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Früh- und spätromantische
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Das
5. Sinfoniekonzert des Staatstheaters Darmstadt präsentiert
Mendelssohn und Mahler |
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Für das 5. Sinfoniekonzert
der Saison hatte das Staatstheater Darmstadt den Chefdirigenten des
Orquestra National do Porto, den aus Dresden stammenden Chritoph
König, engagiert. Wie es
sich in einem Jubiläumsjahr gehört, hatte sich König
für den Einstieg in den Abend eine Mendelssohn-Komposition
ausgesucht. Den zweiten Teil füllte dann vollständig Gustav
Mahlers 1. Sinfonie - "Der Titan" aus. Das Mendelssohnsche Werk bietet
ausreichend Material für ein Sinfoniekonzert, doch König
hatte sich etwas Besonderes ausgedacht. Der Dirigent Zubin Mehta hat
das weithin bekannte und beliebte Oktett opus 20 des erst
16jährigen Mendelssohn für ein ausgewachsenes
Streichorchester umgeschrieben, was sich aufgrund der sowieso schon
üppigen Ausstattung eines Streichquartetts zum Oktett geradezu
anbietet. Oktette waren noch zu Beethovens Zeiten meist für
Bläsergruppen geschrieben, und so nimmt Mendelssohns Oktett mit
seiner Verdoppelung der üblichen Streichquartettbesetzung eine
Sonderstellung ein. Da Mendelssohn außerdem zwölf reine
"Streichersinfonien" komponiert hat, fügt sich eine solche
Adaption durchaus in das gesamte Repertoire dieses Komponisten ein,
auch wenn die Version nicht von ihm persönlich stammt.
Das Oktett zeichnet sich durch
ausgeprägte Themen und klare Stimmführung aus, die auch unter
der Ausweitung der Besetzung auf acht Streicher nicht leidet. Wer das
Oktett im Kopf hat, ist jedoch anfangs von der Orchesterversion ein wenig
enttäuscht. Das ist weniger auf die Intonation des Orchesters oder
die Leitung durch den Dirigenten zurückzuführen, sondern eher
auf den Verlust an Transparenz und Konturen, der sich bei einer solchen
Aufblähung des Klangkörpers zum voll besetzten
Streichorchester fast zwangsläufig ergibt. Statt einer oder zweier
Violinen tragen nun derer zwanzig ein bestimmtes Thema vor, dazu kommen
noch die Violoncelli, die ebenfalls Fülle beisteuern. Da das
kompositorische Material nur wenig verändert wurde, werden die
Konturen automatisch fülliger und verlieren ein wenig die
Duchsichtigkeit des Oktetts. Hört man diese Interpretation des
Oktetts jedoch als eigenständige Orchesterkomposition, dann
ändert sich der Gesamteindruck. Ohne den steten Rückgriff auf
das Vorbild beginnt man, die Eigenarten und vor allem die klanglichen
Möglichkeiten des Orchesters zu schätzen. Die bekannte
Präzision des Darmstädter Orchesters tat an diesem Abend ein
Übriges, die Klangfarben dieses Werkes neu herauszuarbeiten. Die
Violinen flirrten geradezu im Raum, und an einigen Stellen fühlte
man sich an die Ouvertüre zum "Sommernachtstraum" erinnert, als
habe Mendelssohn bereits bei diesem frühen Oktett die spätere
Komposition im Kopf gehabt, nur noch nicht orchestral umgesetzt. Bei
aller Dichte der Klänge wirkte das Stück jedoch nie kompakt,
sondern stets federleicht, sogar im Presto des letzten Satzes mit
seinem eingängigen Thema. Im ersten Satz kam das Hauptmotiv
markant zum Tragen, der zweite Satz bestach vor allem durch seine zarte
Verspieltheit, der dritte durch das fiebrige Grundmotiv zu Beginn. Das
Orchester folgte den knappen aber zielsicheren Hilfen des
Gastdirigenten mit hoher Aufmerksamkeit und auf den Punkt genau.
Hörproben des ursprünglichen Oktetts sind hier
abrufbar.
