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Monolog eines Menschen |
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Conor
McPhersons Einpersonen-Stück "Der gute Dieb" bei den
Barfestspielen des Staatstheaters Darmstadt |
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Der irische Schriftsteller Conor
McPherson gehört mittlerweile zum festen Stamm der
"Stückeschreiber" für das Staatstheater Darmstadt, wie den
Verweisen links von diesem Text zu entnehmen ist. Seine Stücke
eignen sich besonders für die Darmstädter Institution der
"Bar-Festspiele", bei denen in der kleinen, gemütlichen Bar der
Kammerspiele im Anschluss an das Programm der beiden Häuser
Einakter mit möglichst wenig Personal präsentiert werden.
Doch McPhersons Stücke passen so gar nicht zu dem lauschigen und
eher etwas trendigen Ambiente der Bar, sondern strahlen eine
düstere, gottverlassene Stimmung aus. In die Bar passen sie - honi
soit qui mal y pense - jedoch insofern, als McPhersons Protagonisten
meist neben anderen Defekten auch den des Alkoholimus aufweisen. Bei
manchen der Stücke - siehe links - bleibt einem das Bier oder der
Wein buchstäblich im Halse stecken, wenn denn bei Getränken
dieses Bild passt.
In "Der gute Dieb" tritt Hans-Matthias Fuchs in nachlässiger Kleidung und unrasiert als ein Kleinganove auf, der sein verfuschtes Leben Revue passieren lässt. Diktion und Grundtenor lassen darauf schließen, dass für ihn schon alles gelaufen ist und er vom Leben nichts mehr als dessen Ende erwartet. Für einen Schutzgeldeintreiber hat er früher kleinere Aufträge erledigt, meist Drohattacken gegen zahlungsunwillige "Kunden" seines Chefs. Solange er mit Greta zusammen war, verlief sein kleinkriminelles Leben nach einem festen Muster, das wenig Zukunft aber auch keine Katastrophen verhieß. Doch an dem Tag, als Greta ihn verlässt und sich mit seinem zahlungskräftigeren Chef liiert, zerbricht für ihn eine Welt, die er sich nur noch schöntrinken kann. Seine Wut auf die beiden ist so verständlich wie gefährlich - für ihn. Denn sein Chef spürt seinen Hass und sucht nach einer Lösung für dieses latente Problem.... Als er eines Tages zu Mr.
Mitchell geschickt geschickt wird, um diesen mit "ein wenig Druck"
zahlungswillig zumachen, trifft er auf zwei professionelle Killer, die
offensichtlich nicht zum Spaßen aufgelegt sind. Ob Mitchell
mit seinem Chef zusammenarbeitet, um ihn zu erledigen, oder ob Mitchell
sich selbst auf einen Überfall vorbereitet hat, bleibt offen. In
einem Moment der gegnerischen Unaufmerksamkeit und eigener
Klarsichtigkeit gelingt es dem Todeskandidaten, beide Killer zu
erschießen. Dass bei der Schießerei auch noch Mitchell
stirbt, ist sozusagen ein unbeabsichtigter Kollateralschaden. Als er
durchs Fenster seinen Chef mit zwei nicht gerade zart besaiteten
Leibwächtern nahen sieht, schnappt er sich die Frau und kleine
Tochter Mitchells und verschwindet mit ihnen im Landrover. Die
Entführung ist zumindest zur Hälfte eine Rettung, denn
niemand weiß, was der Frau durch die Ankömmlinge droht.
Unser Protagonist jedoch nimmt die beiden einfach mit, und die Frau
folgt ihm mehr oder minder willig, wohl auch noch unter Schock. Es
gelingt ihm, mit Hilfe seines alten Freundes Jeff abseits der Stadt in
einem leerstehenden Haus unterzukommen, um dort in aller Ruhe zu
überlegen, wie es weitergehen soll. Einen Abend lang tauscht er
mit Jeff Erinnerungen aus und spielt sogar mit einem von dessen vier
Kindern, bevor er sich mit Mrs. Mitchell und deren kleiner
Tochter - in allen Ehren - schlafen legt.
Hans-Matthias Fuchs
präsentiert diese deprimierende Lebensbilanz mit der Tonlosigkeit
eines seelisch zerstörten Menschen. Fast
geschäftsmäßig schildert er die dramatischen Ereignisse
im Hause Mitchells, die Flucht mit dessen Frau und die kurz
aufflackernde Hoffnung nach Jeffs Hilfe. Sogar die Sympathie zu der
kleinen Tochter Mitchells dringt durch den Panzer des Selbstschutzes,
der allein ihn vor dem Selbstmord bewahrt. Man erkennt in diesem
Kleinkriminellen eine im Grunde genommen gutmütige Seele, die
durch den Verlust der Freundin und einzigen Bezugsperson, den Verrat
des eigenen Chefs und schließllich durch den Alkohol aus der Bahn
geworfen worden ist. Man kann sich für diese Figur auch ein mit
Stetigkeit und Zuverlässigkeit durchgestandenes bürgerliches
Berufsleben vorstellen, doch - "die Verhältnisse, sie sind nicht
so". Unser Held gerät in die Mühlen der Kriminalität und
wird dabei durch immer größere Räder gedreht, bis er
daran zerbricht. Spätestens nach der Trennung von Greta hat er
keinen Halt und keine echten Zukunftsperpektiven mehr und lässt
sich im Dunst von Alkohol und kriminellen Aktivitäten
dahintreiben. Er hat zwar nicht die Stärke, sich am eigenen Schopf
aus dem Sumpf herauszuziehen, seine Umwelt hat ihm jedoch auch nie die
Chance dazu gegeben und richtet ihn mit Gleichgültigkeit und
Zynismus systematisch zugrunde. Nur in der Musik findet die
Hauptperson so etwas wie Zuflucht und seelischen Ausgleich, wenn er die
gerade populären Stücke mitsingt. Hans-Matthias Fuchs, selbst
guter Sänger, zeigt diese fast schon sentimentale und bisweilen
auch rebellische Flucht in die Musik mit der richtigen Mischung aus
vermeintlich coolem Machotum und reiner Verzweiflung. Sein Protagonist
will sich bis zum Schluss so etwas wie Würde erhalten und
drückt dies mit Musik aus, doch die äußeren
Beweisstücke für diese ersehnte Würde lassen sich nicht
entdecken, und daran zerbricht er. Eine Stunde lang hält
Hans-Matthias Fuchs sein Publikum in Atem und schafft dabei eine
Atmosphäre aus Gewalt, Brutalität, Zynismus und verzweifeltem
Überlebenskampf. Man kann sich der Wirkung dieses teilweise
existenziellen Monologs nicht entziehen und muss am Ende die Beklemmung
erst einmal abschütteln, bevor man den verdienten Beifall spenden
kann. Weitere
Aufführungen am 25. Oktober, 1., 13. und 22. November sowie am 12.
und 27.
Dezember.
Alle
Fotos © Barbara Aumüller |
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