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Das
Rheingau Musik Festival feiert das Sommerfest auf Schloss Johannisberg
bei Traumwetter |
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Wie üblich
fand das große Sommerfest des Rheingau Musik
Festivals auf Schloss Johannisberg auch in diesem Jahr an einem
Samstag statt - wann sonst? Die Tatsache, dass es dieses
Mal auf den 4. Juli fiel, veranlasste die Veranstalter, das Fest unter
das Motto "USA" zu stellen, die an diesem Tag ihre
Unabhängigkeit feiern. Der neue Präsident und der erhoffte
weltpolitische Neuanfang mögen dabei eine weitere, nicht
unwesentliche Rolle gespielt haben. Wie dem auch sei: man hatte sich
zusätzlich mit der Autorität verbündet, die den
"Sonnenstaat" Kalifornien mit ewigem Sonnenschein (und leider auch
Waldbränden) versorgt. Ein strahlend blauer, wolkenloser Himmel
spannte sich bis in den Abend über dem Rheingau und ließ
einerseits das Flanieren durch die verschiedene Höfe des Schlosses
zur Lust werden, ließ aber andererseits die Gäste auch bald
die schattigen Plätze aufsuchen. Ministerpräsident
Roland Koch, wie immer als Schirmherr bei der Eröffnung des Fests
anwesend, hatte noch ein Weiteres veranlasst: wohl gegen den Willen
zumindest der ökologisch orientierten Opposition hatte er nach
Einbruch der Dunkelheit einen hell leuchtenden Vollmond in attraktiver
Höher über dem Rheingau platzieren lassen, der das rege
Treiben auf dem Schluss milde beleuchtete.
Für
die Begrüßung der Gäste hatten sich Festival-Chef
Michael Herrmann und Roland Koch etwas besonderes ausgedacht: in seiner
ausgedehnten Begrüßungstournee durch die Reihen der
Honoratioren und Sponsoren kam Herrmann immer wieder zu dem Satz "Und
jetzt zu dem ganz besonderen Gast...", dabei den neben ihm stehenden
Ministerpräsidenten anschauend, nur um daraufhin wieder
irgendeinen mehr oder minder bekannten Besucher des Festes namentlich
zu erwähnen. Im Stile von Netzer-Delling führten die beiden
ein neckisches Spielchen auf, das man nur als abgekartet bezeichnen
kann, denn ein so professioneller Festivalleiter wie Herrmann
würde wohl nie den Ministerpräsidenten und wichtigen
Förderer seiner Veranstaltung muwillig vor Publikum
vorführen. Roland Koch grinste denn auch durchaus nicht
gequält sondern amüsiert, denn eine ausdrückliche
Vorstellung war bei ihm wohl nicht mehr erforderlich. So eröffnete
er nach der Pflichtübung von Michael Herrmann das Sommerfest mit
einer launigen und nicht zu langen Rede, die er als geborener
Rhetoriker natürlich frei hielt. Danach
konnte das eigentliche Programm beginnen. Vorher hatte allerdings im
Spätlesereiterhof bereits das Joscho Stephan Quartett dem
einströmenden Publikum musikalisch mit Musik à la Django
Reinhard gehörig eingeheizt, obwohl das bei der Hitze eigentlich
gar nicht notwendig war. Die Hitze und der Durst sorgten für
Überlast an den Sektständen, und die Köche der Region
lieferten dazu hervorragende leichte Speisen, wie man sie an einem
frühen und warmen Sommerabend gerne genießt. Draußen
vor dem Tor begrüßten derweil die skurrilen
Pflanzengestalten von Pico Bello's "Living Garden" die neuen Gäste
mit allerlei Späßen, während die kulinarischen
Stände ringsumher im Zeichen von "Stars and Stripes" amerikanische
Delikatessen anboten. Doch
mit den US-Farben und -Speisen am Eingang war es an diesem Abend nicht
getan. Das Hauptprogramm im Cuvéehof stand ebenfalls ganz im
Zeichen unseres großen transantlantischen Bruders, jetzt aber
musikalisch. Die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz - von der
anderen Rheinseite! - begab sich unter der Leitung ihres Dirigenten Ari
Rasilainen auf eine Zeitreise durch die Hochphase des amerikanischen
Musicals. Dazu hatte man die Sopranistin Nicole Cabell engagiert, die
laut Moderator Herbert Feuerstein eigentlich nur durch Zufall zum
Gesang kam, als die richtigen Leute sie Opernarien vor sich hin
trällern hörten. Feuerstein bewies an diesem Abend
seine jahrelange Erfahrung als Ironiker und unterschwelliger Komiker,
der den plumpen Witz hasst und eher "subkutan" arbeitet. Dennoch konnte
er es nicht lassen, an einer Stelle noch einmal seinen wunden Punkt
kurz offenzulegen. Als er den amerikanischen Musical-Komponist Harold
Arlen, Schöpfer des berühmten Songs "Over the Rainbow",
erwähnte, betonte er das "o" in dessen Namen und verwies den Namen
Harald in eine andere, noch nicht vergessene Welt. Wer Herbert
Feuersteins Rolle in Harald Schmidts frühen Programmen kennt,
konnte ihm das nachfühlen. Ansonsten kommentierte er launig die
einzelnen Musiktitel: "Can't help loving dat man" aus dem Musical Show
Boat erklärte er zur gequälten Hymne der "Linken" - wer ist
da wohl gemeint? -, und "The man I love" sowie "Love is here to stay"
als Roland Kochs ausdrückliche Musikwünsche mit Hinblick auf
die nächste Wahl. Als er Auszüge aus Cole Porters Musical "Kiss me
Kate" ankündigte, konnte er sich nicht verkneifen, auf
Shakespeares Vorlage "Der Widerspenstigen Zähmung" zu diesem
Musical hinzuweisen: das
Wiesbadener Parlament unter der Leitung von Roland Koch habe die
Komödie des englischen Dramatikers in der letzten Saison in einer
Laieninszenierung überzeugend aufgeführt. Mit
diesen mal ironischen, mal etwas nostalgischen Bemerkungen brachte
Feuerstein das Publikum in eine gehobene Feierlaune, vor allem, da vor
allem die politisch angehauchten Scherze die Befindlichkeit des
Publikums genau getropffen haben dürften. Bei der Musik dominierte
- natürlich - George Gershwin, unter anderem mit mehreren Passagen
- "Summertime" - aus Porgy and Bess, aber auch mit
anderen bekannten "Evergreens" wie "I
got rhythm" oder "Embraceable
you". Nicole Cabell trug diese Stücke mit einem
gewissen melancholischen Timbre vor und setzte dadurch ein wenig von
den oftmals eher swingenden Versionen dieser Lieder ab. Den Schluss
bildeten zwei berühmte Musical-Nummern: "I feel pretty" aus Leonard
Bernsteins West Side Story
und "I could have danced all night"
aus My Fair Lady. Hier
dominierten zum Abschluss wieder Tempo und Lebensfreude. Danach gestand
das Orchester dem Publikum noch die ein oder andere Zugabe zu, bevor
man zurück in die anderen Höfe zu Wein, W.. und Gesang ging.
Die Nachtluft hatte inzwischen etwas Kühlung gebracht, so dass man
befreit zwischen den einzelnen Höfen flanieren, einen Wein oder
Rieslingsekt genießen und der Musik lauschen konnte. Den Abend
beendete wie üblich ein rauschendes Feuerwerk, dass sich dieses
Mal vor einem wolkenlosen Abendhimmel abspielte. Frank Raudszus |
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