zu vergessen, die aber noch zu nah ist, um nostalgische Gefühle zu wecken. Einen jugendlichen Rudi Carrell im hautengen Anzug der Siebziger weckt auch Erinnerungen an das eigene Erscheinungsbild dieser Zeit, mehr noch die Schwarz-Weiß-Ausschnitte aus den sechziger Jahren mit ihrer naiven Dramaturgie. Natürlich stand immer wieder Alfred Biolek im Mittelpunkt, was insofern verständlich ist, als er sein eigenes Leben präsentiert. Andere lassen in solchen Rückblicken ihre jeweiligen Zeitgenossen in den Vordergrund treten und nehmen sich selbst zurück, Biolek jedoch folgte treu seinem eigenen Credo über Schauspieler und Showmaster, das sich in einem kleinen Sketch darstellen lässt. Frage: "Sind Showmaster/Entertainer eitel?" - Gegenfrage: "Fragen Sie Hochkleistungssportler, ob sie sportlich sind?". Immerhin, ein gewisses Maß an Selbstkritik und - ironie ist Biolek nicht fremd.

Als Begleiter hatte sich "Bio" einen jungen Mann an den Flügel geholt, der auch einmal ein betuliches Lied zu Gehör brachte, gegen das die Werke Reinhard Mays wie Revoluzzersongs wirken. Einem kritischen Chanson von Georg Kreisler entzog Biolek durch seinen besinnlichen Vortrag die typisch Kreislerische Schärfe. Nett war das Interview mit Susanne Fröhlich, der Autorin des "Moppel-Ich", die ein wenig Tempo und Witz in die Veranstaltung brachte. Dagegen sprudelte das Interview mit einem reinhessischen Winzer und Freund Bioleks geradezu vor Belanglosigkeit, was nicht unbedingt an dem Gast lag.

Auch die Pannen in vierzig Jahren Fernsehen kamen bei dieser Rückschau ans Tageslicht, hielten sich jedoch wegen ihrer Marginalität in humoristischen Grenzen. Pannenfreiheit in Live-Sendungen spricht natürlich nicht gegen die Akteure, aber als Humorwaffe lässt sie sich nicht gerade einsetzen. So schmunzelte man maximal, wenn Biolek Michael mit Harald Schumacher verwechselt oder wenn er sich bei einem Interview über die Maßen über Plastikessen echauffiert.

Biolek zeigte sogar so viel Mut, die schlimmsten 10 Kritiken aus 40 Jahren von seinem Assistenten verlesen zu lassen, ließ sich von diesem jedoch vorher Ohrmuscheln aufsetzen. Das besonders Ironische an diesem Akt der ironischen Selbstkritik war jedoch, dass sich fast alle dieser Kritiken eben auf diese Veranstaltung anwenden ließen. Uns hat am meisten eine Kritik des Spiegels gefallen: "Bios Bahnhof: Endstation Gähnsucht!"

Dem Publikum, offensichtlich weitgehend Bio-Fans, gefiel's und man sparte nicht mit reflexhaftem Szenen- und stürmischem Abschlussbeifall.

Frank Raudszus

Gästebuch