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Festlicher Bläserklang im Klostergemäuer |
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Das
Blechbläserensemble Ludwig Güttler beim Rheingau Musik
Festival im Kloster Eberbach |
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Das Kloster Eberbach ist im Rahmen
des Rheingau Musik
Festivals eine der wichtigsten Spielstätten. So manches
feinsinnige Solistenkonzert litt hier in der Vergangenheit wegen
dafür nicht idealen Akustik, doch am Abend des 9. Juli boten die
Mauern der Basilika die richtige optische und akustische Kulisse
für ein Konzert. Denn an diesem Abend gastierten die
Blechbläser der Orchester verschiedener sächsischer
Städte - Dresden, Leipzig Chemnitz - mit einem weit
gefächerten Programm von der Spätrenaissance bis zur Moderne.
Der Halleffekt des dreigeteilten Kirchenschiffes, für zartere
Klänge nicht unbedingt optimal, ließ in diesem Fall den
kräftigen und belastbaren Klang der Blechbläser sich frei
entfalten. Fünf Trompeten, vier Posaunen, ein Waldhorn und eine
Tuba deckten den gesamten Klangbereich vom tiefen Bass bis zum hellen
Tenor ab. Ensemblegründer Ludwig Güttler leitete das Ensemble
selber vom vorderen Platz und wendete sich zwischendurch auch an das
Publikum im wieder einmal ausverkauften Kirchenschiff. Das
Programm begann in der späten Renaissance mit "Fünf
Tänzen" von Tylman Susato (1500-1564) und einem auf sieben
Bläser reduzierten Ensemble. Fanfarenartige, kurze Stücke mit
weitgehend homophoner Struktur charakterisieren diese aus verschiedenen
Tanzgattungen zusammengestzte Folge, die mal festlich, mal feierlich
und dann auch temperamentvoll daherkommt. Man kann sich gut vorstellen,
dass diese Musik zur Begrüßung der Gäste eines
großen Festes gespielt wurde.
Danach
erklang Musik von Moritz Landgraf von Hessen, der gut siebzig Jahre
nach Susato lebte und bereits im Frühbarock lebte. Von ihm spielte
das mittlerweile auf 11 Mitglieder aufgestockte Ensemble je zwei
Pavanen und Gagliarden, die offensichtlilch verschiedenen Personen bzw.
Städten gewidmet waren. Mal im 4/4-Takt, mal im 6/8-Takt
entfaltete sich die Musik festlich oder majestätisch schreitend,
und die zusätzlichen vier Bläser füllten den Raum der
Basilika bis zur letzten Stuhlreihe. Es erübrigt sich zu sagen,
dass dieses Ensemble perfekt intoniert und zusammenspielt; wichtig ist
jedoch, auf die feine Abstimmung von Dynamik und Stimmgewichtung
hinzuweisen, die jedem Instrument ausreichend Präsenz sicherte.
Die Transparenz der einzelnen Stimmen, gerade bei Blechbläsern
wegen der speziellen Klangcharakteristik nicht einfach einzuhalten,
ging hier keinen Augenblick verloren. Nach einer angehängten
"Canzone" desselben Komponisten folgte John Dowlands fast
schwermütige Pavane "Lacrimae" - der Name sagt alles! - für
Blechbläser. Hintergrund des gedrückten Grundtenors dieses
Stückes ist die Tatsache, dass Dowland aus religiösen
Gründen seine Heimat England verlassen musste und auf dem
Kontinent nie richtig heimisch wurde. Nach all den festlichen
Klängen zu Beginn bildete diese so andersartige Komposition einen
Kontrast, der zeigte, über welche Ausdruckbandbreite ein gutes
Blechbläserensemble verfügt, wird doch mit Blechbläsern
gerne der dörfliche Musikzug assoziiert. Mit
William Brade kam anschließend ein eher unbekannter Komponist um
1600 zu Wort. Seine Suite mit sieben Einzelstücken wie "Der
Cornwallische Aufzug", "Der alte Hildebrandt" oder "My Ladi Wraths
Mascherada" weist eine wesentlich vielfältigere Struktur als die
vorangegangenen Stücke auf. So wechseln Takt, Tempo und
Ausgestaltung der einzelnen Stimmen deutlich von Stück zu
Stück und verleihen jedem einen ganz eigenen Charakter. Vor allem
das abschließende "Aufzug vor Grienwitsch"(!) zeichnet sich durch
zwischenzeitlichen Metrikwechsel aus. Mit William Brade gewinnt die
Musik erste Anzeichen einer Eigenständigkeit über die
Lobpreisung des jeweiligen Herrschers bzw. Mäzens hinaus. Diese
bei Brade schon in Ansätzen erkennbare Entwicklung der
höfischen Musik kommt dann bei Johann Sebastian Bachs (1685-1750)
Motette "Singet dem Herren" noch viel stärker zum Ausdruck. Hier
erkennt man deutlich den Sprung, den die Musik bis Bach gemacht hat und
in dem sie einen wahren Meister fand. Die dreisätzige Motette
zeichnet sich durch eine weitgehend polyphone Stimmführung aus,
die der ursprünglich für rein geistliche Zwecke komponierten
Motette eine Bedeutung weit über diesen Zweck hinaus sichert. Man
spürt bei diesem Stück förmlich, dass es Bach in erster
Linie um die Musik und nicht um die religiöse Lobpreisung ging.
