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Gepflegter Jazz
auf "Kammerniveau" |
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10.Kammerkonzert
des Staatstheaters Darmstadt mit den "Echoes of Swing" |
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Im letzten Kammerkonzert der
Saison ging es einmal nicht um Barock, Klassik, Romantik oder gar
atonale Musik des 20. Jahrhunderts, sondern eben dieses feierte
fröhliche Urständ mit beschwingter, weil jazziger Musik. Die
vier Musiker der Gruppe "Echoes
of Swing" - Chris Hopkins (Saxophon) als Conferencier, Colin T.
Dawson (Trompete), Oliver Mewes (Schlagzeug) und Bernd Lhotzky (Piano)
servierten dem Darmstädter Publikum ein ausgefeiltes Programm
geschliffener Arrangements und virtuoser Solis, das so manches Bein in
den Sitzreihen des Zuschauerraumes zum rhythmischen Zucken brachte. Im
Gegensatz zu vielen anderen Jazz-Bands bevorzugt diese Gruppe die
leisen und doch ausdrucksstarken Töne, ohne deswegen in
jazz-untypische Leisetreterei zu verfallen. Doch die Akzente setzen die
Musiker sehr gezielt und sparsam, wodurch sich ihre Wirkung erst
richtig entfaltet. Bisweilen tragen sie extrem zurückgenommene
Stücke vor, deren Interpretation auf der Trompete man geradezu
lauschen muss. Besonders Colin Dawson ist ein Meister der leisen und
doch spannungsvollen Improvisationen. Es ist immer wieder erstaunlich,
wie leise und doch akzentuiert sich eine Trompete oder auch ein
Saxophon spielen lassen.
Bei der Programmzusammenstellung
hat sich das Quartett bewusst von den großen Namen, d.h. den
"Evergreens" und "Ohrwürmern", ferngehalten. Kein "In the mood"
(das sowieso erst in der Big Band aufblüht), keine Dxie-Themen
oder berühmte Ellington-Themen. Natürlich kam der "Duke"
gebührend zu Wort oder - besser gesagt - zu Ton. Doch nicht mit
seinen bekanntesten sondern mit dem breiten Publikum eher unbekannten Nummern. Das verhinderte den
Wiedererkennungseffekt und förderte das genaue Hinhören.
Zwischen den eigenen Arrangements von Stücken der großen
Jazzmusiker der 20er und 30er Jahre streuten die vier Musiker immer
wieder eigene Kompositionen ein, sei es eine von Bernd Lhotzky
verjazzte Version einer Chopin-Etüde, bei der dieser begnadete
Pianist seine ganze Virtuosität zeigen konnte, sei es ein
ausdrucksstarkes Stück, in dem dessen Urheber Colin Dawson selbst
maßgeblich mit der Trompete mitwirkte. Auch der Humor kam an diesem
Abend nicht zu kurz. Nicht nur Chris Hopkins sorgte für Heiterkeit
auf den Rängen mit seinen Anekdoten und frotzelnden Seitenhieben
auf seine Mitmusiker; auch Colin Dawson zeigte sich als wahrer Meister
eines verschmitzten englischen Humors, und Bernd Lhotzky sekundierte
mit trockenen Bemerkungen vom Flügel. Oliver Mewes dagegen spielte
den Part des - hier fehlenden - Bassisten, der in Jazzbands stets durch
sein "Pokerface" auffällt. So spielte an diesem Abend jeder neben
seinem Instrument auch seine Rolle in einer kleinen Komödie, und
das gefiel dem Publikum offensichtlich ausgesprochen gut. Der einzige
Schwachpunkt des Abends bestand darin, dass so eine Band eigentlich
nicht im - mehr oder weniger - sterilen Ambiente eines Theaters,
sondern in einem typischen Kellerlokal auftreten müsste, mit
direktem Kontakt zum Publikum, Zwischenrufen und - ja, auch! -
rauchgeschwängerter Luft. Doch eine solche Räumlichkeit
hätte wohl nur einem Bruchteil der hier erschienen Zuhörer
Platz geboten, und das wäre in jeder Hinsicht schade gewesen.
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