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Clown am Zirkusboden - ratlos |
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Das neue Programm "Emotion" des Varietés Da Capo in Darmstadt |
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Das Varieté "Da Capo" stand in den letzten Jahren bei seinen Gastspielen in Darmstadt für Originalität, Witz und Tempo. In diesem Jahr erschien Gründer und Inhaber James Jungeli in einer Art "Comeback" selbst wieder in der Manege, nachdem in den letzten beiden Jahren externe Darsteller die Schlüsselpositionen in de jeweiligen Programmen besetzt hatten. Diese Moderatoren hatten jeweils eine Geschichte um das Programm aufgebaut und erzählt, sei es das Thema des Traums oder die Gier nach Geld und Macht. So war man auch in diesem Jahr wieder gespannt auf die Rahmenhandlung, die das Publikum für kurze Zeit aus dem Alltag entführen sollte. Und als das Programm dann mit einiger Verspätung begann, zeichnete sich auch wieder eine solche Rahmenhandlung ab: die Dame in rotem Frack und Zylinder in der Manege begann sofort ein Streitgespräch mit einem frechen Zuschauer, der sich offensichtlich ohne Karte eingeschlichen hatte. Schnell wurde klar, dass es sich bei diesem Eindringling um James Jungeli persönlich handelte, der dann auch bald in die Manege zitiert wurde und dort das Kommando übernimmt. Doch merkwürdig, bzw. bezeichnend: dieser humoristische Einstieg verweist auf kein durchgehendes Motto, ist sich als Gag genug. Und so, wie das Programm mit einem Einzel-Einfall beginnt, mangelt es ihm auch in der Folge am durchgehenden roten Faden, der eigenständigen Witz und Überraschungen produziert. So laufen denn die akrobatischen Vorführungen ohne die übergreifende Klammer eines durchgängigen Themas und ohne Bezug aufeinander ab. Als erste steigt die Russin Luftsera, mit einem hautengen, weißen Lackanzug bekleidet, in eine Glaskugel, die langsam in den offenen Raum über der Manege aufsteigt. Die Artistin zeigt in dieser Kugel die Biegsamkeit und Beweglichkeit ihres Körpers, überspannt im Spagat die sich unter ihr weit öffnenden Hälften der Kugel etliche Meter über dem Boden und lässt sich sogar kopfüber hinausfallen, wobei sie sich nur mit dem Spann eines Fußes an der Kugelinnenseite festhält, bevor sie sich wie gewichtslos aus dieser Stellung wieder hinaufschwingt und zurück in die Kugel steigt.
Nach ihr erscheint die Jongleurin Shirley und wirbelt erst rote Hüte zwischen Händen und Kopf hin und her, dann weiße Bälle und schließlich drei rechteckige Quader, die sie abwechselnd einzeln oder in Päckchen über ihrem sich blitzartig drehenden Körper durch die Luft kreisen lässt. Das alles geschieht im Takt einer temperamentvollen Musik der Band auf der Empore. Das Tempo der Jonglage steigert sich derartig, dass ihr - vor allem bei den Quadern - auch mal eins zu Boden fällt. Kleinere Pannen quittiert sie jedoch mit einem Lächeln und merzt sie bei dem nächstem Versuch souverän aus. Nach einem musikalischen Zwischenspiel, bei dem James Jungeli zusammen mit einigen Zuschauern auf vorher verteilten Glocken ein kleines Konzert veranstaltet, stürmt eine Gruppe von chinesischen Bodenartisten mit großen Dekorstangen die Manege und baut um diese Stangen herum ein Akrobatikprogramm auf, bei dem sie Saltos und andere Übungen an den unverändert aufrecht stehenden Stangen vorführen. Das Erstaunlichste an diesen Übungen ist die Kunst, die Stangen unabhängig von den akrobatischen Kunststücken stabil im Raum zu halten. Nachdem James Jungeli im Anschluss daran das Publikum mit einer kleinen Chaplinade unterhalten hat - wobei sich die einzelnen Gags durchaus nicht durch besondere Originalität auszeichnen -, zeigt das russische Duo Egorov & Hoy seine Künste am Doppelschlappseil. Imponierend hierbei die außerordentliche Körperbeherrschung und Muskelkraft, wenn sich die beiden mit vorgestreckten Beinen nur mit den Armen Hand über Hand am Seil hochziehen, oder die Koordination, wenn die beiden sich wie ein einziger Körper rasend ums Trapez drehen.
