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"Einer noch und dann
ist Schluss!" |
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Spiro
Scimones Einakter "Bar" bei den "Barfestspielenn" des
Staatstheaters Darmstadt |
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S
"Einer noch und
dann ist Schluss" - das ist nicht nur eine oft wiederholte Redewendung
in diesem hintergründigen Zweipersonenstück des Sizilaners
Spiro Scimone sondern auch in gewisser Weise das Motto des Stücks.
Gemeint ist mit "einer" zwar ein Gläschen Schnaps, das Wort
verweist aber auch auf die ewigen und vornherein zum Scheitern
verurteilten Versuche zweier Verlierer, den großen Coup und damit
auf der Sonnenseite des Lebens zu landen. Nino beginnt jeden Tag mit
dem Fegen und Wischen der Bar, in der er seit zwanzig Jahre bedient,
Petru ist stets sein erster und auch letzter Gast. Beide sind nicht
mehr die Jüngsten und träumen dennoch immer noch von einer
erfolgreichen Zukunft. Ninos Ziel ist ein Job als Barkeeper in einer
Bar, die auch Apéritifs ausschenkt, in der er die diversen,
farbenfrohen Jacketts anziehen kann, die seine Mama ihm zu divresen
vorgerückten Geburtstagen geschenkt hat. Alles muss Mamma
gutheißen oder gar genehmigen, und schließlich zieht ihm
der sich weltläufig nur gebende Petru das Eingeständnis aus
der Nase, dass Nino immer noch mit seiner Mama in einem Zimmer
schläft. Gustl Meyer-Fürst (Petru), Harald
Schneider (Nino) Doch Petru ist keinen Deut lebenstüchtiger. Großspurig bietet er Nino eine defekte Uhr für einen exorbitanten Betrag an, ohne ihm erklären zu können, warum er soviel dafür zahlen solle. Sein großer Trumpf gegenüber Nino ist Gianni, ein bewunderter Freund, der weiß, wo es lang geht und wie man zu Geld kommt, und mit dem er angeblich auf Augenhöhe Karten spielt. Gianni ist in den Augen der beiden ein richtiger Mafioso und ein stilles Vorbild für sie. Er besorgt Freunden gut dotierte Jobs, kassiert aber die ersten drei Monatsgehälter, was niemand für unangemessen hält, und so ruhen alle Hoffnungen der beiden auf ihm. Doch dann muss Petru seinem Freund Nino eingestehen, dass Gianni ihm sowohl seine Uhr als auch den Schmuck seiner Frau für einen Bruchteil des Werts abgeschwatzt hat. So beschließt Petru, beim nächsten Karrtenspiel mit Nino zusammenzuarbeiten und mit allerlei Tricks den Sieg an seine Fahnen zu heften. Unnötig zu sagen, dass alles schief geht, die beiden wieder einmal mit völlig leeren Taschen dastehen uud gegenüber Ehefrau bzw. Barbesitzer in Erklärungsnotstand geraten. Doch dann ist Gianni plötzlich tot, und die Polizei - im Stück nur in den Zitaten der beiden Protagonisten präsent - sucht nach den Schuldigen. Wie nicht anders zu erwarten, verläuft die Suche nach dem Mörder im Sande, und die beiden setzen ihr tägliches Ritual - nun ohne Gianni und Karten - fort. Petru wird weiterhin jede Sekunde der Abwesenheit Ninos nutzen, um einen kräftigen Schluck aus der Flasche zu nehmen, und Nino wird weiter von dem gehobenen Barkeeper-Job träumen. Randbemerkungen aus ihren kargen Gesprächen zeigen eine erstaunliche Kenntnis über Giannis letzte Lebensminuten, doch über weitere Details herrscht einvernehmliches Schweigen. Der Zuschauer kann sich sein Teil denken. Am Ende heißt es dann wieder "einer noch und dann ist Schluss". Harald Schneider (Nino) und Gustl Meyer-Fürst (Petru) liefern ein kleines Kabinettstück des doppelbödigen Smalltalks ab, das in den besten Momenten an Jack Lemmon und Walter Matthau in "Ein seltsames Paar" erinnert. Harald Schneider wuselt mit aufgerissenen Aufgen und naiv-optimistischen Reden durch die Bar der Kammerspiele, die für diese Inszenierung für Besucher gesperrt war. Diese saßen ringsumher auf zusätzlich bereitgestellten Sitzgelegenheiten und hatten die Gelegenheit, die Bar nicht nur als Spielort sondern auch -gegenstand zu erleben, allerdings nur mit einem Gast und einerm Barkeesper. Gustl Meyer-Fürst spielt den abgeklärten Weltmann, der seinem naiven Freund etwas von der großen Welt und den Kniffen der Erfolgreichen erzählt, obwohl er selbst ein ebensolcher Verlierer wie dieser ist. Beide bestätigen sich in ihren Träumen gegenseitig und lecken sich die Wunden. Doch trotz dieser Nähe im Scheitern bastelt Petru an einer "Mikro-Hierarchie", in der er der Ratgeber und Lenker des Geschicks und Nino der Gefolgsmann ist. Diese Illusion der aus der Welt der Mächtigen kopierten Hierarchie ist das eigentlich Melancholische an dem Stück, das übrigens zum Schluss durchaus noch eine kleine Pointe vertragen hätte. So versandet es in der letzten Szene ein wenig, ohne wahren Höhepunkt. Das spätabendliche Publikum war jedoch angetan und spendete den beiden Akteuren und der Regisseurin Romy Schmidt kräftigen Beifall. Weitere Aufführungen finden am 22. und 25. April sowie am 22. und 30. Mai jeweils um 22 Uhr statt. Frank Raudszus Alle Fotos © Barbara Aumüller |
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