Höhepunkt ist die komplexe Fuge am Schluss, die eine hohe
Verdichtung der Musik zur Folge hat und die es in dieser Form vorher
nicht gegeben hat. Nach
der Pause folgten anfangs mehrere Canzonen von Costanzo Antegnati
(1549-1613) und Giovanni Gabrieli (1557-1613), die eher dem Stil der
Stücke zu Beginn des Konzerts entsprachen. Danach folgte jedoch
mit Anton Bruckners (1824-1896) "Drei Stücken für
Blechbläser" erstmals eine Bläserkomposition aus dem 19.
Jahrhundert, also der Spätromantik. Die drei Stücke tragen
alle religiöse Bezeichnungen - z. B. "Ave Maria" - und
verströmen eine ausgesprochen insbrünstige, weihevolle
Atmosphäre. Wer nicht gewusst oder im Programmheft gelesen hat,
dass Bruckner ein tief gläubiger Mann war, erfuhr es jetzt aus der
Interpretatiion seiner drei Bläserstücke. Das Ensemble
brachte den religösen Ernst der Komposition ohne jegliche
schwülstige Übertreibung deutlich zum Ausdruck, was
angesichts der leicht zum "Schmettern" neigenden Instrumente nicht
selbstverständlich ist. Doch gerade bei der Interpretation dieser
introvertierten Stücke bewies das Ensemble Ludwig Güttler
seine Meisterschaft. Bei
der folgenden Komposition hielt Ludwig Güttler es für
angemessen, sich ans Publikum zu wenden, ging es doch um ein
zeitgenössisches Werk des Komponisten Bernd Franke (*1959), also
um einen weiteren Zeitsprung von gut eineinhalb Jahrhunderten. Frankes
"Chagall-Impressionen für Blechbläser" setzen die
Eindrücke der Bilder des russischen Malers auf den Komponisten um,
ohne deswegen in reine Programmmusik auszuarten. Das Ganze ist als ein
Zyklus organisiert, der langsam und getragen - sehr dicht - beginnt,
sich dann zu aufgeregten, teilweise fluchtartigen Bewegungen
aufschwingt und dann wieder zurückkehrt zur dichten Ruhe des
Anfangs. Wer will, kann hier zeitgenössische Assoziationen
pflegen, sie sind jedoch nicht ausdrücklich vom Künstler
beabsichtigt. Sein Ziel war lediglich, Chagalls malerische Welt in
Klänge umzusetzen. Erstaunlich ist dabei der hohe Anteil
homophoner Strukturen, wie wir sie von den Stücken der Renaissance
kennen. Damit fügte sich der innere Zyklus von Frankes Werk in den
großen Zyklus des Abends passgenau ein. Da war es dann nur
folgerichtig, dass eine Canzona, eine Gagliarda und eine Battaglia des
Barock-Komponisten Samuel Scheidt den Abschluss des zyklischen
Konzertabends bildeten. Das
Publikum zeigte sich von der präzisen und prächtigen Musik
des Bläserensembles derartig angetan, dass die Musiker noch zwei
Zugaben folgen ließen, ehe sie die Zuhörer auf die Heimreise
schickten. Frank Raudszus |
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