Ein
akustisch nur schwer verständlicher Sketch mit James Jungeli und
einer auf hässlich getrimmten "Frau am Wirtshaustisch" leitet
über zur Pause, bevor noch einmal Egorov & Hoy in der Manege
erscheinen und, nun mit verbundenen Augen, auf zwei überkreuzten
Seilen nebeneinander und aneinander vorbei balancieren. Die beiden
"Blinden" auf den Drahtseilen lassen das Publikum bisweilen den Atem
anhalten, wenn sie sich scheinbar in die Quere kommen, doch routiniert
und gekonnt bringen sie ihre gewagte Vorführung zu Ende. Ein
Musik-Sketch mit James Jungeli zu Richard Strauss' "Also sprach
Zarathustra" sorgt noch für eine lachlustige
Slapstick-Atmosphäre, und die dramatische Musik erweist sich als
hervorragende EInleitung der nächsten Akrobatik-Nummer mit den
Artemievs aus Russland. Die Japanerin Min Zhou zeigt in der
kategorie "Kontorsion", wieweit man seinen Körper bei
entsprechendem Training verbiegen kann, und balanciert bis zu sechs
Mehrfach-Kerzenhalter - mit brennenden Kerzen! - gleichzeitig auf den
Fußsohlen, den Händen, dem Kopf und im Mund. Man muss sich
diese Übung bildlich vorstellen - wenn man sie nicht gesehen hat
-, um die Schwierigkeiten auch nur ansatzweise zu verstehen. Anschließend
wechseln sich einige teils ein wenig besinnliche, teils humoristische
EInlagen ohne großen Originalitätswert mit einer
artistischen Show ab: am Hochtrapez zeigen Evgenya
und Alexey gewagte Sprünge und Schwünge, wobei die junge
Evgenya
manchmal völlig frei in zehn bis zwölf Metern Höhe
über ihrem Partner
schwebt, um dann in der schwerelosen Abwärtsbewegung doch noch
dessen
Hände zu fassen und sich an ihnen durch die Zirkuskuppel zu
schwingen.
Diese Vorführung gehört zwar zu den "Klassikern" des
artistischen
Varietés, fasziniert jedoch aufgrund des Dynamik und der
Präzision -
und nicht zuletzt aufgrund der scheinbaren Gefahr - jedesmal von Neuem.
Nach einer parodistischen "Zaubershow" von James Jungeli weckt
schließlich die chinesische Bodentruppe "Dezhou Shang" die
Aufmerksamkeit des Publikums noch einmal mit gewagten Sprüngen
durch immer höher aufgelegte und sich drehende Reifen, gepaart mit
Saltos und anderen Bodenkunststücken. Nur ein Springer reißt
bei einm besonders schwierigen Sprung den Ring, wiederholt jedoch mit
gleichmütigem Gesichtsausdruck diesen Sprung - mit Erfolg. Während
die artistischen Übungen - abgesehen von kleineren Missgeschicken
- professionell und beeindruckend abliefen, fehlte dieses Mal der
beseelende Rahmen. James Jungelis Scherzeinlagen boten denn doch nicht
genügend Originalität und Überraschungen, um das
Publikum von den Sitzen zu reißen. Vieles hatte man in dieser
oder ähnlicher Form schon mehr als einmal gesehen, und so kannte
man das Ende der meisten Sketches - vor allem den "großen Sprung"
am Ende - schon bei der Einleitung der jeweiligen Nummer. Nach den
teilweise berückenden oder temperamentvollen Rahmenprogrammen der
letzten Jahre stellt diese Show einen Rückschritt dar, und man
kann nur hoffen, dass James Jungeli im nächsten Jahr wieder zur
alten Originalität zurückfindet. Weitere Vorführungen im Zelt am
Landesmuseum bis zum 6. Januar montags bis freitags um 20 Uhr, samstags
und sonntags auch um 15 Uhr. Frank Raudszus |
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