Ophelien - Wenn Du nicht willst, geh ich ins Wasser























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Liederabend bei den Barfestspielen des Staatstheaters Darmstadt mit Diana Wolf und Michael Erhard

Wie man weiß, endet Ophelia, die Verlobte Hamlets, als Wasserleiche, was besonders die Künstler des Jugendstils zu herzinnigen Gemälden verleitete. In der Hamlet-Inszenierung des Staatstheaters spielte Diana Rolle die Rolle des unglücklichen Mädchens, und diese Erfahrungen hat sie in einen Liederabend mit Michael Erhard am Klavier umgesetzt. Hatte sie bereits in dem Theaterstück mit einer außergewöhnlich temperamentvollen Ophelia-Interpretation geglänzt, so setzt sie dieses Temperament auch bei ihrem Auftritt als Sängerin frecher Lieder in der Bar der Kammerspiele ein.

Um Punkt 22 Uhr setzt sich Michael Erhard ans Klavier und intoniert "Beyond the sea" ("La mer"). Der weibliche Gesang dazu kommt irgendwoher aus dem Dunkeln, und plötzlich kraucht Diana Wolf im Tüllkleid über die Brüstung der Galerie. Im wahrsten Sinne des Wortes ein guter Einstieg!

Von nun an geht es für knapp eine Stunde Schlag auf Schlag, will sagen Lied auf Lied. Evergreens wechseln sich ab mit unbekannten Stücken, Lieder um Liebesleid und -glück mit gesellschaftskritischen oder nachdenklichen. So dreht sich ein kleiner "Potpourri" nur um die Liebe. Diana Wolf kommt als spießige Vierzigerin mit unvorteilhafter Brille ans Mikrofon, gibt sich erst mehr als bieder, um dann zu explodieren: wie eine Schlange windet sie sich als Marylin Monroe um den virtuell schwitzenden Pianisten mit "I wanna be loved by you", um dann einen Gast als Marlene Dietrich mit "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt" anzumachen oder einen anderen mit einem ähnlichen sängerischen Liebesschwur zu umgarnen. Nur den Rezensenten beschießt sie aus sicherer Position hinter der Bar mit einem üblen Song über einen "besch... Typ an der Bar", hält ihm seinen (realen) Bürstenhaarschnitt vor, seine (fiktiv?) fliehende Stirn und andere Defizite äußerer und innerer Art, und das alles gereimt und begleitet vom Pianisten. Da konnte auch der gratis ausgeschenkte Cola-Rum den so getroffenen Rezensenten kaum noch aufheitern....;-)

Ein Kinderlied trägt sie als kleines Mädchen vor, das sich nervös am Rock zupft und nebenbei über die unsäglichen häuslichen Verhältnisse Auskunft erteilt. Ein anderes Lied beschreibt das Ende einer Beziehung aus der Sicht einer ach so coolen jungen Frau, die ihren Verflossenen noch einmal zum "Hallo-Sagen" in seiner Kneipe aufsucht, nur um ihm zu zeigen, wie gleichgültig er ihr ist, und dann vor Tränen fast zerfließt. Jeder Song zeigt eine andere Facette des uralten Spiels um die Beziehungen zwischen den Geschlechtern oder um allgemeine Befindlichkeiten. Und immer wieder muss Michael Erhard neben seiner Aufgabe als pianistischer Begleiter auch als Schauspieler und Prügelknabe einspringen. Es gibt jedenfalls viel zu lachen oder zumindest zu schmunzeln an diesem Abend, auch wenn die Lieder nicht immer unbedingt lustig sind.

Wer also abends noch nicht weiß, was er tun soll und sich eine Stunde lang gut unterhalten will, sollte diese Veranstaltung nicht verpassen. Die nächst Aufführung findet am 22. März in der Bar der Kammerspiele statt.

Frank Raudszus

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© Barbara Aumüller

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