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Kunstvolle Stimm-Arrangements für Pop-Dauerbrenner |
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Im 10.
Kammerkonzert des Staatstheaters Darmstadt tritt das
Vokalensemble "Berlin Voices" auf |
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Vor fast genau
zehn Jahren taten sich die Berliner Musikstudenten Sarah und Esther
Kaiser, Marc Secara und Kristofer Benn zu dem Vokalensemble "Berlin Voices" zusammen. Seitdem haben
sie in vielen nationalen und internationalen Auftritten vor allem
Die
ersten vier Stücke - Piano Man,
Just the way you are, You're my home und New York State of Mind - stammen
von Billy Joel und haben entweder das altbekannte Thema Liebe oder den
Hexenkessel der Großstadt - natürlich New York - zum
Gegenstand. Die Liebeslieder zeichnen sich dabei durch einen elegischen
Grundtenor aus, der in der komplizierten mehrstimmigen Harmonik der
Gruppe sehr gut zum Ausdruck kommt. Anschließend erfolgte
als Referenz an die Heimat Berlin das Lied "Irgendwo auf der
Welt" von den Comedian Harmonists als reine Vokalversion. Im
Gegensatz zu den Comedians nahm die Gruppe jedoch das Tempo stark
zurück und betonte durch sängerische Akzente das
melancholische Moment dieses Stücks. Die noch in der
Originalfassung vorhandene Dynamik mit ihrem inhärenten Optimismus
fiel wohl bewusst dem im Nachhinein bekannten Schicksal der Comedian
Harmonists zum Opfer. Die harmonische und dynamische Gestaltung verlieh
diesem Lied eine nachdenkliche, fast schwermütige Färbung.
Nach weiteren "Fremdwerken" von Miles Davis (Boplicity) und Richie Cole
(New York Afternoon) mit
umfangreichen Soli aller Instrumente kamen mit der reinen Vokalversion Honesty und dem expressiven Anyway wieder zwei
Joel-Stücke auf die Bühne, bevor George Gershwins "Lady be
good" den temperamentvollen Abschluss des ersten Teils bildete.
Allerdings erkannte man in dem Arrangement dieses "Burners", wie der
Sprecher das Stück nannte, kaum noch Gershwins Originalversion
wieder. Die Motive lösten sich in den komplexen Gesangsstrukturen
und weit ausladenden Soli des Pianos weitghehend auf. Das
erste Stück im zweiten Teil - The
Great City - stammt von Curt Lewis und besingt natürlich
wieder, wenn auch ungenannt, New York. Nach James, einer "Ode an einen Freund"
von Billy Joel, folgte Bebop von
Jazz-Altmeister Dizzie Gillespie, dieses Mal in einem sehr originellen,
weitgehend den Vokalisten überlassenen Arrangement von Wolfgang
Kerschek. Das darauf folgende fremdländische Ooh jah schien einer afrikanischen
Sprache zu entstammen. Leider fehlte dazu eine ausführliche
Erklärung, doch sowohl die Sprache als auch der musikalische
Duktus verweisen eindeutig auf den schwarzen Kontinent. Nach zwei
weiteren Liedern von Billy Joel - He's
got a way und Summer Highland
Falls - folgte das berühmte Over the Rainbow in einem eigenen
Arrangement für vier Stimmen, das die ursprüngliche Fassung
zwar auch völlig neu gestaltete, sich aber nicht so weit von der
Originalversion entfernte wie "Lady be good". Nach einem kleinen
Zwischenspiel mit der Eigenkomposition Open Invitation folgte zum
Abschluss Billy Joels "Geschichtszusammenfassung" We didn't start the fire, in dem er
die Namen amerikanischer und weltweiter politischer und anderer
Größen aller Epochen kritisch miteinander verbindet und
diese Auflistung immer wieder mit dem Titel gebenden Refrain
konterkariert. Eine
weitere temperamentvolle Zugabe beendete ein Konzert, das durch die
Komplexität sowie die harmonische und dynamische Vielfalt des
Vortrags durchaus beeindruckte,
aber ein wenig an mangelnden Überraschungen litt. Zu ähnlich
waren sich viele Stücke und zu sehr dominierte die elegische
Grundstimmung, als dass richtig Stimmung im Zuschauerraum hätte
aufkommen können. Aber das lag vielleicht auch am Publikum, das
sich aus dem klassischen, auf Streicquartette abonnierten
Kammerkonzert-Kreis rekrutierte. Andere, jüngere Zuhörer aus
der Popmusik- oder Jazz-Szene sah man an diesem Abend im Kleinen Haus
des Staatstheaters kaum. Sie hätten vielleicht mehr Resonanz
gezeigt. So blieb der abschließende Beifall freundlich, steigerte
sich aber nicht zu Ovationen irgendwelcher Art. Frank Raudszus |
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