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"Im Feuerstrom der Reben" |
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Das 20. Sommerfest des Rheingau Musik Festivals mit viel Musik und ohne Regen |
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Nachdem
das Wetter bei den traditionellen Sommerfesten des Rheingau Musik
Festivals auf Schloss Johannisberg in den beiden letzten Jahre nicht so
recht mitgespielt hatte, zeigte sich der Himmel dem Fest in diesem Jahr
gnädig, ein angemessener Beitrag zum Jubiläum. Das Konzert
konnte dieses Jahr unbeschadet über die Bühne gehen und auch
die Sonnenschirme waren nicht durch Gewitternböen gefährdet.
Folglich waren die Parkplätze auch schon frühzeitig restlos
belegt, so dass Spätkommer weite Wege in Kauf nehmen mussten.
Ab 18 Uhr konnten sich die Besucher in den Höfen des Schlosses an verschiedenen Ständen der heimischen Gastronomie auf hohem Niveau stärken und auch die flüssigen - durchaus nicht überflüssigen - Produkte des Rheingaus verkosten. Kleinkünstler und Komiker wie Klaus Lang als skurriler "Arthur" oder das Theater Pikante mit dem Programm "Frau Huber und ihr Huhn" unterhielten das flanierende Publikum und stimmten es auf einen heiteren Abend ein. Die Weitläufigkeit der verschiedenen Höfe verhinderte schon zu Beginn ein zu großes Gedränge und erlaubte entspannten Genuss eines guten Rieslings oder Rheingau-Sektes. Gegen
19.30 Uhr begann das Programm im Cuvéehof mit der
obligatorischen Begrüßung durch Festival-Chef Michael
Herrmann, der auf das zwanzigste Jubiläum dieses
größten europäischen Musikfestivals hinwies und vor
allem betonte, dass diese Veranstaltungsreihe - neudeutsch "Event" -
sich allein aus den Beiträgen der Besucher und - zu etwa der
Hälfte - der Sponsoren finanziere. Dass man den Staat nicht
um Unterstützung bitten müsse, freute vor allem den
Schirmherr Roland Koch, der in seiner anschließenden lockeren und
von wohliger Kürze geprägten Ansprache diese Tatsache und die
Leistung des Gründers und Geburtstagskindes Claus Wisser hervorhob
und dem so Geehrten die Figur eines Rheingau-Winzers aus Porzellan
übergab.
Das
musikalische Programm bestand aus einer Operngala italienischer
Meister. Dazu hatte man das Sinfonie-Orchester des WDR unter der
Leitung von Roman Kofman engagiert, das auch gleich mit der
Ouvertüre zu Verdis "Macht des Schicksals" begann.
Anschließend waren eine Reihe von Arien, Duetten und Quartetten
aus verschiedenen italienischen Opern zu hören. Im Zeichen der
Globalisierung traten zu diesem Zweck Sänger und Sängerinnen
aus der Ganzen Welt auf: die Sopranistin Maria José Siri aus
Uruguay, die Mezzo-Sopranistin Tamara Klivadenko aus Russland, ihr
Landsmann Alxej Markov (Bariton) sowie der Tenor Dante Alcalá
aus Mexico. Nun
haben ja Opern-Galas immer etwas vom Potpourri; die einzelnen
Gesangsstücke werden aus dem jeweiligen künstlerischen
Kontext gerissen, ihr Handlungshintergrund verliert sich im
schönen Klang und die Dramatik des Librettos verschwindet
zugunsten der Unterhaltung des Publikums. Doch die Schönheit der
Stimmen und die Wirkung der Musik bleiben, und ein gutes Ensemble kann
selbst aus einem solchen "Best of"-Reigen einen spannenden Abend
gestalten. Dies traf an diesem Abend auf jeden Fall zu, denn mit den
vier Solisten hatte man wirklich hervorragende und auch darstellerisch
überzeugende Nachwuchskräfte engagiert. Dante Alcalá
überzeugte nicht nur mit seinem strahlenden Tenor, sondern vor
allem durch sein verschmitztes, temperamentvolles Spiel, das auch ohne
dramaturgische Szenerie eine Ahnung von den emotionalen
Hintergründen seiner Arien vermittelte. Tamara Klivadenko
duettierte sehr eindrucksvoll gerade mit ihm und steuerte auch eine
eindrucksvolle Arie aus "Adriana Lecouvreur" bei, Maria José
Siri gölänzte vor allem mit Violettas Arie "É
strano!..." aus "La Traviata" und - gemeinsam mit Alexej Markov", im
erschütternden Schlussduett von Verdis "Rigoletto". Den Schluss
bildete ein instrumentaler und gesanglicher Streifzug durch Johann
Strauss' "Fledermaus". Nach
diesem gelungenen Auftakt verteilte sich das Publikum auf die
verschiedenen Höfe, um das kulinarische Angebot des Rheingaus und
weitere künstlerische Darbietungen zu genießen. Dabei
erzielte der Hamburger Pianist Joja Wendt mehr als einen
Achtungserfolg. Dieser Solokünstler ist nicht nur pianistisch
sowohl in der Klassik als auch in Pop und Jazz bewandert, er
verfügt vor allem über ein begnadetes Unterhalter-Talent. Mit
allerlei musikalischen Gags hält er sein Publikum bei Laune,
verwandelt Beethovens "Mondscheinsonate" und Tschaikowskys erstes
Klavierkonzert in "Happy Birthday" für Claus Wisser, lässt
den Flügel beim Spiel - ganz der Hamburger! - wie ein Schiff im
Sturm schwanken und das Publikum bei Trivial-Pop auch mal kräftig
mitsingen. Falsche Scheu vor der Kombination aus hoher "E"- und
niederer "U"-Musik kennt er nicht, denn seine Aufgabe besteht in erster
Linie darin, seine Zuhörer zum Lachen zu bringen, ohne deswegen
als Pausenclown aufzutreten. Seine außerordentliche pianistische
Fingerfertigkeit brachte ihm neben den vielen Lachern auch echte
Bewunderung des Publikums ein. Leider
beendete das große Feuerwerk um 23 Uhr dieses unterhaltsame
musikalische Intermezzo, doch das pyrotechnische Spektakel am
nächtlichen Rheingau-Himmel ließ die Besucher diesen Verlust
schnell verschmerzen. Zu Opern- und Operettenklängen stiegen
dramaturgisch passend die verschiedenen Raketen mit ihren
abschließenden vielfarbigen Rosetten in den Himmel und
dürften bei vielen faszinierten Zuschauern zur Nackenstarre
geführt haben. Wer nach dem Feuerwerk noch keine Lust auf das
heimische Bett verspürte, konnte der temperamentvollen Jazz-Musik
der "Swinging Fireballs" im Schlosshof folgen und auch dazu auf dem
Kiesparkett tanzen. Einige taten's, die meisten jedoch lauschten nur
der Musik und genossen eher ihren Riesling, ihren Sekt oder ihr Pils.
Warum auch nicht, denn an diesem Abend galt das bekannte Motto eines
alten Frankfurters, der den Rheingau auch geschätzt haben
dürfte: "Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein!". Frank Raudszus |
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