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Filmkult - auf der
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Staatstheater
Darmstadt inszeniert im Rahmen der Slyvestergala Freddie Fintons
"Dinner for One" |
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Im Jahr 1963
ließ der NDR zu Sylvester durch den englischen Komiker Freddie
Finton einen Sketch namens "Dinner
for One" erstellen. Die Geschichte grenzt an einen Dauer-Kalauer,
zeigt er doch nichts anderes als das erzwungene Besäufnis eines
alten Butlers anlässlich einer virtuellen Geburtstagsparty. In den
darauffolgenden vierzig Jahren hat sich dieser Sketch zu einem
derartigen Kultobjekt entwickelt, dass es an dieser Stelle eigentlich
überflüssig ist, seinen Inhalt noch einmal im Detail
nachzuerzählen. Wir wollen deshalb auch davon Abstand nehmen. Aart Veder (James),
Margit Schulte-Tigges (Miss Sophie)Das Staatstheater Darmstadt ist jetzt jedoch auf die Idee gekommen, diesen Sketch in das Programm der Sylvestergala einzubauen, jedoch nicht, wie seit Jahr und Tag bei unzähligen Anlässen dieser Art üblich, als Video auf einer mehr oder minder wandfüllenden Leinwand, sondern "live" als Theaterstück. Doch wie geht man ein solch ein "Kultobjekt" heran? Eine neue Interpretation? Etwa als verspäteten Klassenkampf zwischen ausgebeuteter und ausbeutender Klasse? Oder als modernes Prekariatsstück in der Wohnküche im Unterhemd-Ambiente? Nichts von alledem! So ein Stück DARF man einfach nicht verfremden, denn Millionen identischer Erwartungshaltungen hängen an diesem Stück. Eine Neu-Interpretation wäre reine Blasphemie! Also haben zwei Schauspieler des Ensembles, Margit Schulte-Tigges und Aart Veder, das skurrile Paar Miss Sophie und James Wort für Wort, Gestik für Gestik und Mimik für Mimik durchaus studiert mit heißem Bemühn und das Ergebnis ihrer eingehenden Proben dem Sylvesterpublikum vorgeführt. Bühnenbild und Kostümbildner haben ein Übriges getan, Margit Schuilte-Tigges so gut wie möglich zu Miss Sophie - die Darmstädter Schauspielerin ist dafür glücklicherweise aber etwas zu jung - und den trockenen Humoristen Veder zum kauzigen Butler James zu machen; im letzteren Fall mit erstaunlichem Erfolg, hat man doch Aart Veder eine Frisur verpasst, die ihn sehr nahe an Freddie Finton heranbringt. Das Interieur der Bühne spiegelt ebenfalls exakt jene alte englische Villa wider - viel Holz, alte Möbel und eine Treppe zur Galerie -, die wir alle aus dem kurzen Film kennen. Die Handlung läuft dann exakt ab wie bekannt: Aart Veder stolpert ein halbes Dutzend Mal über den Tigerkopf, steigt einmal und springt einmal hinüber und trinkt sich ansonsten sozusagen dienstlich ins Delirium, bis zur abschließenden Herausforderung im ersten Stock, über deren Ergebnis noch nie ein Sterbenswort verlautet ist. Das Publikum erwartete den Sketch in höchster Erwartungshaltung, und bereits das Bühnenbild brachte die ersten Lacher. Vom ersten Auftritt der beiden Darsteller an spielten diese sozusagen hinter den Lachern hinterher, denn das Publikum kannte natürlich die Szenen bis ins Detail und lachte bereits in der Erwartung des jeweils Kommenden. Was normalerweise im schauspielerischen Alltag tödlich sein mag - wenn das Publikum bereits vor der Pointe lacht -, hatte hier Methode und entsprach dem Zweck der Aufführung. Für das Publikum wie für die Schauspieler auf der Bühne war das Ganze ein Heidenspaß, und erstaunlich war nur die Präzision, mit der Aart Veder Einzelheiten wie die abgespreizte Hand und den steifen Gang des Butlers nachspielte, von der Stolperei und dem alkoholbedingten Schwanken ganz zu schweigen. Wir ersparen uns an dieser Stelle eine eingehende Analyse der dramatischen Handlung sowie eine umfangreiche Würdigung der Interpretation und des inszenatorischen Umfeld und möchten nur betonen, dass die Zuschauer diese Version eines Klassikers der Moderne mit sehr viel Sympathie und Verständnis aufnahmen. Nach dem offenen Ende dieser Kompakttragödie sah man viele Zuschauer nachdenklich und tief betroffen den Saal verlassen und die gesellschaftspolitischen Schlussfolgerungen dieses anklagenden Stücks in ihren Herzen bewegen. Frank Raudszus |
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