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Schwarze Wolken hingen an diesem Donnerstagabend über
Schloss Vollrads im Rheingau, und die Veranstalter hatten
sicherheitshalber das Kurhaus Wiesbaden als Regenalternative angeboten.
Doch die Zuhörer waren optimistisch und füllten bereits eine
halbe Stunde vor Beginn die Stuhlreihen in dem alten Obstgarten
unterhalb des wuchtigen, teilweise vom Schlossteich umgebenen
Schlossturms. Die überdachte Bühne hätte zwar die Band,
nicht jedoch das Publikum vor Regen und Gewitter geschützt. Doch
dazu kam es nicht, und der erste, feine Regen setzte erst nach dem Ende
des Konzerts ein. Die Veranstalter bedankten sich denn auch bei dem
Publikum, das sich durch die trüben Wetteraussichten nicht hatte
abhalten lassen. Demi Evans und ihre drei Begleiter - Fred Morisset
(Gitarre), Nicolas Noël (Keyboard) und Cedric Affré
(Schlagzeug) - bedankten sich dafür mit einem runden Programm, das
die Zuhörer zwei Stunden lang anspruchsvoll unterhielt.
Demi Evans und ihre
Band im Schlosshof
Demi Evans stammt aus Dallas,
Texas, kam schon früh zur Musik, da ihr Vater sich als Bar-Pianist
betätigte, und sang im Kirchenchor. Als junge Frau schlug sie erst
einmal die Model-Laufbahn ein, verlor jedoch nie den Kontakt zur Musik.
Doch es mussten erst renommierte Mentoren kommen, um sie endgültig
ins Lager der selbstständigen Musiker zu ziehen. Dazu gehörte
neben ihrem heutigen Begleiter Fred Morisset vor allem Stevie Wonder, der sofort
Demis Talent erkannt hatte. Seit 2006 bewegt sie sich auch mit einem
eigenen Album auf dem internationalen Musikparkett.
Demi Evans zeichnet sich durch eine volle, warme Stimme
aus, die auch in höheren oder expressiven Lagen nie außer
Kontrolle gerät. Immer bleibt das Timbre angenehm und voll satten
Klangs. Außerdem zieht die Sängerin es vor, dem Publikum
ihre eigenen Texte zu präsentieren, und die zeichnen sich vor
allem durch ihren Witz aus. Um dem Publikum die eigenen Kompositionen
näher zu bringen, sucht sie immer wieder den Dialog. In einem -
erstaunlicherweise - sehr gut verständlichen und gepflegten
Englisch (ohne "heiße Texas-Kartoffeln" im Mund) führt sie
die Zuhörer zu dem Kern des jeweiligen Songs, indem sie über
humoristische Analogien zum Thema leitet. Dabei philosophiert sie auch
mal über ihr schlechtes Deutsch ("Guten Abend") und das
unterstellte gute Englisch des Publikums, lässt sich vor dem
Stück "Platinum Age" witzig und selbstironisch über das vor
allem für Frauen schreckliche aber unvermeidbare Altern aus oder
schickt das Publikum mit einer gekonnten kleinen Ansprache in die
Pause. Demi Evans ist nicht nur Sängerin sondern auch
"Entertainerin" oder, im besseren Deutsch,
"Unterhaltungskünstlerin". Dazu ist natürlich eine glasklare
Artikulation in ihrer Muttersprache Voraussetzung, sonst kämen all
die Bonmots und Scherze auch bei einem des Englsichen mächtigen
Publikum kaum an. An diesem Abend jedenfalls stimmte alles, Demi Evans
brachte die Zuhörer zum Lachen und löste die von der
unsommerlichen Kühle etwas erstarrten Glieder. Doch über
ihrer Tätigkeit als Conferencier vergaß sie das Singen nicht
und überraschte das Publikum immer wieder mit ihrer
ausdrucksstarken und variablen Stimme.
Die
erste Hälfte war eher den besinnlichen und bisweilen
melancholischen Tönen gewidmet, ohne große emotionale oder
dramatische Ausbrüche. Das änderte sich jedoch nach der
Pause, als Demi Evans das Tempo deutlich anzog. Nun kamen auch die
hohen Lagen und die volle Ausdruckskraft ihrer Stimme voll zum Tragen.
Das Konzert gab den kammermusikalischen Charakter zugunsten einer
raumfüllenden Akustik auf. Weit trug die Stimme der Sängerin
durch das gesamte Schlossgelände, sodass man auch in den
verschiedenen Schlosshöfen wenigstens akustisch noch ganz gut an
der Darbietung hätte teilhaben können. Doch der akustische
Genuss stellt natürlich nur die eine Seite eines solchen Konzerts
dar. Man muss diese Sängerin auch gesehen haben, wie sie agiert,
wie sie mit den Zuschauern und ihren Mitmusikern scherzt und sie
gutmütig auf den Arm nimmt und wie sie sich auf der Bühne
bewegt. Man sieht immer wieder, dass diese Frau Erfahrung mit dem
Laufsteg hat, so selbstsicher und effektbewusst setzt sie auch ihren
Körper während des Konzerts ein.
Es ist
müßig, hier einzelne Stücke hervorzuheben, da keines zu
den internationalen "Ohrwürmern" gehörte, die zwar einen
hohen Wiedererkennungseffekt aufweisen, aber oft auch schon
"abgehört" sind. Doch alle ihrer Lieder leben von den
intelligenten, oft bewusst emanzipatorischen Texten und der um
Aufmerksamkeit und Sympathie werbenden Melodieführung. Man kann
Demi Evans gut und gerne als eine Repräsentatin des "anderen"
Amerikas betrachten, das sich durch Offenheit, Liberalität und
emotionale Wärme auszeichnet. An diesem Abend hat Demi Evans
dieses Amerika hervorragand vertreten.
Frank Raudszus
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