Melancholie und Leidenschaft





























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Das 6. Kammerkonzert des Staatstheaters Darmstadt präsentierte spanische Liebeslieder aus verschiedenen Jahrhunderten

 

Das Programmheft dieses Abends spielte mit dem Gedanken, die Entstehung der Oper "Carmen" an die Nordseeküste zu "Butt und Butter" zu verpflanzen. Neben dem Umstand, dass wohl eine ganz andere Musik dabei entstanden wäre, wagt der Autor die Behauptung, dass eine solche Oper wohl nie den gleichen Erfolg gehabt hätte. Gerade die so leidenschaftliche wie melancholische und tänzerische Musik des Südens hat der "Carmen" den Weg in alle Opernsäle der Welt geöffnet. Die Atmosphäre der spanischen Musik wollte man an diesem Abend dem Darmstädter Publikum auch im kleinen Rahmen des Sologesangs nahebringen.

Mezzosopranistin Maite BeaumontMezzosopranistin Maite Beaumont

Das Ensemble bestand aus der spanischen Mezzosopranistin Maite Beaumont, die in Spanien und Hamburg studiert hat, dem  niederländischen Gitarristen Martin Kaaij und dem mexikanischen Perkussionisten Diego Espinosa. Eine wahrhaft kosmopolitische Zusammensetzung also. Das Programm bestand aus Liedern von José Marin (1618-1699), einem verkrachten Geistlichen, der fast am Galgen geendet hätte, Fernandop Sor (1778-1839), Enrique Granados (1867-1916), der im Ärmelkanal nach dem Torpedoangriff eines deutschen U-Boots ertrank, Jesús Guridi (1886-1961), Federico Moreno Torroba (1891-1982), Federico Mompou (1893-1987) und schließlich Joaquin Rodrigo (1901-1999), dem Schöpfer des berühmten "Aranjuez".

Jedem der vier Liedgruppen stellte die Solo-Sängerin ein Liebesgedicht von Pablo Neruda voran, sozusagen zur verbalen Einstimmung auf die folgenden Lieder, die von Liebe, Leidenschaft, Eifersucht, Entsagung und sogar Hass handelten. Die Lieder von José Marin fielen insofern etwas aus dem Rahmen, als sie noch stark der Musik des Barocks verhaftet sind und einen Hauch dieser Epoche in den Saal hineintragen. Die anderen Lieder stammen zwar weitgehend aus dem spanischen - vor allem dem andalusischen -  Volkslied-Gut, tragen jedoch alle modernere Züge. Neben den typisch spanischen Rhythmen - vor allem Flamenco - tritt aber auch die melancholische Seite dieser Musik in den Vordergrund. Dann ist von den Rhythmus-Instrumenten kaum etwas zu hören, die Gitarre, selbst schon mit einem fast schwermütigen Klangbild behaftet, trägt die ganze Last der Begleitung. Dann ahnt man, dass es um verschmähte oder vergangene Liebe geht. Bei anderen Liedern wiederum fehlt nur noch das wütende Stampfen der Sängerin mit den Füßen, so gibt sie sich ihrer Wut oder Leidenschaft hin. Für des Spanischen nur in rudimentären Bruchstücken Mächtige ließ sich der Inhalt des jeweiligen Liedes nur erraten. Im Gegensatz zu den Gedichten von Pablo Neruda waren die Liedtexte nicht im Programmheft abgedruckt.

Aber um das Verständnis der Texte ging es an diesem Abend auch weniger. Die Stimmung dieser Musik, die sich mit dem Thema Liebe beschäftigt, stand im Vordergrund. Das Ensemble zeigte ein hohes Maß ein Einfühlsamkeit für diese Musik, und die Solistin Maite Beaumont überzeugte durch einen so klaren wie variablen Mezzosopran, der in allen Klangfärbungen weich und warm wirkte.

Nach zwei Stunden war das Publikum eingetaucht in die melancholische Stimmung südländischen Liebesleidens und erwachte nur ungern aus diesem eigenartigen Zauber. Der Beifall war kräftig und herzlich, so dass die drei Musiker noch ein weiteres spanisches Lied als Zugabe intonierten.


Frank Raudszus

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