Mahlers 1. Sinfonie in D-Dur aus
den Jahren 1884-88 ist nahezu ein abendfüllendes Werk, nicht nur
hinsichtlich der fast einstündigen Länge sondern vor allem
wegen der Intensität. Die aus der Klassik und auch noch der
frühen Romantik bekannte durchgängige Metrik ist hier
weitgehend aufgelöst, man ahnt ein Taktmaß mehr als dass es
sich einprägt, und dynamische Wechsel sind an der Tagesordnung.
Mahler hatte ursprünglich allen vier Sätzen - anfangs waren
es sogar fünf - programmatische Titel gegeben, hatte diese aber
gestrichen, als er feststellen musste, dass die Exegeten diese Themen
auwalzten, fortspannen und geradezu missbrauchten. Dennoch lässt
der erste Satz noch den frühen Verweis auf den Frühling
erkennen. Wie aus starrer Winterkälte die Natur erhebt sich die
Musik mit einem äußerst zarten Streicherklang, dem sich bald
ein kräftigeres, aber immer noch verhaltenes Blasinstument
hinzugesellt. Langsam erwacht die Musik zum Leben, entfaltet sich dann
immer breiter und vielfältiger und entwickelt eine
Eigenständigkeit über jede mögliche Programmatik hinaus.
Der zweite Satz ("kräftig bewegt....) kommt majestätisch
schreitend im 6/8-Takt daher und präsentiert ein liedhaftes Thema
voller Lebensfreude. Der dritte Satz variiert das Motiv des Liedes
"Bruder Jakob", die Moll-Tonart lässt es jedoch eher düster
und wie ein Trauermarsch klingen. Die einleitenden verhaltenen
Paukenschläge erinnern ein wenig an Beethovens Violinkonzert. Der
vierte und letzte Satz schließlich beginnt gleich mit
Schlagzeugeinsatz und einem gewaltigen Fortissimo des gesamten
Orchesters und geht dann in aufgeregte Motive der Streicher und
Bläser über. Das Orchester hatte bei diesem
Stück natürlich die Möglichkeit, alle Register zu
ziehen. Von den Violinen über die Bläser bis zu den Pauken
waren alle Spieler im Einsatz, und die Vielfalt der thematischen und
instrumentalen Einfälle schuf ein gewaltiges Klangbild, das den
Wunsch des Komponisten, die tonalen Grenzen auch ohne neue Harmonik zu
sprengen, deutlich machte. Das fehlende Maß einer - zumindest
innerhalb eines Satzes - gleichförmigen Metrik machte es besonders
schwer, die Einsätze auf den Bruchteil einer Sekunde genau
erfolgen zu lassen und dabei auch noch hohe Intensität und einen
reinen Ton sicherzustellen. Alles das gelang dem Orchester an diesem
Abend. Die Klarinette wirkte in ihren hohen Lagen genauso klar und
leicht wie die Hörner oder Trompeten mit ihren expressiven
Fanfaren. Das Gleiche gilt für die Flöten, die ebenfalls
keine einfache Aufgabe zu bewerkstelligen hatten, sowie ihre Nachbarn,
die Oboen und Fagotte. Im Grunde genommen waren an diesem Abend
alle Mitglieder des Orchesters bis zum Paukisten gefordert, und sie
waren diesen Anforderungen mehr als gewachsen. Das gesamte Orchester
bildete einen homogenen Klöngkörper, bei dem keine
Instrumentengruppe über Gebühr herausragte, und Dirigent
Christoph König holte aus diesem Klangkörper alles heraus,
was die Partitur hergab: vom leisesten und doch klaren Pianissimo bis
zum Fortissimo mit Trompeten, Becken und Pauke. Und diese expressive
Dynamik ging nicht auf Kosten der Transparenz, sondern jedes Instrument
intonierte seine solistischen Einwürfe mit ungebrochener Klarheit,
und selbst die unterschiedlichen Themen einzelner Instrumentengruppen
gewannen ein selbständiges, genau abgegrenztes Profil.
Hörproben gibt es hier. Das Premierenpublikum zeigte
sich vor allem von der Mahler-Interpretation begeistert und spendete
zum Schluss sogar "stehende Ovationen" Frank Raudszus |
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