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Erotische Turbulenzen
mit Tempo und Witz |
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Die
Komödie "wie man sich bettet" von Richard Harris und Leslie Darbon
im Darmstädter TAP |
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Bei
Boulevard-Stücken sind die Türen die wichtigsten Requisiten.
Kaum verlässt eine Person die Bühne durch die eine Tür,
tritt die nächste durch eine andere Tür auf, wobei
äußerst wichtig ist, dass sich die beiden nicht treffen,
denn darauf basieren die üblichen Verwechslungen und damit der
ganze Witz des Stückes. Obwohl das Muster seit Jahrzehnten (wenn
das reicht) bekannt ist, reizt es immer wieder von neuem zum Lachen,
wenn die Geschichte nicht zu platt und die Inszenierung ausreichend
originell und geistreich ist. Das Darmstädter Boulevard-Theater TAP (Theater am
Platanenhain) hat sich seit Jahrzehnten auf diese Art Theater
spezialisiert und es darin zu einer Art lokaler Meisterschaft gebracht.
Ein treues Publikum dankt es den Darstellern um Inhaber und Regisseur
Dieter Rummel mit zahlreichem Erscheinen und vielen Premieren-Blumen. Oliver Lemki (Georges)
und Stephanie Meisenzahl (Jane)Am 2. November feierte die Komödie "Two and Two make Sex" des englischen Autorenpaares Richard Harris und Leslie Darbon Premiere. Dazu hat man die kleine Bühne in zwei virtuelle Räume unterteilt, deren Trennung sich erst aus dem Spielverlauf ergibt. Rechts sieht man den Wohnschlafraum der jungen Jane mit Bett und Schrank, links den Salon des arrivierten Ehepaares Clare und George. George hat hinter dem Rücken seiner Frau ein noch "platonisches" Verhältnis mit Jane aufgenommen, die in einer für sie unbefriedigenden Beziehung zum unstetigen Nick lebt, der lauter unausgereifte Ideen verfolgt und ihr ansonsten auf der Tasche liegt. George und Jane versuchen im rechten Bühnenteil vom platonischen in den vollendeten Beziehungsstatus zu gelangen, doch schlechtes Gewissen und die eisernen Regeln des Boulevard-Theaters - "Lass es nie zum Äußersten kommen" - verhindern dies vorerst. George erfindet per Telefon seiner Frau gegenüber Ausreden am Fließband und ist im Übrigen felsenfest der Überzeugung, sie ahne nichts. Clare jedoch hat längst den Braten gerochen und zieht ihre Freundin und Lebensberaterin Ruth zu Rate. Diese rät ihr zu einer Gegenstrategie auf demselben Niveau, und als sich Nick bei einem Telefonat mit ihr in seinem Ärger über Jane als Georges Psychiater ausgibt, ist die Basis für eine handfeste Verwechslungskomödie gelegt. Während Gorge rechts mit Jane ein erotisches Wochenende in Paris vorbereitet, präsentiert sich links Nick mit viel Improvisationstalent als weltgewandter Psychiater und gewinnt nicht nur Clares Ohr. Als George seiner Frau von einer Geschäftsreise über das kommende Wochenende erzählt, rät sie ihm wider Erwarten sofort zu, da sie sich an diesem Wochenende mit Nick alias Psychiater Dr. .... auf noch festzulegende Weise vergnügen will. Patrick Koch (Nick) und Erika Best (Clare)Als alles auf ein beidseitig außereheliches Wochenendvergnügen hindeutet, meldet sich bei Jane plötzlich ihr Vater Jack, der zwanzig Jahre lang nichts von sich hat hören lassen. Wenig begeistert komplimentiert die reisefertige Jane ihn hinaus, nicht wissend, dass er sich auch bei George als dessen alter Freund meldet, der wiederum von Jacks verwandschaftlicher Beziehung zu Jane nichts ahnt. George hat diese Verabredung völlig vergessen und muss jetzt sein Liebeswochenende aufgeben. Als er Jane