![]() |
Michio Flamenco
Project meets Ardillita |
![]() Ihre Meinung über E-Mail hier |
Zwei
auf den modernden Flamenco spezialierte Gruppen treffen sich im
Staatstheater Darmstadt |
|
In der
Uraufführung der Oper "Ainadamar"
von Osvaldo Golijov war das "Michio
Flamenco Project" unter der Leitung von Michio Woirgard für
bestimmte musikalische Partien zuständig. Der Flamenco-Sänger
Manual Lojo "Ardillita" hatte
den Part des Ausrufers übernommen. Diese Zusammenarbeit im Rahmen
bestimmter Opern- oder Tanztheaterprojekte haben die beiden
Künstler jetzt fortgesetzt im Rahmen eines separaten
Flamenco-Programms, mit dem sie am 29. Februar im großen Haus des
Staatstheaters Darmstadt auftraten. Michio Woirgard ist ein
international renommierter Flamenco-Gitarrist mit spanisch-asiatischem
Hintergrund. Seine Herkunft ermöglicht es ihm, iberische
Einflüsse mit asiatischen zu kombinieren und dadurch eine ganz
eigene, unverwechselbare Musik zu erschaffen. Ardillita dagegen ist auf
dem Gebiet des Gesangs zu Hause. Auch er hat sich auf Flamenco-Musik
spezialisiert und füllt mit seiner raumgreifenden Stimme
mühelos ganze Säle. Der Flamenco wird in dem heute weitgehend vom Tourismus geprägten Bild anderer Länder und deren kultureller Eigenarten leider meist mit rassigen Frauen in rot-schwarzen Kleidern und mit einer schmissigen Tanzmusik eines ganz bestimmten, eng eingegrenzten Stils assoziiert . Doch ähnlich wie der "Tango Argentino" ist der Flamenco viel mehr als das, was uns die Schlagerbörsen und der Spanien-Tourismus vorsetzen. Der dazugehörige Gesang ist ausgesprochen künstlerisch und technisch höchst anspruchsvoll, die Instrumentalmusik trägt reflexive bis melancholische Züge. Die beiden Protagonisten dieser Veranstaltungen zeigten dem Publikum, das allerdings zum großen Teil aus der sachkundigen Spaniern bestand, das wahre Gesicht des Flamencos, und das auf hohem Niveau. Dazu hatten sie ihr jeweiliges Ensemble mitgebracht, das hier neben den Hauptpersonen nicht vergessen werden soll. Tom Auffahrt (E-Bass), Jan Zimmermann (Percussion) und Tony Clark (Shakuhachi und Gitarre) gehören zu Michios "Truppe", Ardillita hatte als Chor Juan und Jonny Reyes mitgebracht. Die Unterscheidung der beiden Gruppen war auch optisch einfach. Michios Leute trugen schwarz, Ardillitas weiß. Das Programm begann mit einer Solo-Gesangseinlage von Ardillita, der als Flamenco-Sänger geschlagene zehn Minuten dem Publikum seine Reverenz erwies und dabei seine Stimme durch alle Tonlagen und Klangfärbungen wandern ließ. Schon dieser Beginn verwies deutlich auf die arabische Herkunft des Flamencos, erinnerte der Gesang doch bisweilen an die Rufe des Muezzin oder an zeitgenössische arabische Musik. Danach begannen die von der Gitarre dominierten Stücke aus Michios Feder. Der "landläufige" Flamenco-Liebhaber wird hier vergeblich nach eingängigen oder bekannten Themen gesucht haben. Auch das vermeintlich Typische am Flamenco hörte man hier selten heraus. Dafür zeugte sich diese Musik von einer außerordentlichen harmonischen und melodischen Fülle, wie man sie sonst nur von klassischer Konzertmusik kennt. Damit etabliert sich der Flamenco auch im Rezeptionsumfeld des typischen Konzertpublikums als seriöse zeitgenössische und gleichzeitig zeitlose Musik. Was Michio an musikalischer Fülle und harmonischer Aussagekraft in diesen Abend einbrachte, ergänzte Ardillita mit einer durchsetzungsstarken und doch stets weichen und modulationsfähigen Stimme, die auch schnelle Lagenwechsel und Intensitätsschwankungen mühelos bewältigte. Die emotionelle Fülle der Gitarrenmusik mit ihrem eher melancholischen Grundtenor fand ihre ideale Ergänzung im temperament- und humorvollen Spontangesang von Ardillita und seinem Chor. So wechselten sich die beiden Antipoden ein und derselben Musikrichtung in ihren Auftritten ab und deckten dabei das gesamte Spektrum des heutigen Flamenco ab. Zum Schluss, sozusagen als Zugabe, lieferten sie noch eine typische Flamenco-Situation, wobei die Musiker einzeln zum rhythmischen Klatschen und zum aufforderenden Gesangs Ardillitas oder einer seiner Begleiter kleine Tanzvorführungen zum Besten gaben. Dafür zollte ihnen das weitgehend fachkundige Publikum fröhlichen Beifall. Vor allem die mit Kind und Kegel angereisten Spanier kamen auf ihre Kosten, aber auch die deutschen Besucher nahmen viele neue Eindrücke aus dem iberischen Musikleben mit. Frank Raudszus |
|