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Innovatives Theater in alten
Gemäuern |
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Die
freie Theatergruppe TEAM.OBRADEK plant im Darmstädter Hofgut
Oberfeld eine alternative Tschechow-Inszenierung |
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Das "Hofgut Oberfeld" am
östlichen Stadtrand von Darmstadt ist Gegenstand einer eigenen
Stiftung, die in den großzügig angeordneten Gebäuden
eines ehemaligen Gutsbetriebes am Rande der beliebten Frischluftzone
"Oberfeld" - daher der Name - ökologischen Landbau, gemeinsames
Wohnen und Arbeiten für Behinderte, Direktvertrieb
landwirtschaftlicher Produkte und soziale Aktivitäten aller Art
verbinden will. Zu den vielfältigen und aufwändigen Aufgaben
der Stiftung und der beteiligten Mitarbeitern gehören die
Wiederherstellung der bestehenden Gebäude, die Anschaffung neuer
Landmaschinen und einer Viehherde, die Errichtung einer Bäckerei
sowie die Umsetzung eines neuen Energiekonzeptes.
Doch
mit diesen Aktivitäten ist der Tatendrang der Stiftungsmitglieder
bei weitem nicht erschöpft. Als Teil der sozialen Visionen
möchte man auch die Kultur in das Hofgut holen und hat sich zu
diesem Zweck mit der interdisziplinären Theatergruppe "Team
Odradek" zusammengetan. Odradek ist eine Gruppe von Schauspielern,
Bildenden Künstlern, Regisseuren, Bühnen- und
Kostümbildnern, Architekten, Musikern und Designern, die Theater
als interdisziplinären Akt begreifen. Neben dieser
fachübergreifenden, sozusagen "entgrenzten" Sicht des Theaters als
Bühne der gesellschaftlichen Realität legt das Team jedoch
auch besonderen Wert auf die Gestaltung des Spielortes. Ohne es
ausdrücklich so zu formulieren, erteilen die beteiligten
Künstler der klassischen "Guckkasten"-Bühne mit "Darsteller
hier, Zuschauer da" eine Absage und streben an, die
Theateraufführung in den alltäglichen Lebensraum des
Publikums zu verlagern. Da es praktisch nicht möglich ist, in
einer Unzahl von kleinen Dreizimmerwohnungen und Reihenhäusern zu
spielen, hat man für die Aufführung das Hofgut Oberfeld als
exemplarischen Ort des sozialen Zusammenlebens gewählt. Natürlich
hätte es nahe gelegen, sich für diesen Zweck ein eigenes
Theaterstück zu schreiben, das aktuelle Probleme und
Befindlichkeiten thematisiert. Doch abgesehen, dass man dazu erst
einmal einen kompetenten und bereitwilligen Autor hätte finden
müssen, hätte das auch einen zu großen Zeitverlust
für das angestrebte Projekt mit sich gebracht. Auf der anderen
Seite existoerte mit Anton Tschechows "Kirschgarten" bereits eine
Vorlage, die den drohenden Verlust eines Gutshofes beschreibt und somit
thematisch mit dem Hofgut Oberfeld eng verbunden ist. Zwar geht es
Tschechow hauptsächlich um den Realitätsverlust und damit den
Niedergang des russischen Landadels, der statt konkreter Utopien nur
unrealistische Illusionen pflegt, doch das Team Odradek will auch gar
nicht Tschechows Interpretation übernehmen.
Auf
der Basis der Ausgangslage in "der Kirschgarten" wird man das
Stück umdeuten und die eigenen konkreten Visionen eines sozialen
Raums einbringen. Dazu werden der übliche Rahmen eines Theaters
sowie die eigentliche Handlung auf unterschiedliche Lokalitäten
des Hofgutes verteilt: der zentrale Hof wird zum Foyer, dass ehemalige
Stallgebäude zur Bühne. Dort findet der erste Teil des nun
bewusst in "Kirschgärten" umgetauften Stückes -
Tschechow ist zum Glück schon seit mehr als siebzig Jahren tot -
im Erdgeschoss statt. Der zweite Teil spielt im Dachgeschoss, wo sich
die Prunkmöbel der dem Bankrott zustrebenden Familie türmen.
Der turbulente bis chaotische Schlussakt schließlich läuft
im Keller ab - Synonym für die Unterwelt, aus der es kein
Entrinnen gibt -, endet dann aber nach einer Art visionärer Flucht
durch die offenen Scheunentore auf der Obstwiese, wo eine Blaskapelle
bei Kaffee und Kuchen für einen festlichen Abschluss und einen
symbolischen Sieg der Utopie sorgen wird. Das Projekt steht unter der Schirmherrschaft von Bundesministerin Brigitte Zypries (Wahlkreis Darmstadt) sowie des Oberbürgermeisters Walter Hoffmann. Das Staatstheater Darmstadt wird ebenfalls - wie auch bei anderen freien Theaterprojekten - mit Rat und Tat zur Seite stehen. Soweit
die heutige Planung dieses alternativen Theaterprojekts. Unter der
Fragestellung "Wie wollen wir leben" haben Gregor Siber (Dramaturgie),
Samuel Hof (Bühne & Kostüme), Paul Frick mit den
"Qualmenden Socken" (Musik), Bernd Purkbarek (Licht) und Jonas Zipf
(Regie) Anton Tschechows Vorlage sozusagen neu definiert. Die Premiere
wird am 11. Juni um 20 Uhr stattfinden, weitere Aufführungen sind
für den 13./14. sowie vom 17. bis 21. Juni geplant. |
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