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Ein
Familienkonzert |
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Zum
Saisonabschluss präsentiert das Orchester des Staatstheaters
Darmstadt vier Werke der Famillie Bach |
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Die Kinder bedeutender Künstler treten selten erfolgreich in die großen Fußstapfen ihrer Väter: Goethes Sohn August verstarb schon früh nach wenigen Versuchen und auch Franz Xaver Mozart konnte dem Druck der väterlichen Größe nicht standhalten. Da steht die Familie Bach als einsame Ausnahme im musikalisch-historischen Raum, denn Johann Sebastians vier Söhne Wilhelm Friedemann, Carl Philipp Emanuel, Johann Christoph Friedrich und Johann Christian Bach (der fünfte spielte nur und komponierte nicht) erwiesen sich allesamt als durchaus erfolgreiche Komponisten, die auch heute noch gespielt werden. So erforderte es für das den Dirigenten und ausgewiesenen Bach-Experten Reinhard Goebel keine mühevolle Archivsuche, um Werke dieser vier Nachkommen des Thomaskantors für ein Konzert zusammenzustellen. Dabei achtete er streng auf eine chronologische Reihenfolge zumindest der Komponisten, um die Entwicklung des musikalischen Stils im Verlauf von einem dreiviertel Jahrhundert zu demonstrieren, in diesem einzigartigen Fall sogar innerhalb einer einzigen Familie. Johann
Sebastian BachDas Programm begann standesgemäß mit dem Vater Johann Sebastian (1685 - 1750): sein Concerto in D-Dur für Violine solo, Trompeten, Oboen, Fagott, Streiocher und Basso continuo aus dem Jahr 1725 kommt noch recht gravitätisch und "fürstenhöflich" daher. Den recht ausgeprägten Solo-Violinpart der "Sinfonia" übernahm das frühere Orchestermitglied Ingo de Haas. Die Geigenpartie klingt in ihrer ostinaten Struktur etwas ungewohnt und verleiht dem Beginn einen strengen Charakter. Dieser löste sich erst in der angehängten Einleitung zum Osteroratorium BWV 249, die mit ihrem Adagio und Allegro wesentlich deutlicher an die vom alten Bach gewohnte festliche Kirchenmusik erinnert. Wilhelm Friedemann BachVon Wilhelm Friedemann (1710 -1784), dem ewigen Außenseiter und ersten "freien" Künstler - zu früh wie später Mozart - waren das von lyrischen Flötenduetten geprägte Adagio und die strenge Orchesterfuge in d-moll aus dem Jahr 1740 zu hören, die sich noch deutlich an der Musik des Barocks ausrichteten. Carl Philipp Emanuels (1714 - 1788) Konzert in Es-Dur für Oboe solo, Violinen, Viola und Basso continuo zeigt dagegen schon wesentlich "modernere" Züge und nähert sich in Rhythmik und motivischer Ausgestaltung deutlich dem Stil eines Joseph Haydn an. Der international renommierte Oboist Stefan Schilli übernahm den Solopart und gestaltete ihn mit viel Gespür für die erwachende Art einer von höfischen oder klerikalen Zwängen sich befreienden Musikauffassung. Statt Verherrlichung fürstlicher Pracht verbreitete diese Musik individuelle Emotionen. Trotz ausgiebigen Beifalls des Publikums ließ sich Schilli zu keiner Zugabe hinreißen. Carl Philipp Emanuel Bach Carl Philipp Emanuel BachNach der Pause folgte Johann Christoph Friedrichs (1732 - 1795) Sinfonia in B aus dem Jahr 1794, also nach Mozarts Tod. zwar verweisen viele Elemente dieser Sinfonie auf die großen Vorbilder der Wiener Klassik, aber die Meinung der Musikwelt, bei Johann Christoph Friedrich handele es sich um den schwächsten Komponisten unter Bachs Söhnen, lässt sich durchaus an diesem Stück belegen. Etwas einfallslos folgen stereotype Themen und Wendungen aufeinander, und die Musik wirkt eher wie "Gebrauchsmusik" des ausgehenden 18. Jahrhunderts ohne große Höhepunkte oder Überraschungsmomente. Johann Christian BachDagegen brachte Johann Christians (1735 - 1782) Suite aus "Amadis des Gaules" aus dem Jahr 1774 noch einmal Farbe und Vielfalt in das musikalische Geschehen auf der Bühne. Das fünfsätzige Werk - allein der erste Satz besteht aus "Allegro - Andante - Allegro" - bietet eine breite Palette von Ausdrucksformen und Metriken vom Largo über die Gavotte bis zum abschließenden Tambourin, das noch einmal alle Instrumente sich so richtig austoben lässt. Nicht umsonst hat der junge Mozart den zwanzig jahre älteren Johann Christoph als sein Vorbild bezeichnet ("Ich möchte mal so berühmt werden wie er" soll er gesagt haben....), denn in vielen Passagen erkennt man deutliche Ähnllichkeiten zur mozartschen Musik. An diesem Abend trugen die Bläser die Hauptlast der Interpretation und konnten sich entsprechend in Szene setzen. Ob die Flöten, die Klarinetten, die Oboen oder die Fagotte - die ganze Reihe der Holzbläser war an diesem Abend in hohem Maße präsent. Besonders in der Suite von Johann Christian Bach begeisterten sie durch ein längeres "Oktett" der Holzbläser ohne Orchesterbegleitung. Hinter ihnen setzten sich des öfteren die Trompeten mit markanten Partien in Szene. Die Streicher dagegen spielten an diesem Abend einen eher begleitenden Part. Wenn auch der dramatische, expressive Gestus an diesem Abend fehlte, war doch dieser Spaziergang durch die barocke und "vorklassische" Musik einer einzigen Familie äußerst lehrreich und belebend. Manch einer wird danach einen besseren Eindruck von der Entwicklung der Musik im 18. Jahrhundert mit nach Hause genommen haben. Frank Raudszus |
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