Virtuoser Tempo-Jazz auf der Gitarre









































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Der Auftritt des Diknu Schneeberger Trios in der Reihe "Konzert & Brunch" des Rheingau Musik Festivals

 

Mit strategischer Umsicht baut das Rheingau Musik Festival sein ursprünglich auf zwei Sommermonate angelegtses Veranstaltungsprogramm aus. Nach Einführung des Literatur Festivals im September ist nun die Reihe Konzert & Brunch in den ersten Monaten des Jahres hinzugekommen. Doch hat man hierbei nicht einfach das Konzept des Sommerfestivals auf die Wintermonate ausgeweitet, sondern junge, noch unbekannte Musiker und Gruppen in den Mittelpunkt gestellt. In einer Zeit der Konzentration auf medienwirksame Prominenz - der "3-Tenöre"-Effekt! - und des Schielens nach dem Spektakulären ist diese Förderung der - noch - unbekannten Künstler besonders hervorzuheben. Das heißt jedoch nicht, wie die Matinee-Veranstaltung am 8. März zeigte, dass man auch an die Qualität geringere Anforderungen stellt. Zumindest in diesem Fall präsentierte sich in der Kelterhalle von Schloss Reinhartshausen im Rheingauer Erbach mit den Österreichern Diknu ("Sohn") Schneeberger (Gitarre), Martin Spitzer (Gitarre) und Joschi ("Vater") Schneeberger (Bass) ein Trio, das nicht nur über einschlägige Erfahrungen und hohes technisches Können verfügt, sondern bereits CDs veröffentlicht hat.

v.l.n.r.: Diknu Schneeberger, Joschi Schneeberger und Martin SpitzerDer junge Diknu hat das einmalige Glück eines nicht nur hoch musikalischen sondern auch großzügigen Vaters, der dieses Trio unter der Voraussetzung gründete, dass sein eigener Sohn die führende Rolle übernimmt. Auch Martin Spitzer, anfangs Lehrer des lange Zeit autodidaktisch vorgehenden Diknu, fügte sich angesichts der hohen Begabung des aus einer alten Sinti- und Romafamilie stammenden Diknu problemlos in dieses Trio ein. Diese Selbstbescheidung ist vor allem in Künstkerkreisen weniger weit verbreitet.

Wie nicht anders zu erwarten, bezieht das Trio seine musikalischen Anregungen und Vorbilder weitgehend von Django Reinhard, dem Altmeister auf der Jazz-Geige. Der junge Diknu kam zwar erst über einige Umwege zu dieser Musikrichtung, wurde dann aber nach eigener Aussage zum größten Verehrer Django Reinhards. Das hörte man auch gleich dem ersten Stück am Sonntag an, einer Komposition von Django Reinhard, mit dem das Programm sozusagen als Hommage an das Vorbild ohne  Ankündigung sofort mit hohem Tempo begann. Danach folgte eine Bossa, dann ein Stück mit dem Namen "Hungaria", das ungarische Themen mit kräftigem Drive vortrug, und anschließend "La Gitane", das einen Hauch von französischen Musettes im jagenden 6/8-Takt verbreitete. Ein nachfolgendes Swing-Evergreen aus den 30er Jahren lieferte das erste Bass-Solo, nachdem bis dahin fast ausschließlich Diknu Schneeberger hals- bzw. fingerbrecherische Soli zur Rhythmusbegleitung von Martin Spitzer und Vater Schneeberger präsentiert hatte. Nach einem dem hohen Tempo geschuldeten Saitenriss bei Diknu legten Martin Spitzer und Joschi Schneeberger ein lyrisches Duett ein, das Diknu später mit leisen Rhythmus-Beigaben dezent begleitete.

Nach einem schnellen Blues, bei dem wieder Diknu rasante Skalen und seine Mitspieler den Drive dazu präsentierten, folgte eine ebenso temperamentvolle Komposition von Duke Ellington und dann das von Diknu Schneeberger selbst verfertigte "Marlene", das teilweise besinnlichere Töne brachte. Nach einem weiteren "Jazz-Klassiker" und dem besonders rasanten "280SE" (was immer das heißen soll) folgte Joschi Schneebergers Komposition "Rubina" und zum Abschluss Django Reinhards atemlos vorantreibendes "Rhythm Futur".  Die meisten dieser Stücke leben von ihrem Tempo, ihrem hämmernden, vorandrängenden Rhythmus und der hohen Virstuosität der Sologitarre, deren Skalen-Variationen bisweilen in ihrer Schnelligkeit kaum noch nachzuvollziehen sind, obwohl sich die Töne nie in einem allgemeinen Klangrausch verlieren. Die Kunst dieser Art, Gitarre zu spielen, besteht gerade darin, auch die schwierigsten Improvisationen noch transparent erscheinen zu lassen.

Der Beifall des Publikums in der ausverkauften Kelterhalle zeigte schon zwischen den einzelnen Stücken Begeisterung, brandete jedoch nach dem Ende so stark auf und hielt so lange an, dass die drei Musiker noch einige Zugaben geben mussten, darunter Carlos Santanas "Moonflower" und zum endgültigen Schluss noch einmal eine typische Zigeunerweise in höllischem Jazz-Tempo.

Im Anschluss bot das Schlosshotel Kempinski ein Brunch an, das zwar nicht an das Konzert gebunden war, das jedoch viele Besucher gerne annahmen, um die musikalischen Eindrücke bei einem geruhsamen Imbiss und einem Glas Winzersekt langsam absinken zu lassen.

Am 22. März folgt in derselben Reihe eine Klavier-Matinee mit der Pianistin Mona Asuka Ott und am 29. März wiederum ein Jazz-Programm mit der Gruppe "Subtone"

Frank Raudszus