Eine verbalmusikalische Liebeserklärung an Mozart






















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Lesung aus Eric-Emmanuel Schmitts Buch "Mein Leben mit Mozart" im Staatstheater Darmstadt

 

Der französische Autor Eric-Emmanuel Schmitt hat einen durchaus bewegten beruflichen Lebenslauf hinter sich. Nach dem Studium der Philosophie lehrte er einige Jahre in diesem Fach, bevor er zur Schriftstellerei überwechselte und diese zu seinem eigentlichen Beruf machte. Seine Bücher zeichnen sich vor allem durch ihre emotionale Dichte und Unverfälsctheit aus, eine Eigenschaft, die für einen Philosophen des beginnenden 21. Jahrhunderts eher ungewöhnlich ist. Als Fünfzehnjähriger schlug er sich - wie viele seines Alters - mit Selbstmordgedanken herum, da er die Sinnlosigkeit des zum Tode bestimmten Lebens erkannt hatte. Der Nihilismus hatte ihn fest in seinem Griff, bis er eines Tages im Rahmen einer schulischen Veranstaltung den Proben an der Lyoner Oper zuschaute und sein Erweckungserlebnis hatte. Man probte Mozarts "Hochzeit des Figaro", und die Bühnenproben langweilten ihn, bis die Sopranistin mit der Arie der Gräfin begann. Von diesem Augenblick an änderte sich das Leben des Eric-Emmanuel Schmitt schlagartig und er begann, in einen fiktiven Briefwechsel mit Wolfgang Amadeus Mozart zu treten. Von Stund an schilderte er ihm alle seine Probleme, Schicksalsschläge und Befindlichkeiten und erhielt jedesmal eine musikalische Antwort.

Nach seiner Schulzeit verfiel Schmitt der snobistischen Arroganz der Jungphilosophen, die alles Emotionale und schon gar "Schöne" als bourgeois wenn nicht reaktionär denunzierten, und beichtete diese Verirrung erst mit dreißig seinem ehemaligen Briefpartner. Doch von da an blieb er ihm treu und berichtete ihm ständig aus seinem Leben: so über den Tod einer geliebten Frau und die Aids-Epedemie, die viele seiner Freunde und Bekannte dahinraffte. Und jedesmal erfuhr er Trost durch Mozarts Musik.

Die Briefe an Mozart baute er zu einem Buch aus, das der Schauspieler Aart Veder in den Kammerspielen des Staatstheaters Darmstadt auszugsweise liest. Dazu ertönen aus dem "Off" die passenden Musikstücke, präsentiert von unterschiedlichen Orchestern und Solisten. Dabei sind die Musikstücke mit dem Text synchronisiert, und sogar die Steigerungen in der Sprache finden sich in der Musik wieder. Zu den von Aart Veder ohne falsches Sentiment und doch doch bewegt vorgetragenen Texten erklingen drei Arien aus "Figaros Hochzeit", die Motette "Ave verum", der zweite Satz des Klarinettenkonzerts, natürlich die "Kleine Nachtmusik" als Zeichen der Heiterkeit des unter vielerlei Krankheiten schwer leidenden Genies, der zweite Satz des dritten Violinkonzerts, ein Terzett aus der Oper "Cosi fan tutte", der erste Satz aus dem Streichquartett Nr. 15, das "Et incarnatus est" aus der Messe in c-Moll und zum Abschluss drei Ausschnitte aus der "Zauberflöte".

Für Mozart-Liebhaber - un dwer ist das nicht? - sind diese achtzig Minuten lesung und Musik ein sowohl literarischer als auch musikalischer Genuss, und wer die veranstaltung noch nicht besucht hat, sollte das schnellstens nachholen.


Frank Raudszus


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