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Hommage an einen
großen Chansonier |
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Klaus
Hoffmann singt im Großen Haus des Staatstheaters Darmstadt
Chansons von Jacques Brel |
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Jacques Brel,
der unbekannte Belgier aus einer Fabrikantenfamilie, war ein Idol der
sechziger Jahre. Früh brach er aus dem bürgerlichen Milieu
seiner Heimatstadt aus und ging nach Paris, um dort als einer von
vielen Musikern durch die Stadt zu tingeln. Doch schon 1960 hatte er
sich durchgesetzt und avancierte binnen weniger Jahre zum beliebtesten
weil ungewöhnlichen und unverfälschten Liedermachers. Man
sagt von ihm, er habe seine Chansons nicht gesungen sondern gelebt.
Lange bevor er auf der Bühne altern konnte, verließ er sie
und zog sich in die Südsee zurück. Einmal noch kehrte er nach
Europa zurück, gab ein letztes Album heraus und starb, knapp
vierzig Jahre alt, 1979 an Lungenkrebs. Jacques Brel war nirgends und
überall zu Hause, obwohl Paris wohl das Zentrum seines Lebens war.
Daran konnten auch die Jahre in Polynesien, Gauguins Paradies, nichts
ändern. Klaus Hoffmann hat einen ähnlichen Lebensweg hinter
sich, wenn auch nicht mit so frühem Ende. Ähnlich Jacques
Brel suchte auch er sich als junger Mann, zog mit einer Gitarre im Arm
und drei Akkorden im Kopf von Pontius zu Pilatus, um sein Glück
als Liedermacher zu suchen, und durchlebte dabei die Qual der
Unsicherheit und der Selbstzweifel aller Künstler am Anfang ihrer
Karriere. Da lag es auf der Hand, dass er Jacques Brel, kaum hatte er
dessen erste Chansons gehört - noch ohne den Text wegen kaum
vorhandener Französischkenntnisse zu verstehen -, zu lieben und zu
verehren begann. Spätestens nach Brels Tod hat es sich Hoffmann
zur Aufgabe gemacht, dessen Erbe zu pflegen und seine Chansons auf der
Bühne wieder erstehen zu lassen. Sympathischerweise betont er
dabei die künstlerische Distanz zwischen sich und seinem Vorbild,
möchte sich nicht mit ihm vergleichen und schon gar nicht ihm
konkurrieren. Hoffmann macht aus Brel keinen Hoffmann und nutzt keinen
Augenblick lang die Möglichkeiten der Selbstdarstellung, die ihm
die Abwesenheit seines Idols einräumt. Gerade durch diese
Bescheidenheit gewinnt Hoffmann an Statur und wird als Interpret von
Brels Chansons glaubwürdig.Hoffmann trägt Brels Chansons in deutschen Übersetzungen vor. Dadurch verlieren die Lieder zwar in gewisser Weise ihren typischen Charme, der an die französische Sprache gebunden ist, andererseits spielen jedoch die Texte eine so wesentliche Rolle, dass ein des Französischen nicht wie einer Muttersprache mächtiges Publikum einen wesentlichen Teil der Wirkung versäumen würde. So jedoch konnte man mit Klaus Hoffmann lachen und - zumindest innerlich - weinen, denn alle Chanson haben den Verlust, die Unerreichbarkeit der Liebe oder die Sehnsucht nach ihr zum Gegenstand. Wirklich lebensfrohe, optimistische Themen haben bei Brel - zumindest im Programm dieses Abends - keinen Platz. An diesem Abend trat Klaus Hoffmann in "kleiner Besetzung" an, das heißt nur mit dem Pianisten Hawo Bleich am Flügel, der neben der musikalischen Begleitung noch als das Objekt verschiedener Scherze und einmal sogar als Sänger herhalten musste. Hoffmann wob die Chansons in ein lockeres Unterhaltungsprogramm mit vielen Scherzen über sich, seine künstlerische Vergangenheit und sein Verhältnis zu Jacques Brel ein. Auf diese Weise vermied er erfolgreich den Eindruck einer "Nummernrevue" und erntete trotz der eher melancholischen Lieder mehr als ein Mal auch Lacher. Auch die Texte kamen nicht immer originalgetreu daher: gerne flocht er aktuelle Kommentare zum Veranstaltungsort, dem Publikum ein oder Gedanken, die ihm beim Singen spontan kamen. Diese Improvisationen vermittelten einen Eindruck der Persönlichkeit Jacques Brels, der in seinen Konzerten wohl ähnlich assoziativ vorgegangen sein muss. Hoffmann hielt dadurch auch während des gesamten Abends enge "Tuchfühlung" zum Publikum, war keinen Moment nur Vortragender sondern immer auch Gesprächspartner der Zuhörer. Ein Blick über das Publikum zeigte deutlich, wann Jacques Brel gelebt, geliebt und gesungen hat: die grauen Haare der 68er-Generation überwogen an diesem Abend deutlich, und bei dem einen oder anderen Lied - "ne me quitte pas" und andere - vernahm man deutliche Wiedererkennungslaute aus den Reihen. So mancher hätte wohl am liebsten mitgesungen, aber soweit ging denn doch niemand, und Feuerzeuge wurden auch nicht geschwenkt. Was kam zu Gehör? Natürlich "Amsterdam". "Marieke", "Rosa", "ne me quitte pas", "Der Säufer" und andere, bekannte und weniger bekannte. Am Ende ließ das begeisterte Publikum Klaus Hoffmann nicht aus dem Saal, bevor er zwei Zugaben gegeben hatte, und viele Zuschauer verließen das Große Haus mit einem nostalgischen Schimmer in den Augen. Einige von ihnen haben sich anschließend zu Hause sicherlich - dem Rat Klaus Hoffmanns folgend - eine alte Schallplatte von Jacques Brel aufgelegt. Frank Raudszus |
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