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Frühlingshafte
Leichtigkeit im Herbst |
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Das
Bensheimer Pegasus-Theater mit seinem neuen Varieté-Programm
"Herbstgeflüster" |
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Was hat der Pegasus mit dem
Tiger zu tun? Nun, beide sind Tiere, wenn auch das eine nur ein
mythisches. Damit erschöpft sich aber auch schon der Vergleich aus
dem Tierreich. Im kulturellen Bereich jedoch, vor allem im
Rhein-Main-Gebiet, ergeben sich wesentlich mehr Ähnlichkeiten. So
erinnert das Bensheimer Varieté-Theater "Pegasus" in mehr als einer
Beziehung an den Frankfurter "Tiger-Palast", das bekannte Frankfurter
Varieté. Wie jenes residiert auch das "Pegasus" in
gemütlichen, sofort Varieté-Stimmung verbreitenden
Gebäude. Dabei hat das "Pegasus" den Vorteil, mit der "Alten
Gerberei" ein wirklich altes, fast museales Haus als Spielstätte
zu besitzen. Uralte Balken tragen die hohe Decke des Saales, um den
sich eine erhöhte Galerie zieht. Diese Räumlichkeiten sehen
genau so aus, wie man sich ein Varieté-Theater vorstellt. Die
zivilen Restaurationspreise und der freundliche Service fördern
zusätzlich das Wohlbefinden des Gastes bereits vor dem Beginn des
Programms.
Durch den Abend führt die junge und attraktive Chantall. Das doppelte "l" in diesem Namen ist kein Tippfehler, sondern verweist auf ihre Berliner Schnauze, mit der sie sich und ihren Künstlernamen auf die Schippe nimmt. Chantall ist - bei einer Berlinerin nicht verwunderlich - wahrlich nicht auf den Mund gefallen. So lässt sie das Publikum gleich eine adäquate Begrüßung üben, als ihr diese nicht enthusiastisch genug erscheint. Dazu teilt sie vor allem die Herren der ersten Reihe ein, die ihr nicht nur eine - von ihr bereits vorab beschaffte - rote Rose auf die Bühne bringen müssen, sondern auch später für verschiedene (Varieté-(!))Nummern zur Verfügung stehen müssen. Chantall sorgt mit Schwung und Schnauze auch dafür, dass die auftretenden Künstler mit entsprechendem Applaus empfangen werden. Für den Verabschiedungsbeifall sind diese dann selbst verantwortlich und bringen diesen auch souverän ein. Das "Duo Non Stop" aus der
Ukraine präsentiert die akrobatische Show "Rola-Rola", bei dem die
beiden Künstler auf übereinandergetürmten Autofelgen
Akrobatik vom Feinsten
zeigen. Die Schwierigkeit besteht dabei in der labilen Basis der sich
ständig bewegenden Felgen. Trotz dieser unsicheren Unterlage
lässt der stämmige Mann seine Partnerin um seinen Kopf und
Körper kreisen, als wäre es eine federleichte Puppe. Oliver
Groszer jongliert artistisch mit Keulen, was an sich nichts Besonderes
ist. Bei ihm jedoch gewinnt diese
Jonglage
dadurch an Witz, dass die Keulen unterschiedlich leuchten, wobei Imhof
die Farben je nach Bewegungsart steuern kann. Dadurch löst
er ein wahres Feuerwerk in unterschiedlichen Farben aus.
Weiter geht es mit dem kleinen
Franzosen Blub,
der wie ein naives Kind im lila Märchenanzug und gleichfarbigen
Zylinder auf die Bühne kommt. Mit großen Augen und hoher
Kinderstimme begrüßt er das Publikum und beglückt es
mit dem alten Kinderspiel "Seifenblasen". Doch er hat dieses alte Spiel
zur Perfektion getrieben, lässt farbig schillernde Seifenblasen in
allen möglichen Konstellationen aufsteigen und umherschwirren,
haucht ihnen weißblauen Zigarettenrauch ein, den die Seifenblasen
mit zum Boden nehmen, wo sie schließlich mit einer kleinen
Rauchfahne zerplatzen, und zaubert schließlich mannsgroße
Seifenblasen, die selbst ihn einhüllen. Dazu staunt er immer
wieder mit großen Augen und kommentiert sein eigenes Tun mit
einem piepsigen "super". Zwischen den einzelnen Nummern
lockert Chantall das Publikum immer wieder durch freche oder leicht frivole Scherze auf. Sogar
als laszive Domina mit der Peitsche tritt sie auf und
zerschlägt einem vorher durch
dicke Jacken, Handschuhe und Helm mehr als ausreichend geschützten
Herrn aus dem Publikum die Zeitung in der Hand mehrfach in zwei Teile.
Als sie schließlich auch noch damit kokettiert, mit einer fast
unvorstellbaren Rückwärtsbiegung einem unter ihr liegenden
Gast mit ihrem Mund die Zigarette aus dem Mund zu ziehen, erwartet
jeder im Publikum einen Slapstick-Scherz, nur um mitzuerleben, mit welcher
Körperbeherrschung und Akrobatik die hier eigentlich nur als
Conférencière auftretende junge Dame dieses
Kunststück wirklich fertigbringt. Dazu fällt einem nur noch
die Bemerkung "Chapeau" ein. Das Pegasus-Theater zeigt sich
mit diesem Programm voll auf der Höhe des zeitgenössischen
Varietés und bietet Freunden dieser Kunstgattung einen so
unterhaltsamen wie abwechslungsreichen Abend. Für Freunde des
Varietés ist Bensheim wirklich eine Reise wert. Das Programm läuft noch bis
zum 26. Oktober. Also nichts wie hin! Frank Raudszus |
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