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Pferdedressur als ästhetisches
Vergnügen |
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Die
Pferdeshow "Apassionata - Sehnsucht" gastierte in Mannheim |
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Die Veranstalter der Show
"Apassionata" hatten sich zum Ziel gesetzt, dem Publikum verschiedene
Pferderassen in Einzeldressur und Formationsauftritten zu
präsentieren. Da das auch entsprechende Turniere bis hin zu
Großveranstaltungen wie den Olympischen Spielen mit allem
gebührenden Ernst leisten, musste man eine andere Form der
Präsentation finden, die nicht nur auf das Fachpublikum zielt und
außerdem weiter gehende Bedürfnisse eines breiten Publikums
anspricht. Da Kinder erfahrungsgemäß besonders spontan auf
Pferde reagieren, sollte die Veranstaltung vor allem diese Zielgruppe
faszinieren.
So haben die Veranstalter um die
reiterischen Vorführungen eine "Fantasy"-Geschichte gebaut: das
kleine Mädchen Laura findet sich allein in einer Welt mit den
(bösen) Roten Engeln und dem "Schloss der Sehnsucht", das sie
entsprechend sehnsüchtig sucht. Sie muss eine Reihe von Gefahren
bestehen, kommt ins Gefängnis und muss mit anderen Gefangenen
Kreise im Gefängnishof drehen, von berittenen Wärtern
bewacht. Die Roten Engel haben den Mond gestohlen, an dem Lauras
Wünsche und Hoffnungen hängen, und am Ende retten die
Matrosen der auf dem Meeresgrunde liegenden Schiffe das Mädchen
und den Mond, den sie wieder am Himmel aussetzen. Man sieht, diese
Geschichte strotzt nicht gerade vor Logik, aber das spielt keine Rolle,
geht es doch vor allem, eine geheimnisvolle Atmosphäre um Gefahr,
Einsamkeit und Erlösung zu schaffen. Den Ansprung einer
großen Oper auf psychologischen oder gar gesellschaftlichen
Gehalt erhebt diese Choreografie nicht. Hier stehen die Pferde und ihre
Reiter im Mittelpunkt, auch wenn Laura des Öfteren einsam durch
die Manege wandert. Neben der optischen
Präsentation der Pferde und ihrer kontrollierten Bewegungen spielt
die Musik eine wesentliche Rolle. Vor Beginn ertönt über die
Lautsprecher introvertierte Klaviermusik von Bach, später wird
dessen berühmte Orgel-Toccata in d-moll erklingen. Dazwischen
füllen moderne Klänge den weiten Raum der SAP-Arena in
Mannheim, die mal an Techno-Musik erinnern, mal aus dem "Herrn der
Ringe" stammen könnten. Ob langsam schmeichelnd oder drohend
hämmernd, immer verbreitet diese Musik einen eigenenen
geheimnisvollen Klang, der den Fantasy-Charakter des geschehens in der
Manege akustisch verstärkt. Ob man will oder nicht: auch als
Erwachsener kann man sich dieser ein wenig fremdartigen und
märchenhaften Wirkung nicht entziehen. Dazu singt die bekannte
Sopranistin Arndis Halla die Rolle der einsamen Schlossherrin mit
lupenreinem Ton, wobei sie sogar eine Zeitlang wie eine dünne
Riesin aus der Spitze eines gegelförmigen Kleides von mehreren
Metern Höhe herausschaut.
Doch zurück zu den Pferde-Vorführungen: hier kommen verschiedene Reitergruppen aus Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und den USA zusammen, um verschiedene Pferderassen einzeln oder in Formationen vorzuführen: die eleganten, nervösen Lusitanos und Andalusier, die zuverlässigen Camargue-Pferde, die robusten Friesen, die riesigen Shire Horses sowie andere. Dabei kommen Übungen zur Ausführung, die man auf keinem üblichen Dressur-Turnier sehen wird und die viele Zuschauer, wenn sie nicht gerade "Insider" sind, gar nicht kennen. Die Piaffe, das versammelte Traben auf der Stelle, ist eine davon und schlägt die Reiter unter den Zuschauern in Bann; das Aufrichten der Pferde auf den Hinterbeinen, mit und ohne Reiter, ist eine weitere, geradezu spektakuläre Dressurnummer. Andere Reiter zeigen einen ausgepägten Schritt mit vorangestrecktem Vorderbein ihres Pferdes oder einen versammelten Trab, bei dem die Vorderbeine extrem angewinkelt werden. Alle diese Übungen vermitteln ein Bild der gesammelten Kraft sowie der Körperbeherrschung und zeigen deutlich die Einheit zwischen Pferd und Reiter, der meist wie angegossen auf dem Pferd sitzt, gleich ob dieses trabt oder galoppiert. Die Formationen zeichnen sich
durch hohe Präzision und schwierige Figuren aus. Die Reiter
führen ihre Pferde in verschiedensten Anordnungen durch den
Hufschlag, mal hintereinander, mal nebeneinander, dann wieder in
getrennten Gruppen, die sich kunstvoll gegenseitig durchdringen oder
wieder vereinigen. Das Ganze erfolgt stets zu passender Musik, wobei
die Pferde zeitweise sogar genau im Takt der Musik traben. Die Reiter
tragen je nach Situation in der erzählten Geschichte
verschiedene Kostüme, mal rote Kardinalsroben mit hohen
Hüten, mal blaue Roben in ähnlicher Ausführung. Die
Beleuchtung wirft dazu das richtige Licht auf die Beteiligten, mal rot,
mal blau, mal weiß, und grüne Leserstrahlen geistern durch
den Raum und über Darsteller und Zuschauer. Über zwei Stunden lang
begeistern Pferde und Reiter das Publikum mit immer neuen Varianten
ihrer Kunst und vermitteln damit auch dem des Reitens und der Pferde
nicht besonders kundigen Zuschauer einen Eindruck von der
Schönheit dieser Tiere und der Kunst, sie zu diesen
Dressurleistungen auszubilden. Weitere
Details sind über das Internet
erhältlich. Frank Raudszus |
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