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Die Lust an Rhythmus und Gesang |
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A capella-Gruppe "New York Voices" zu Gast im Staatstheater Darmstadt |
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Der "A capella"-Gesang hat eine lange Tradition, wobei sich im 20. Jahrhundert die Auffassung eines instrumentenfreien Gesangsvortrags mehrerer Sänger herausgebildet hat. Sowohl im klassischen als auch im populären Bereich - "siehe die "Comedian Harmonists" - hat diese Gattung mittlerweile einen festen Platz im Konzert-Repertoire erobert. Die vierköpfige Gruppe "New York Voices" hat sich auf Jazz-Standards und populäre Musik spezialisiert und stellt neben der ausgereiften Improvisation auch die Nachbildung von Instrumentenklängen in den Mittelpunkt des Repertoires. Gründer und "Band Leader" Darmon Meader lässt neben seiner Stimme auch noch das Saxophon singen, und Peter Eldridge begleitet bei Bedarf seine Kollegen und sich auf dem Klavier. Kim Nazarian und Lauren Kinhan vervollständigen das Quartett, dass sich vor allem durch seine stimmliche Bandbreite, ein ausgeprägtes Rhytmusgefühl und das Improvisationstalent seiner Solisten auszeichnet. Darmon Meader steuert die Tenorlage bei, Peter Eldrigde den Bariton, während Kim Nazarian eine weiche Altstimme und Lauren Kinhan einen klaren Sopran aufweisen, wenn man die Elle des klassischen Gesangs anlegt. In Darmstadt begleiteten sie Claus-Dieter Bandorf am Flügel, Paul Nowinski am Bass und Marcello Pellitteri am Schlagzeug. Eine wahrhaft kosmopolitische Truppe also.
Das Programm begann mit zwei
Eigenkompositionen, "On a clear Day" und "No Moon at all", die beide
eine Hommage an die Musik der vierziger Jahre darstellten. "Notice of a
Moment" nach einem Stück von John Coltrane führte dann schon
deutlich in die siebziger Jahre und bestach vor allem durch die
virtuosen Improvisationen in den einzelnen Stimmen. Darmon Meader und
Claus-Dieter lieferten dazu weit ausladend improvisierende Soli auf dem
Saxophon und dem Flügel. Die auf vier Stimmen angepasste Version
des Popsongs "Cecilia, you´re breaking my heart" gönnte nach
diesem anspruchsvollen Stück auch den mildere Töne
gewöhnten Ohren eine bekömmliche Kost, während die
darauf folgende reine "a capella"-Version eines Stücks der Gruppe
"The 5th Dimension" wieder die hohe Schule des reinen Gesangs
einschließlich der Imitation von Instrumenten - hier die Gitarre
- vorführte. Eine eindrucksvolle Barock-Komposition, a capella
gesungen, führte in die Bachsche Welt zurück, allerdings mit
modernen Anklängen hinsichtlich Melodik und Stimmführung. Den
Schluss des ersten Teils bildete die temperamentvolle und komplexe
Jazz-Studie "The Sultan fainted" mit Anklängen an die arabische
Musik und zwei ausgedehnten Soli für Saxophon und Klavier. Der zweite Teil begann wieder
mit einem Klassiker, der eigenen Version von Jimmy van Heusens "Darn
that Dream". "Stolen Moments" brachte eine lyrische, fast
melancholische Note in das Programm, und "Don't you worry" frei nach
Stevie Wonder sorgte durch Temperament und Rhythmus wieder für
Stimmung im Saal. Bei "Jack" präsentierte sich Kim Nazarian in
einer Art "One Woman Show" als außergewöhnliches
Improvisationstalent und zeigte das ganze Potential ihrer
ausdrucksstarken Stimme. Das anschließende "Fort alle we know"
überzeugte vor allem durch die raffinierten Klangflächen, die
das Quartett mit den vier Stimmen aufbaute, und zum Schluss brachte das
berühmte "Sing, sing, sing" noch einmal Schwung auf die
Bühne. Das Quartett und das begleitende
Trio zeigten in diesem Programm eine eindrucksvolle musikalische Breite
und Vielfalt, sowohl was die reine Gesangsleistung als auch was die
Instrumentierung betrifft. Vom verhaltenen lyrischen Stück bis zur
expressiven Improvisation des "Modern Jazz" war alles dabei. Allerdings
achteten die Musiker angesichts der erwarteten Breite des Publikums auf
eine Mischung aus traditionellen "Standards" und anspruchsvollen
Jazz-Kompositionen. Manchmal hätte man sich noch ein wenig mehr
musikalischen Pep und weniger "Ohrwürmer" gewünscht. Diese
kleine Schwäche tat aber dank der professionellen
Präsentationen dem Gesamteindruck keinen Abbruch. Das Publikum war von dem
Auftritt der "New York Voices" derart angetan, dass die Musiker noch
drei Zugaben - eine davon zum Mitsingen und -klatschen - anhängten. Frank Raudszus |
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