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Blech, das
glänzt, ist manchmal Gold |
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Beim 5.
Kammerkonzert gastierte das Bläser-Ensemble "Rennquintett" im
Staatsthjeater Darmstadt |
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Der offizielle
Begriff "Blechbläser" für alle, die (im Orchester) weder den
Bogen führen noch die Pauke schlagen oder das warme Holz blasen,
bietet sich natürlich für alle Spielarten von Frotzeleien an.
Vor allem, wenn die Instrumente auch noch golden glänzen! Die
Blechbläser sind die Sottisen jedoch offensichtlich seit
Generationen gewohnt und haben darauf ihre eigene, humoristische
Antwort gefunden. Gerade in Bläser-Ensembles - Brassbands -
scheint sich der Humor zu konzentrieren, obwohl sie ja während des
Spiels weder mimisch noch verbal viel Humoristisches von sich geben
können. Doch das holen sie dann in den Pausen und gestisch nach,
und man glaubt gar nicht, was so ein Tuba-Spieler neben seinem Spiel
noch an gestischem Freiraum besitzt. v.l.: Uwe Zaiser,
Sjön Scott, Ralf Rudolph, Jochen Scheere, Peter LeinerDas "Rennquintett" besteht aus fünf Musikern verschiedener Orchester (SWR-Rundfunkorchester, Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz). Professor Peter Leiner spielt die Trompete, managt den Laden und ist für die verbindenden Texte zuständig, Uwe Zaiser ist der Witzbold und Lebenskünstler und liefert sich mit Peter Leiner auf der Bühne scheinbar hinterhältige Wortgefechte; Ralf Rudolf bläst die dicke Tuba und holt sich die Kraft dafür beim Dampflok-Fahren; Jochen Scheerer fährt seinen Kollegen das lange Gestänge der Posaune in den Rücken und lächelt ansonsten immer still in sich hinein, und Sjön Scott schließlich, der Kalifornier mit "Marines"-Erfahrung (2 Tage) steuert das Horn bei. Da alle fünf offensichtlich einen unausrottbaren Hang zum Humor haben, ist für Liebhaber der wirklich ernsten E-Musik das Desaster auf der Bühne geradezu vorprogrammiert. Glücklicherweise waren die Puristen der E-Musik an diesem Abend wegen entsprechender Humorwarnungen in der Programmankündigung zu Hause geblieben, und die Musikhumoristen konnten sich ihrem unernsten Treiben ohne Protest aus dem Publikum ungeniert hingeben. Das fing bereits mit dem ersten Stück an, das zwar Bachs "Toccata", - ja, genau DIE in d-moll - im Originalsound intoniert, dann aber plötzlich nahtlos in den "Basin Street Blues" übergeht und Südstaaten-Feeling verbreitet. Nur die Hautfarbe der Solisten war etwas zu blass für das richtige New-Orleans-Erlebnis, ansonsten hörte man schon hier richtigen Frühzeit-Blues. Leiner erwähnte kurz noch Tatsache, dass die Orgel (bei der Toccata) wesentlich mehr Pfeifen aufweise als mdas Rennquintett, dann ging es schon zu einer musikalischen "Neukonstruktion", der Symbiose aus Händels "Hallelujah" und dem wohlbekannten "When the Saints go marching in". Hintergrund dieser musikalischen "mergers" war angeblich ein heftiger Fraktionsstreit hinter den Kuilissen zwischen E- und U-Musikern...... Den Rest des ersten Teils wandelte das Rennquintett kurzerhand aus aktuellen Gründen gegenüber dem Programmheft ab. Es fing an mit dem "Chattanooga Choo Choo" (Lindenberg/Honecker), es folgte die Interpretatiojn einer Klaviersonate von Diabelli für Bläserquintett, Michail Glinkas Ouvertüre zu "Ruslan und Ludmilla" sowie - zum Mitklatschen - der Radetzkymarsch. Mit dieser Neuauswahl machte sich das Quintett ein wenig über den Jubiläumswahn des Kulturbetriebes im allgemeinen und des Musikbetriebss im speziellen lustig (Mozarts Geburt, Mozarts Tod, Beethoven....), zumal das eigene 20jährige Jubiläum dieses Jahr bevorsteht. Alle die erwähnten Stücke hatten irgendetwas mit einem Jubiläumsjahr zu tun, außerdem machte es Spaß, wie beim Wiener Neujahrskonzert den Radetzkymarsch mitzuklatschen. Nach der Pause intonierte das Quintett eine Programmfolge zum Thema "Mann versus Frau". Es begann standesgemäß mit der Ouvertüre zu Mozarts "Hochzeit des Figaro", original und ohne humoristische Zusätze. Mozart muß man mögen! Es folgte eine geschickt und witzig arrangierte Sammlung von Kinderliedern ("Heidi" und andere), darauf eine Huldigung an die Siebzehnjährigen ("Mit 17 hat man noch Träume", "17 Jahr, v...."), mit fettem Schlagerschmalz und einiger Nostalgie serviert. Die Auseinandersetzungen zwischen Jugendlichen beider Geschlechter wurden in einer Blechversion von Leonard Bernsteins "West Side Story" musikalisch deutlich, und schließlich mündete die erste Phase der Geschlechterbeziehungen in einem "Hochzeits-Medley". Der begann natürlich womit? - natürlich, dem "Hochzeitsmarsch", und setzte sich fort mit dem "Jungfernkranz" aus dem Freischütz und anderen, dem Traualtar gewidmeten Musikstücken. Anschließend mussten alle (Ehe-)Männer im Saale unter Begleitung und Anleitung der Musiker und unter dem milden Gelächter der anwesenden Damen Verdis Gefangenenchor(!) aus der Oper "Nabucco" singen. Dann plätscherte die Ehe wie Smetamanas "Moldau" dahin, brutal konterkariert von einem Trivialschlager in der Posaune, bevor die "fünf Tenöre" auf der Bühne mit Blech und Stimme den zweiten Frühling der nun alternden Männermit mit "Hallo, kleines Fräulein" besangen. Durch die Anstrengungen des späten Liebeslebens früh ins Jenseits befördert, überließen die Dahingeschiedenen ihre Ehefrauen schließlich einem Leben als "Lustige Witwen", das die Musiker mit einem Potpourri aus Lehars Operette musikalisch bebilderten. Jetzt war eigentlich Schluss, doch die Zugabe stand bereits im Programm: ein Gang durch Charlie Chaplins Filmmusiken (Goldrausch u.a.), der das Publikum in die alte Stummfilzeit zurückführte und das Bild des kleinen Mannes mit Schnurrbart, Melone, zu weiten Hosen und Spazierstock heraufbeschwor. Natürlich blieb es nicht bei dieser einen Zugabe, doch nach der zweiten fehlte den Bläsern der "Ansatz" und sie verabschiedeten sich mit einem Lied im Schweizer Alpenstil, stuilgerecht mit Alphorn, geblasen von Ralf Rudolph. Ein so unterhaltsamer wie musikalisch anregender Abend voller Überraschungen und kurzweiligen Zwischen-"Sketchen" ging damit zu Ende und entließ die Zuschauer mit heiteren Gesichtern. Überflüssig zu sagen, dass die technischen und musikalischen Leistungen auf der Bühen neben ihrer humoristischen Seite von höchster Güte waren. Frank Raudszus |
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