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Lauer Sommerabend und
heiße Musik |
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Roma-Band
KAL aus Belgrad eröffnet die 18. Auerbacher Festspiele |
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Der Staatspark Fürstenlager
lieferte an diesem Abend die ideale Kulisse für den Auftritt der
serbischen Band KAL zum Auftakt der XVIII. Festpiele Auerbach.
Veranstaltungsleiter Klaus-Peter Becker hatte wieder einmal ein
sicheres Händchen bei der Auswahl seiner Ensembles gezeigt und mit
diesem Auftakt ins Schwarze getroffen. Darüber hinaus spielte auch
der Wettergott mit. Nachdem es am Vormittag des Premierentages in
Südhessen noch stetig geregnet hatte, klarte der Himmel im Laufe
des Nachmittags auf und ließ schließlich eine warme
Abendsonne auf das offene "Amphitheater" des Staatsparks scheinen. Von
den Rängen schaute man über die Bühne hinaus auf die
satten grünen Hänge des Parks und genoss die letzten
Sonnenstrahlen.
Mit den ersten Tönen der
Band verlagerte sich die Aufmerksamkeit jedoch schlagartig auf die
Bühne und die dort agierenden Musiker: entsprechend dem Band-Namen
- KAL bezeichnet in der Roma-Sprache die Farbe Schwarz - schwarz
gekleidet, zeigten sie vom ersten Moment an südeuropäisches
Temperament. Rhythmus, Tempo und wild dahinjagende Motive prägen
das akustische Bild dieser Musik, die oft auch orientalische Züge
zeigt. Bandleader Dragan Ristic fing von Beginn an das Publikum auch
verbal ein, suchte den Kontakt zu den Zuhöreren und ließ
sich das englische "Come on" ins deutsche "Auf geht's" übersetzen,
um fortan mit diesem Spruch das Publikum zum Mitmachen zu animieren.
Der so fließend wie verständlich Englisch sprechende Ristic
schafft es dabei, den Zuhöreren nicht nur die Band und den
jeweiligen Hintergrund der einzelnen Musiker nahezubringen, sondern
auch sein eigentliches Anliegen zu verdeutlichen: die Situation der
Roma in Europa, die seit Generationen veretrieben und verfolgt werden.
Dabei "jubelte" er dem Publikum ganz nebenbei auch unter, dass es die
Begriffe "Gypsy" und "Zigeuner" für ihn nicht gibt. Doch zurück zur Musik:
trotz - oder wegen - Ristics Vorwarnung hinsichtlich der
Lautstärke der Musik verzogen sich schon kurz nach Beginn einige
Zuschauer aus der ersten Reihe in hintere Gefilde; doch keiner
verließ die Spielstätte, denn dazu war die Musik einfach zu
gut. Neben Dragan Ristic sind dabei vor allem zu nennen Djordje Bilkic,
ein wahrer Meister an der elektischen Violine, sowie Vlada und Dragan
Mitrovic am Akkordeon. Dazu kommen noch ein E-Bassist und zwei
Perkussionisten, die für das richtige rhythmische Feuer aus dem
Rückraum sorgen. Kaum eines der Stücke kam
lyrisch daher, und wenn eines denn doch einmal getragen und versonnen
begann, schlug es irgendwann um in wilden Tanz, so als wollten die
Musiker sagen "Egal, was passiert, wir tanzen allen Ärger und alle
Probleme mit reiner Lebenslust aus uns heraus". Die Namen und Themen
der einzelnen Musikstücke sind der Tradition und Umgebung der Roma
entnommen und sagen dem hiesigen - der Roma-Musik nicht kundigen -
Musikliebhaber wenig. Nach dem einleitenden "Turkish Blues", der wenig
mit dem uns bekannten Blues-Schema gemein hat, sorgte der fast
lateinamerikanische "Papuscha" sofort für Beinezucken im Publikum.
Humor zeigte das Ensemble mit einer Roma-Version des James-Bond-Themas
mit dem vielsagenden Titel "James Rom". Anschließend
präsentierte der Teufelsgeiger Djordje Bilkic ein geradezu
aberwitziges Geigensolo zur Bandbegleitung, ein anschließendes
Vokalstück brachte ein wenig Ruhe ins Programm und das auf den
geiger Bilkic anspielende Stück "Mozzarella" (wegen der Runden
Form) erinnerte streckenweise an den Evergreen "Bei mir bist du scheen". Nach der Pause ging es im selben
temperamentvollen Stil weiter, unter anderem mit dem eingängigen
Titel "dink - dank - donk". einer Hommage an ein Mädchen namens
"Lisa" und einen wilden Boogie mit einem unverständlichen
Roma-Namen. "Die "Roma Hymne" trug das Ensemble mit viel Inbrunst und
Herzblut vor, nur um anschließend mit "Tutti frutti" wieder in
die Vollen zu gehen. So ging es bis zum Schluss mit einer schnellen
Folge ausgereizter Rhythmen sowie fingerbrecherischer Geigen- und
Akkordeon-Soli. Als das Ensemble schließlich die Instrumente
weglegte und die Hüte abnahm, war klar, dass damit der Abend noch
nicht zuende war. Erst nach drei weiteren heftig beklatschten Zugaben
entließ das Publikum die Musiker in den wohlverdienten
Feierabend. Mit diesem Auftritt ist den
Auerbacher Festspielen ein furioser Auftakt gelungen, der sich sicher
auf das Interesse an den weiteren Veranstaltungen positiv auswirken
wird. Wenn dann auch weiterhin das Wetter so mitspielt wie an diesem
Samstagabend, kann eigentlich nichts mehr schiefgehen. Frank Raudszus |
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