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Unterhaltsame
Unterrichtsstunde in Englisch |
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Das
Frankfurter "English Theatre" spielt Patrick Hamiltons "Gaslight" |
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In Zeiten der Globalisierung
sollte man sich eines gepflegten Englischs in Schrift und Sprache
befleißigen. Dazu gehört es nicht nur, dass man sich
fließend unterhalten kann, sondern auch, dass man über einen
gepflegten Zungenschlag verfügt und nicht - wie mancher Amerikaner
- mit heißen Kartoffeln im Mund daherredet. Als unterhaltsame
Alternative zu einem Sprachkurs an der örtlichen Volkshochschule
bietet sich dabei der - möglichst regelmäßige - Besuch
des "English Theatre" in
der Frankfurter Kaiserstraße an, das englische Theaterstücke
in der Originalsprache aufführt. Dabei empfiehlt sich
rechtzeitiges Kommen, um auch noch ein wenig die gemütliche und
durchaus "stylische" Bar im Keller genießen zu können.
Seit Anfang September steht
Patrick Hamiltons im Jahre 1938 entstandenes "Gaslight" auf dem
Programm, das uns zurück in das viktorianische Zeitalter und
sowohl dessen Muff wie auch die mehr oder minder subtilen
Unterdrückungsmechanismen im privaten Umfeld vor Augen führt.
Da dieses Stück wie die meisten Theaterstücke dieser Epoche
die drei aristotelischen Forderungen - Einheit der Zeit, des Ortes und
der Handlung - uneingeschränkt einhält, lässt es sich
leicht mit einem einzigen Bühnenbild inszenieren. In diesem Fall
ist es das Haus der Manninghams, genau gesagt dessen Wohnraum. Wenn
sich der Vorhang öffnet, schauen wir in einen typisch englischen
Wohnraum des späten 19. oder frühen 20. Jahrhunderts: links
ein hoher Kamin, ringsumher dunkelrote, leicht gemusterte Tapete an den
Wänden, dazu Möbel aus dunklem Holz. Die spärliche
Beleuchtung kommt von mehreren Gasleuchten, die das Personal oder die
Hausfrau eigenhändig anzündet. In der ersten Szene schläft
der Hausherr in geradezu provozierend desinteressierter Haltung im
Sessel, während seine junge Frau still und verunsichert auf der
Couch sitzt. Die nach Manninghams Erwachen hauptsächlich von ihm
geführte Unterhaltung zeigt das Musterexemplar eines tyrannischen
Ehemannes, der seine Frau permanent kritisiert und erzieht. Zwar
schlägt er ihr in einem Anfall von Großmut einen gemeinsamen
Theaterbesuch vor und weckt damit in ihr die reine Vorfreude, doch
führt er dabei offensichtlich anderes im Schilde. Erst einmal
produziert er sich als verhinderter Schauspieler, der locker die
größten Rollen gespielt hätte - er zitiert mit
wichtiger Miene "To be or not to be" -, dann jedoch sagt er seiner Frau
mehrere Verfehlungen nach, die hauptsächlich aus Vergesslichkeit
und Verlusten von wichtigen Gegenständen bestehen. Ernsthaft
erinnert er sie an ihre Mutter, die in jungen Jahren im Irrenhaus
gestorben ist, und malt das Schreckgespenst eines ähnlichen
Schicksals für sie an die Wand. Nach einer Strafpredigt und
weiteren Aufträgen verlässt er indigniert das Haus.
