Pferdedressur als ästhetisches Vergnügen



























































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Die Pferdeshow "Apassionata - Sehnsucht" gastierte in Mannheim

 

Gesamtansicht der ManegeGut gebaute, kräftige Pferde haben schon immer die Herzen der Menschen erfreut; man denke nur an Alexanders berühmtes Schlachtross Bukephalos. Im Mittelalter waren Pferd und Ritter - der Begriff kommt nicht ohne Grund von "reiten" - eine Kampf- und Lebenseinheit, und im Wilden Westen war es - mit leichten Abwandlungen - nicht anders. Bis ins späte 19. Jahrhundert diente das Pferd darüber hinaus als Zugtier nicht nur von Lastkarren sondern vor allem von prestigeträchtigen Edelkarossen. Erst im 20. Jahrhundert wurde das Pferd auf das "Altenteil" des Sports und des Freizeitvergnügens geschoben, was ihm letzten Endes wesentlich besser bekam. Die Dressur dieser lernfähigen und anpassungswilligen Tiere war schon immer eine wichtige Funktion bei deren effizienter Verwendung. Die ursprüngliche Anforderung, im Kampf auf kleinste Hilfen oder gar vorausschauend zu reagieren, verselbständigte sich bald zu einer Kunst, die besonders im Pracht und Fülle liebenden Barock Höhepunkte feierte, und am Wiender Hof etablierte sich die Kunst der Lippizaner-Dressur, die heute noch bei Touristen Staunen auslöst.

Die Veranstalter der Show "Apassionata" hatten sich zum Ziel gesetzt, dem Publikum verschiedene Pferderassen in Einzeldressur und Formationsauftritten zu präsentieren. Da das auch entsprechende Turniere bis hin zu Großveranstaltungen wie den Olympischen Spielen mit allem gebührenden Ernst leisten, musste man eine andere Form der Präsentation finden, die nicht nur auf das Fachpublikum zielt und außerdem weiter gehende Bedürfnisse eines breiten Publikums anspricht. Da Kinder erfahrungsgemäß besonders spontan auf Pferde reagieren, sollte die Veranstaltung vor allem diese Zielgruppe faszinieren.

Die "Roten Engel" stehlen den MondDie "Roten Engel" stehlen den Mond

So haben die Veranstalter um die reiterischen Vorführungen eine "Fantasy"-Geschichte gebaut: das kleine Mädchen Laura findet sich allein in einer Welt mit den (bösen) Roten Engeln und dem "Schloss der Sehnsucht", das sie entsprechend sehnsüchtig sucht. Sie muss eine Reihe von Gefahren bestehen, kommt ins Gefängnis und muss mit anderen Gefangenen Kreise im Gefängnishof drehen, von berittenen Wärtern bewacht. Die Roten Engel haben den Mond gestohlen, an dem Lauras Wünsche und Hoffnungen hängen, und am Ende retten die Matrosen der auf dem Meeresgrunde liegenden Schiffe das Mädchen und den Mond, den sie wieder am Himmel aussetzen. Man sieht, diese Geschichte strotzt nicht gerade vor Logik, aber das spielt keine Rolle, geht es doch vor allem, eine geheimnisvolle Atmosphäre um Gefahr, Einsamkeit und Erlösung zu schaffen. Den Ansprung einer großen Oper auf psychologischen oder gar gesellschaftlichen Gehalt erhebt diese Choreografie nicht. Hier stehen die Pferde und ihre Reiter im Mittelpunkt, auch wenn Laura des Öfteren einsam durch die Manege wandert.

Neben der optischen Präsentation der Pferde und ihrer kontrollierten Bewegungen spielt die Musik eine wesentliche Rolle. Vor Beginn ertönt über die Lautsprecher introvertierte Klaviermusik von Bach, später wird dessen berühmte Orgel-Toccata in d-moll erklingen. Dazwischen füllen moderne Klänge den weiten Raum der SAP-Arena in Mannheim, die mal an Techno-Musik erinnern, mal aus dem "Herrn der Ringe" stammen könnten. Ob langsam schmeichelnd oder drohend hämmernd, immer verbreitet diese Musik einen eigenenen geheimnisvollen Klang, der den Fantasy-Charakter des geschehens in der Manege akustisch verstärkt. Ob man will oder nicht: auch als Erwachsener kann man sich dieser ein wenig fremdartigen und märchenhaften Wirkung nicht entziehen. Dazu singt die bekannte Sopranistin Arndis Halla die Rolle der einsamen Schlossherrin mit lupenreinem Ton, wobei sie sogar eine Zeitlang wie eine dünne Riesin aus der Spitze eines gegelförmigen Kleides von mehreren Metern Höhe herausschaut.

Laura und eine GefängniswärterLaura und eine Gefängniswärter

Doch zurück zu den Pferde-Vorführungen: hier kommen verschiedene Reitergruppen aus Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und den USA zusammen, um verschiedene Pferderassen einzeln oder in Formationen vorzuführen: die eleganten, nervösen Lusitanos und Andalusier, die zuverlässigen Camargue-Pferde, die robusten Friesen, die riesigen Shire Horses sowie andere. Dabei kommen Übungen zur Ausführung, die man auf keinem üblichen Dressur-Turnier sehen wird und die viele Zuschauer, wenn sie nicht gerade "Insider" sind, gar nicht kennen. Die Piaffe, das versammelte Traben auf der Stelle, ist eine davon und schlägt die Reiter unter den Zuschauern in Bann; das Aufrichten der Pferde auf den Hinterbeinen, mit und ohne Reiter, ist eine weitere, geradezu spektakuläre Dressurnummer. Andere Reiter zeigen einen ausgepägten Schritt mit vorangestrecktem Vorderbein ihres Pferdes oder einen versammelten Trab, bei dem die Vorderbeine extrem angewinkelt werden. Alle diese Übungen vermitteln ein Bild der gesammelten Kraft sowie der Körperbeherrschung und zeigen deutlich die Einheit zwischen Pferd und Reiter, der meist wie angegossen auf dem Pferd sitzt, gleich ob dieses trabt oder galoppiert.

Die Formationen zeichnen sich durch hohe Präzision und schwierige Figuren aus. Die Reiter führen ihre Pferde in verschiedensten Anordnungen durch den Hufschlag, mal hintereinander, mal nebeneinander, dann wieder in getrennten Gruppen, die sich kunstvoll gegenseitig durchdringen oder wieder vereinigen. Das Ganze erfolgt stets zu passender Musik, wobei die Pferde zeitweise sogar genau im Takt der Musik traben. Die Reiter tragen je nach Situation in der erzählten Geschichte verschiedene  Kostüme, mal rote Kardinalsroben mit hohen Hüten, mal blaue Roben in ähnlicher Ausführung. Die Beleuchtung wirft dazu das richtige Licht auf die Beteiligten, mal rot, mal blau, mal weiß, und grüne Leserstrahlen geistern durch den Raum und über Darsteller und Zuschauer.

Über zwei Stunden lang begeistern Pferde und Reiter das Publikum mit immer neuen Varianten ihrer Kunst und vermitteln damit auch dem des Reitens und der Pferde nicht besonders kundigen Zuschauer einen Eindruck von der Schönheit dieser Tiere und der Kunst, sie zu diesen Dressurleistungen auszubilden.

Die SHow gastiert im Anschluss noch in Bremen, Dortmund, Leipzig, München, Erfurt, Hamburg, Berlin, Hannover und weiteren Städten

Weitere Details sind über das Internet erhältlich.

Frank Raudszus