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Erst bei den "Alten" springt der Funke über |
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Der
Buena Vista Social Club tritt beim Rheingau Musik Festival auf Schloss
Johannisberg auf |
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Die
Musik dazu versucht natürlich, den ursprünglichen Stil
beizubehalten, und das über weite Strecken auch mit Erfolg. Doch
verströmen die älteren Herren - es sind keine wirklich Alten
mehr dabei - eher eine gediegene, kontrollierte Atmosphäre denn
ein überschäumendes Temperament. Dass sie ihre Instrumente
beherrschen, versteht sich von selbst, aber sie gehen nicht mehr
gestisch und mimisch aus sich heraus, wie es die ursprüngliche
Truppe noch getan hat. Man hat den Eindruck, dass hier ein PR-Berater
die Band auf die im westlichen Musikmarkt herrschenden Regeln
eingeschworen hat. Dazu gehört auch, dass die Band plötzlich
Stücke spielt, die man eher dem amerikanischen und
europäischen Unterhaltungs- und Tanzmusikgenre zurechnen
würde, zwar durchaus lateinamerikanisch, aber eben vom westlichen
Musikmarkt schon lange vereinnahmt und sozusagen domestiziert. Man wird
den Eindruck nicht los, dass die Band - oder die Veranstalter? - einem
europäischen Publikum eben die Orientierung am Bekannten
ermöglichen wollten. Ansonsten spielten sich die üblichen
Rituale ab: sobald die Erkennungsmelodie ertönt, wird das Publikum
schwach und gibt sich der Wiedererkennungseuphorie hin, in diesem Fall
beim berühmten "Chan Chan", den viele wegen des markanten
Refrains vielleicht nur als "para marcané" kennen.
Auf
Schloss Johannisberg trat das Ensemble ohne die "alte Dame" Omara
Portuondo auf - offiziell. Doch wie es der Zufall oder die bewusst
lancierte Anekdote so will, weilte sie zu diesem Zeitpunkt in
Deutschland und bat, an dem Auftritt der alten Freunde teilnehmen zu
dürfen. Dass die Veranstalter keine Sekunge überlegten,
versteht sich von selbst, und so erschien die alte Dame im knallroten
Kleid nach einer längeren "Inkubationszeit", in der ihre junge
Nachfolgerin bewies, dass sie das Publikum (noch) nicht von den
Stühlen reißen kann. Omara Portuando ging nach kurzer
Begrüßung alter Freunde aufs Publikum zu und inszenierte
sofort ein Gemeinschaftswerk von Bühne und Zuschauerraum. Zum
altbekannten "Que sas, que sas", das hier ganz anders klang als bei
Doris Day, kitzelte sie erst das anschwellende Mitklatschen der
Zuschauer, dann den gemeinschaftlich gesungenen Refrain heraus, bis
schließlich das gesamte Publikum aufstand und musikalisch
mitfeierte. Es war faszinierend anzuschauen, mit welchen einfachen
Mitteln der direkten Kommunikation diese alte Dame die Zuschauer aus
ihren Regenumhängen riss, die sie zu Beginn des Konzerts alle zu
einem eintönigen Plastikwald reduziert hatten. Nun, befreit von
Regen und Umhang, klatschten die Leute befreit, lachten und tanzten
sogar, soweit das die Enge der Stuhlreihen zuließ. Omara
Portuondo war sich auch nicht zu schade, sich mit "sexy" Posen
über sich selbst lustig zu machen und auch selbst gleich
über sich zu lachen, oder mit dem Bandleader ein erotisch
angehauchtes Tänzchen hinzulegen. Dass
fast gleichzeitig mit ihrem Auftritt die Wolken langsam der Sonne
wichen, kann man nur unter dem Begriff "Symbolkraft" subsumieren. Jetzt
gewann das Konzert deutlich an Fahrt; auch das Orchester gewann an
Leben und Ausdruckskraft, und am Ende waren alle rundum zufrieden -
dank Omara Portuondo. Frank Raudszus |
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