Während seine Frau
verzweifelt versucht, ihre bösen Vorahnungen einer geistigen
Erkrankung zu verdrängen und gleichzeitig die Rechnung zu finden,
die sie angeblich verlegt hat, meldet sich ein Herr an, den sie in
ihrem desolaten Zustand erst nicht einlassen will und dann doch
hereinbittet. Er stellt sich als der pensionierte Kriminalinspektor
Rough vor und erkennt sofort, dass sie sich in einem kritischen Zustand
befindet. Schnell stellt sich jedoch heraus, dass er den Grund ahnt und
und mit einem sehr konkreten Anliegen kommt. In diesem Haus ist vor
zwanzig Jahren eine alte Dame ermordet worden. Rough hat damals zwar
einen jungen Neffen der alten Dame verdächtigt, doch die
Angelegenheit wurde mangels Beweisen niedergeschlagen und der Fall
blieb bis heute ungeklärt. Als er den besagten Neffen nach so
langer Zeit mit einer jungen Frau eben dieses Haus wieder beziehen sah,
ahnte er, dass der Täter zum Ort seiner Untat zurückgekehrt
war, um in Ruhe die Juwelen zu suchen, die er damals trotz intensiver
und rücksichtsloser Suche im ganzen Haus offenbar nicht hatte
finden können. Das passt zu den seltsamen Geräuschen, die
Mrs. Manningham immer dann auf dem Dachboden hört, wenn ihr Mann
ausgegangen ist. Außerdem senkt sich dann ihmmer der
Helligkeitsgrad des Gaslichts ab, was auf entprechenden Gasverbrauch an
anderer Stelle des Hauses schließen lässt. Als Mrs. Manningham Zutrauen zu
dem Fremden findet und von ihrem vermeintlich gefährdeten
Geisteszustand erzählt, erkennt Roughg sofort Manninghams Taktik,
seine Frau in den Wahnsinn zu treiben, um anschließend freie Hand
zu haben. Um etwas gegen Manningham in der Hand zu haben,
überredet er dessen Frau, den verschlossenen Schreibtisch des
Hausherrn aufzubrechen und dort nach Beweisen zu suchen. Das
Öffnen der Schubladen "doesn't even ask for intelligence", wie er
in typisch britischer Ironie bemerkt, und tatsächlich finden sich
in den Schubladen außerordentlich brisante Gegenstände.
Jetzt ist Rough wie elektrisiert, und auch Mrs. Manningham ist ebenso
entsetzt wie erleichert, klärt sich doch für sie manches
Mysterium der letzten Zeit auf. Mit einem genauen Schlachtplan im Kopf
schickt Rough Mrs. Manningham auf ihr Zimmer, versteckt sich im
Nebenraum und wartet auf die Rückkehr des Hausherrn. Den Rest der Geschichte wollen
wir hier nicht erzählen, um potentiellen Besuchern nicht alles zu
verraten und ein bisschen Spannung zu erhalten. Angemerkt sei nur, dass
neben der so resoluten wie treuen Haushälterin Elizabeth noch die
junge Bedienstete Nancy eine Rolle spielt, die ihre weiblichen Reize
gegenüber dem Hausherrn gezielt ausspielt und der Dame des Hauses
gegenüber provozierend auftritt. Doch, wie in solchen
Kriminalstücken üblich, siegt am Ende die Gerechtigkeit, und
auch das Rachebedürfnis von Ehefrau und Zuschauern wird am Ende
noch gestillt.
Die Darsteller spielen durchweg
engagiert und verleihen ihren Rollen glaubwürdige Züge.
Caitlin Shannon zeigt als Mrs. Manningham ein völlig
verschüchtertes und zunehmend verzweifeltes Wesen, lässt am
Ende aber ihre ganze aufgestaute Wut an ihrem Gatten aus. Diesen spielt
Robin Kermode mit einer Mischung aus "britischer Arroganz" und
zynischer Bosheit, die beide erst am Schluss zerbrechen. Roger Forbes
gibt einen abgeklärten und doch immer noch umtriebigen
Pensionär, der keinen unaufgeklärten Fall auf sich beruhen
lassen kann und gleichzeitig die gequälte Mrs. Manningham
tröstet und aufbaut. Sarah Simpkins ist als Elizabeth ein Fels in
der Brandung und Mia Austen ist nicht nur eine kesse sondern auch
äußerst ansehnliche Nancy. Für die deutschen
Zuschauer, die den größeren Teil des Publikums bildeten, war
es anfangs etwas schwieriger, der Handlung zu folgen, wohl auch wegen
der Textlastigkeit und der schnellen, dem dramatischen Kontext
entsprechenden Sprechweise von Caitlin Shannon und Robin Kermode.
Spätestens mit dem Auftritt von Roger Forbes als Rough
verlangsamte sich jedoch das Tempo, und Roger Forbes, der auch schon
den Big Daddy aus "The Cat
on the Hot Tin Roof" beeindruckend gespielt hatte, sorgte mit
seiner klaren Artikulation und einem gemäßigten Sprechtempo
für hohe Verständlichkeit. Von diesem Moment war es kein
Problem mehr, dem Text auch in seine Wortspiele und Nebensätze zu
folgen und daraus auch einen sprachlichen Genuss zu ziehen. Am Ende belohnte kräftiger
Beifall das gesamte Ensemble, das mit dieser Aufführung einen
Abend lang gute Theaterunterhaltung liefert. Das
Stück läuft noch bis zum 7. November
Fotos © Bärbel Högner |
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