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Fröhlicher
Horror der sechziger Jahre |
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Howard Ashmans "Der kleine Horroladen" im
Staatstheater Darmstadt |
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Christina
Kühnreich (Audrey), Tom Wild (Seymour)
Dieser beschließt, die
Pflanze zu vernichten, und wirft sich mit laufender Kettensäge in
ihren Schlund. Ob er sie von innen heraus vernichten kann, bleibt
offen, jedenfalls erscheinen die Opfer von "Audrey II" - so der Name
von Seymours Züchtung - in der Darmstädter Inszenierung am
Ende als Engel mit Heiligenscheinen auf der Bühne und warnen die
Menschen, die Pflanze zu füttern. Im Jahre 1960 wohl ein
deutlicher Hinweis auf die weltweite nukleare Rüstung, heute ein
eher vager Verweis auf drohende globale Gefahren, sei es die
hausgemachte Klimaveränderung oder der militante Islam. Auf den
letzteren weisen die langen schwarzen Gewänder der drei
"Gogo-Girls" hin, die den ganzen Abend die Handlung mit ihren
gesungenen und getanzten Kommentaren begleiten.
Nun braucht man hinter dem trivialen
Blödsinn dieses Handlungsgerüsts nicht unbedingt die nukleare
Bedrohung des Kalten Krieges zu sehen. Die amerikansiche Filmindustrie
war und ist durchaus in der Lage, groteske - und teilweise
blödsinnige - Komik auch ohne pessimistischen Tiefsinn zu
produzieren, und man kann annehmen, dass dieser Aspekt bei der
Erstellung des Filmes in Vordergrund stand. Dennoch schafft die
jeweilige historische Situation mit ihren Ängsten und Traumata die
unbewusste Basis für - gute und schlechte - Kunstwerke. Der Film
"Little Shop of Horrors" war sicherlich eines der weniger bedeutenden
cinéastischen Ereignisse seiner Epoche, entwickelte sich jedoch
im Laufe der Zeit, nicht zuletzt wegen der in den achtziger Jahren
erarbeiteten Musicalversion, zu einem wahren Kult der Theaterszene. Der
große Schrecken im Kleinen bot sich immer wieder für
entsprechend grelle und groteske Inszenierungen an, die jedesmal ein
dankbares Publikum fanden. In Darmstadt setzt Regisseur
Daniel Ris ganz auf den naturalistischen Hintergrund der Handlung. Das
Bühnenbild präsentiert eine heruntergekommene Gegend einer
amerikanischen Großstadt. Feuerleitern und Schornsteine
prägen das Bild, die braunschwarzen Häuserfassaden verbreiten
eine düstere bis hoffnungslose Stimmung. Penner wärmen sich
an brennenden Mülltonnen, und Mr. Mushniks Blumenladen mit seinem
tristen Interieur hat schon seit langem keinen Kunden mehr gesehen.
Hinter den Fenstern eines der Vorstadthäusern sieht man die Band
des Staatstheaters unter der Leitung von Michael Ehrhard agieren. Von
hier kommt die schmissige Musik, die zwar aus den Achtzigern stammt
jedoch die "Aura" der sechziger ausstrahlt, ebenso wie die Kostüme
der Personen. Audrey und die drei "Girls" immer im kurzen Mini
und hohen Schuhen, ihr Freund Orin als Elvis-Verschnitt mit langen
Koteletten und Haartolle, Seymour in Latzhose. Mr. Mushnik trägt
auf seinem weitgehend kahlen Kopf ein Haarteil, das ihn optisch
verdächtig in die Nähe von Adolf Hitler rückt. Dass auch
seine rrrollende Stimme dieser Kostümierung Rechnung trägt,
scheint zwar in gewissem Sinne stimmig, ergibt jedoch im Kontext der
Handlung keinen Sinn. Mr. Mushnik ist alles andere als ein
größenwahnsinniger Despot, sondern eher ein kleiner,
erfolgloser Geschäftsmann, der auch einmal am Erfolg teilhaben
möchte.
Daniel Ris will offensichtlich - trotz der
Kostümierung des Mr. Mushnik - nicht mehr an Bedeutung in das
Stück legen als ihm zukommt und belässt es bei reiner
Situationskomik und frech-sentimentalen Liedern. Tragische Opern kann
man - auch in Darmstadt - an anderen Tagen sehen, hier steht das
erschauernde Vergnügen am reinen Grauen im Vordergrund. Dazu hat
man die Pflanze entsprechend herausgeputzt. Anfangs noch klein und
unscheinbar, wächst sie nach dem ersten Genuss von Blutstropfen -
aus Seymours Finger - zu menschlicher Größe und fängt
an, mit Seymour zu sprechen und Menschenblut zu fordern. Die
Position innerhalb dieser Pflanze kann nicht ganz bequem sein, muss der
oder die dafür zuständige Darsteller(in) doch auf engstem
Raum nicht nur die Pflanze sondern auch noch deren Lippen bewegen. Erst
nach dem Genuss von Audreys Freund Orin entwickelt sie sich zu
übermenschlicher Größe und sitzt wie ein zimmerhoher
grüner Hut mit langen Tentakeln fett und bräsig in dem
kleinen Blumenladen. Jan-Andreas Kemna verleiht ihr die Stimme eines
Rappers, der cool-drohend weitere
Das Ganze kommt mit vielen eingängigen
Liedern daher, die die Träume der einfachen Menschen aufs Korn
nehmen und ironisch wiedergeben. Die Liebesszene zwischen Seymour und
Audrey zitiert "Romeo und Julia", ansonsten hält sich die
Inszenierung mit allzu deutlichen Querverweisen zurück, wenn man
mal von Hubert Schlemmers Interpretation des Orin als Elvis-Kopie
absieht. Die drei flotten Mädchen in roten Minis
repräsentieren die Nachbarschaft des Blumenladens sozusagen als
"Mini-Chor" und bringen ein bisschen zusätzlichen Schwung in die
Handlung. Am Ende hat es allen viel
Spaß gemacht: Schauspielern, Musikern und vor allem dem Publikum
im ausverkauften Großen Haus. Es bedankte sich dafür mit
langem Applaus. Frank Raudszus Alle Fotos © Barbara Aumüller |
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