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Fahrende Musiker in
Weingütern |
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Vier Musikgruppen unterhalten beim Rheingau Musik Festival Besucher in vier Weingütern |
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Im
Mittelalter hatten es Musikanten nicht immer leicht. Gesellschaftlich
wenig geachtet, zogen sie von Burg zu Burg und unterhielten das
höfische Publikum für oftmals kargen Lohn und
Geringschätzung obendrein. Dafür lieferten sie neben der
musikalischen Unterhaltung auch noch den Klatsch und Tratsch von der
Nachbarburg oder Geschichten aus der großen, weiten Welt. Heute
haben es die Musiker wesentlich besser, reisen zwar auch von Schloss zu
Schloss, präsentieren dort jedoch - so beim Rheingau Musik
Festival - ihre Kunst gegen gute Gage und begeisterten Applaus. Und so
hat man sich bei der Festival-Leitung gedacht, neben dem modernen
Konzertbetrieb mit seinen kosmopolitischen Stars auch den Brauch der
Fahrenden Musikanten wieder ein bißchen zu pflegen, und sei es
nur symbolisch in neuem Gewand. An einem
schönen Sonntagnachmittag öffnen also vier Weingüger
ihre Tore den zahlenden Gästen und den spielenden Musikern
für kulinarische und musikalische Genüsse. Ab 16 Uhr konnte
man so am 22. Juli in den Weingütern "Langwerth von Simmern'sches
Rentamt" (Eltville), "Weingut Baron zu Knyphausen" (Erbach), Weingut
Balthasar Ress (Hattenheim) und Weingut Robert Weil (Kiedrich) Wein,
Weck und Gesang genießen. Dazu zogen vier Musikgruppen von einem
Weingut zum nächsten, unterhielten das dortige Publikum eine halbe
Stunde und zogen dann zum nächsten. In der Zwischenzeit konnten
sich die Gäste unterhalten und für Leib und Magen sorgen. Das
Wetter, das sich an den Tagen davor noch recht unwirtlich gezeigt
hatte, spielte an diesem Tage mit und tauchte den Rheingau in warmes
Sonnenlicht. Nur ein kühler Wind pfiff von Zeit zu Zeit um die
Ecken, legte sich gegen Abend dann aber auch.
Im
Weingut Robert Weil am Ortsrand von Kiedrich hatte man sich gegen die
Eventualitäten der Witterung mit luftige Zelten für die
tafelnden Gäste und die Musikanten abgesichert. Im parkartigen Hof
des alten Fachwerkbaus war die Gastronomie aufgebaut, und der gepflegte
Garten lud die Gäste zwischendurch immer wieder zu kleinen
Spaziergängen ein. Das Programm begann hier mit der Gruppe Carmen
Hey & Amusette: Carmen Hey spielt das Akkordeon im Stil der
französischen Musette-Musik, dazu begleiten sie Gitarre und Bass.
Eine halbe Stunde lang zog französische Atmosphäre mit
bekanntem Liedgut in den Hof des Weinguts, wobei die "Evergreens" aus
den 30er Jahren im Mittelpunkt standen. Dann hieß es - nach
gebührendem Applaus - aufbrechen zur nächsten Station und die
Bühne freimachen für die Ablösung.
Als
nächste Gruppe präsentierte "Cri Cri Brasil" - mit einer
Brasilianerin am Schlagzeug - Musik aus ihrem südamerikanischen
Mutterland. E-Bassist und Gitarrist/Sänger stammen ebenfalls aus
Brasilien , nur der Vibraphonist ist Deutscher mit kosmopolitischem
Hintergrund und spielt beim deutschen Publikum den Moderator.
Dreißig Minuten lang heizte diese Gruppe den Zuhörern mit
Samba, Cha-cha-cha und anderen südamerikanischen Rhythmen ein, und
dabei durfte natürlich das berühmte "Girl from Ipanema" nicht
fehlen. Rasante Rhythmus-Einlagen mit verschiedenen Schlaginstrumenten
und melancholische Gesangsnummern rundeten das Programm ab.
Begeisterter Beifall und - ab.
Den
Schluss machte eine richtige Dixieland-Band mit Tuba, Banjo,
Klarinette, Posaune und Trompete, die "Frankfurt Swing All Stars". Die
Musiker kommen aus aller Herren Länder, so aus Uruguay und Mexiko.
Trompeter, Sänger und "Entertainer" Klaus Koop jedoch kommt aus
dem nahen Mainz und kann das auch glaubwürdig beweisen. Doch auch
Louis Armstrong imitierte er überzeugend, und den "Sheik of Araby"
spielte und sang die Band zusammen mit dem Publikum. Überhaupt hat
diese Gruppe viel Sinn für (musikalischen) Humor, zog schon mal
mit einer Polonaise durchs Publikum oder überraschte die
Zuhörer mit improvisierten musikalischen Gags, die immer für
einen Lacher gut sind. Leider ging auch diese halbe Stunde viel zu
schnell vorbei, und man hätte gerne noch zwei oder drei solcher
Gruppen gehört. Doch die nahende Abendkühle legte
schließlich den Aufbruch nahe, und bei der Fahrt hinab durch die
Weinberge gingen einem die letzten Dixie-Nummern nicht aus dem Ohr. Versteht
sich, dass neben den musikalischen Leistungen auch die gastronomischen
nicht zu verachten waren. Man konnte sich an diesem Nachmittag an einem
Menü sattessen oder einfach einen Käseteller bestellen - in
jedem Fall kam der Gast auf seine Kosten und verließ das Weingut
rundherum zufrieden. Nur dem guten Riesling durfte man wegen der
bevorstehenden Autofahrt nur sehr begrenzt zusprechen. Frank Raudszus |
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