Professor Florestan und Maestro Eusebio packen aus




























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1. Kinderkonzert des Staatstheaters Darmstadt über Robert Schumann

 

Im Foyer des Staatstheaters Darmstadt tummeln sich Kinder von 3 bis 12 Jahren. Manche haben noch Schmusekissen und Kuscheltiere dabei. Im Großen Haus herrscht dann freudige Erwartung: die Geräuschkulisse erinnert an einen Bienenschwarm.

Als das Orchester auftritt und die Instrumente stimmt, beruhigt sich das Jungvolk langsam. Maestro Eusebius (Dirigent Martin Lukas Meister) lässt das Orchester mit dem ersten Satz der  dritten Sinfonie von Robert Schumann ("Die Rheinische") beginnen. Der dynamische Auftakt passt zur aufgekratzten Stimmung des jungen Publikums. Und dann betritt Professor Florestan (Christian Firmbach) in clowneskem Aufzug und mit einem großen Koffer die Bühne. Es ist ein Koffer Robert Schumanns, der auf einem Dachboden in Heidelberg gefunden wurde und ein merkwürdiges Gerät enthält. Ist es ein Vogelhausständer? Eine Angel? Oder gar ein Galgen? Nein, es ist ein frühes Fitness-Gerät, mit dem Robert Schumann die Beweglichkeit seiner Finger trainierte.

Das nächste Musikstück - die "Träumerei" aus den "Kinderszenen", op. 15 - zeigt den verträumten Schumann, und Prof. Florestan macht es sich auch gleich auf dem großen Koffer gemütlich und gibt sich ganz dem Tagtraum hin. Es ist mucksmäuschenstill im Saal. Die Kinder lassen sich ganz auf die Musik ein. Die nächsten beiden Musikstücke aus dem "Carneval", op.9, sind den beiden Protagonisten Florestan und Eusebius gewidmet. Für Eusebius "den Milden" ist die Musik eher zart und mit viel Tiefgang, für Florestan "den Wilden" ist sie dynamisch und impulsiv und hat nicht mal einen richtigen Schluss. Die Kinder erfahren, dass Schumann die beiden Personen erfunden hat. Vielleicht für seine acht Kinder, um sie für die Musik zu begeistern.

Schumanns Frau Clara war eine hervorragende Pianistin. Ihr war das nächste Musikstück , das Scherzo aus den "Pièces Fugitives" op. 15, gewidmet. Und weil Robert und Clara so glücklich miteinander waren, hat Schumann in die Sinfonie Nr. 1( "Der Frühling") dieses gemeinschaftliche Glück hineinkomponiert.

Professor Florestan trötet nun auf einem Jagdhorn herum. Maestro Eusebius weist ihn darauf hin, dass Schumann keine Musik für Elefanten komponiert habe, sehr wohl aber für vier Ventilhörner, nämlich das Konzertstück für vier Hörner und großes Orchester, op. 86. Am zweiten Satz dieser Komposition lernen die jungen Zuhörer so ganz nebenbei ohne pädagogischen Zeigefinger ein Instrument und seine Klangeigenschaften kennen.

Schumann hat nur eine Oper geschrieben: "Genoveva". Hieraus stammt das Lied "Wenn ich ein Vöglein wär", und das singt die große Zuschauergemeinde begeistert mit. Wie es bei den ausgebildeten Sängern Aki Hashimoto (Sopran) und Markus Durst (Tenor) klingt, erfährt das Publikum anschließend.

Zum Mitmachen lädt die Ouvertüre zu Goethes "Herrmann und Dorothea" ein. Jedesmal, wenn Teile der Marseilleise erklingen, erhebt sich das Publikum von den Plätzen, wie es sich bei einer Nationalhymne gehört. Die Kinder erfahren auch von Schumanns Krankheit sowie einem Selbstmordversuch und, dass er früh in einer Nervenklinik verstarb. Um Abschied von ihm zu nehmen, bietet sich die "Prozession" aus dern Sinfonie Nr. 3 ("Die Rheinische") an.

Zum Schluss - mit dem Hinweis auf die nahende Weihnachtszeit - "Knecht Ruprecht" aus dem "Album für die Jugend", op. 68. Hier kommen alle Zuhörer noch einmal mit rhythmischem Klatschen und Stampfen zum Einsatz, wenn Ruprecht die Treppe hinaufstapft. Rhythmusgefühl und Konzentration sind hierbei gefragt, und alle haben viel Freude am Mitmachen. So verlassen alle Zuhörer nach 90 Minuten gut gelaunt und musikalisch beschwingt das Kinderkonzert und freuen sich sicherlich schon auf die nächste Veranstaltung am 27. Januar 2008 mit dem geheimnisvollen Titel "Troll Triller im Zauberwald".


Barbara Raudszus

Gästebuch