absagt, ist diese im Grunde froh, weil sie ihr schlechtes Gewissen gegenüber ihrem Vater plagt. Ein Anruf genügt, und schon lädt Jack sie zum Abendessen bei seinem Freund ein. Clare und die mittlerweile eingetroffene Ruth erwarten minütlich den vermeintlichen Psychiater zum Stelldichein und begrüßen die eintreffende Jane daher eher erleichtert. Zwecks Erhöhung der Spannung weilen George und Jack außerhalb des Hauses. Nun sind fast alle Zeitbomben gelegt und die Zündschnüre glimmen, es fehlt nur noch Nick. Auch dieser erscheint in einem Moment, in dem er Jane nicht sofort antrifft, und so treffen dann fast alle Personen auf einmal aufeinander. Wie in solchen Komödien üblich, werden die Identitäten nicht sofort geklärt, sondern durch so kunstvolle wie unrealistische Auslassungen solange wie möglich in der Schwebe gelassen. Die gegenseitigen Fehldeutungen führen natürlich reihenweise zu erstklassigen Slapsticksituationen und entsprechenden Lachern. Erst wenn es gar nicht mehr zu vermeiden ist, platzen die Identitätsknoten und einige Personen fühlen sich arg düpiert. Doch - auch das eine Regel der Boulevard-Komödien - die "Beinahe-Ehebrecher" kommen meist ohne Entlarvung davon, Belohnung für den Umstand, dass es nie "zum Letzten" gekommen ist..... Dieter Rummel hat dieses Stück mit viel Tempo, Witz und sogar einigem Lokalkolorit (hessischer Dialekt) in Szene gesetzt. Die Doppelnutzung der Bühne mit zeitweise parallelem Ablauf der beiden Szenerien sorgt für originelle Effekte, so wenn die Antworten der linken Bühnenseite wie zufällig zu den Fragen der rechten passen. Wie im Ping-Pong-Spiel wandern die Pointen von einer Seite zur anderen. Auch die Telefonate zwischen den beiden Wohnungen, bei denen die Gesprächspartner physisch nebeneinander stehen, entwickeln über den jeweiligen Gesprächsinhalt hinaus einen zusätzlichen Witz. Dem Tempo der Inszenierung kommt diese Verdichtung ebenfalls zugute. Die Szenen wechseln sich in schneller Folge ab und lassen keinen Moment Leerlauf oder gar Langeweile aufkommen. Die Darsteller bewegen sich durchweg auf der Höhe ihrer Rollen. TAP-Veteran Oliver Lemki gibt einen glaubwürdigen George, der durchs Berufsleben gestresst ist, aber angesichts der jungen Jane plötzlich jugendliche Anwandlungen wie Verzicht aufs Unterhemd und Joggen trotz schlechter Kondition zeigt. Erika Best zeigt als seine Ehefrau Clare kühlen, zeitweise sarkastischen Durchblick und gibt auch die beleidigte "Beinahe-Betrogene" sehr lebensecht wieder. Stephanie Meisenzahl zeigt nicht nur optisch, dass ein braver Ehemann ihretwegen Kopf und Moral verlieren kann, sondern beweist auch ihr schauspielerisches Talent mit viel Temperament und Witz. Inka Schmietendorf mischt als etwas "abgedrehte" Ruth den Laden auf und sorgt für unkonventionelle Auftritte. Patrick Koch schließlich bringt einen leicht hessichen Zungenschlag und vor allem eine jugendliche Unbekümmertheit ins Spiel, die jedoch schnell in Schlitzohrigkeit oder sogar Kampfgeist umschlagen kann. Dieter Rummel übernimmt neben seinen Regieaufgaben auch noch die Rolle des Jack, der die Verwechslungen auf die Spitze treibt. Alles in allem ein unterhaltsamer und temperamentvoller Boulevard-Abend, der dem Publikum denn auch überaus gut gefiel. Der Beifall folgte spontan und mehr als herzlich, und von mehreren Seiten wurden Blumengebinde an die Darsteller verteilt. Weitere Aufführungen bis Februar mittwochs bis samstags um 20:15 Uhr, sonntags um 18 Uhr Frank Raudszus |
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