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Juli 2009


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Das Rheingau Musik Festival feiert das Sommerfest auf Schloss Johannisberg bei Traumwetter

 

Wie üblich fand das große Sommerfest des Rheingau Musik Festivals auf Schloss Johannisberg auch in diesem Jahr an einem Samstag statt - wann sonst? Die Tatsache, dass es dieses Mal auf den 4. Juli fiel, veranlasste die Veranstalter, das Fest unter das Motto "USA" zu stellen,  die an diesem Tag ihre Unabhängigkeit feiern. Der neue Präsident und der erhoffte weltpolitische Neuanfang mögen dabei eine weitere, nicht unwesentliche Rolle gespielt haben. Wie dem auch sei: man hatte sich zusätzlich mit der Autorität verbündet, die den "Sonnenstaat" Kalifornien mit ewigem Sonnenschein (und leider auch Waldbränden) versorgt. Ein strahlend blauer, wolkenloser Himmel spannte sich bis in den Abend über dem Rheingau und ließ einerseits das Flanieren durch die verschiedene Höfe des Schlosses zur Lust werden, ließ aber andererseits die Gäste auch bald die schattigen Plätze aufsuchen.  Ministerpräsident Roland Koch, wie immer als Schirmherr bei der Eröffnung des Fests anwesend, hatte noch ein Weiteres veranlasst: wohl gegen den Willen zumindest der ökologisch orientierten Opposition hatte er nach Einbruch der Dunkelheit einen hell leuchtenden Vollmond in attraktiver Höher über dem Rheingau platzieren lassen, der das rege Treiben auf dem Schluss milde beleuchtete.

Sommerfest mit Blick auf Schloss JohannisbergSommerfest mit Blick auf Schloss Johannisberg

Für die Begrüßung der Gäste hatten sich Festival-Chef Michael Herrmann und Roland Koch etwas besonderes ausgedacht: in seiner ausgedehnten Begrüßungstournee durch die Reihen der Honoratioren und Sponsoren kam Herrmann immer wieder zu dem Satz "Und jetzt zu dem ganz besonderen Gast...", dabei den neben ihm stehenden Ministerpräsidenten anschauend, nur um daraufhin wieder irgendeinen mehr oder minder bekannten Besucher des Festes namentlich zu erwähnen. Im Stile von Netzer-Delling führten die beiden ein neckisches Spielchen auf, das man nur als abgekartet bezeichnen kann, denn ein so professioneller Festivalleiter wie Herrmann würde wohl nie den Ministerpräsidenten und wichtigen Förderer seiner Veranstaltung muwillig vor Publikum vorführen. Roland Koch grinste denn auch durchaus nicht gequält sondern amüsiert, denn eine ausdrückliche Vorstellung war bei ihm wohl nicht mehr erforderlich. So eröffnete er nach der Pflichtübung von Michael Herrmann das Sommerfest mit einer launigen und nicht zu langen Rede, die er als geborener Rhetoriker natürlich frei hielt.

Danach konnte das eigentliche Programm beginnen. Vorher hatte allerdings im Spätlesereiterhof bereits das Joscho Stephan Quartett dem einströmenden Publikum musikalisch mit Musik à la Django Reinhard gehörig eingeheizt, obwohl das bei der Hitze eigentlich gar nicht notwendig war. Die Hitze und der Durst sorgten für Überlast an den Sektständen, und die Köche der Region lieferten dazu hervorragende leichte Speisen, wie man sie an einem frühen und warmen Sommerabend gerne genießt. Draußen vor dem Tor begrüßten derweil die skurrilen Pflanzengestalten von Pico Bello's "Living Garden" die neuen Gäste mit allerlei Späßen, während die kulinarischen Stände ringsumher im Zeichen von "Stars and Stripes" amerikanische Delikatessen anboten.

Doch mit den US-Farben und -Speisen am Eingang war es an diesem Abend nicht getan. Das Hauptprogramm im Cuvéehof stand ebenfalls ganz im Zeichen unseres großen transantlantischen Bruders, jetzt aber musikalisch. Die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz - von der anderen Rheinseite! - begab sich unter der Leitung ihres Dirigenten Ari Rasilainen auf eine Zeitreise durch die Hochphase des amerikanischen Musicals. Dazu hatte man die Sopranistin Nicole Cabell engagiert, die laut Moderator Herbert Feuerstein eigentlich nur durch Zufall zum Gesang kam, als die richtigen Leute sie Opernarien vor sich hin trällern hörten.  Feuerstein bewies an diesem Abend seine jahrelange Erfahrung als Ironiker und unterschwelliger Komiker, der den plumpen Witz hasst und eher "subkutan" arbeitet. Dennoch konnte er es nicht lassen, an einer Stelle noch einmal seinen wunden Punkt kurz offenzulegen. Als er den amerikanischen Musical-Komponist Harold Arlen, Schöpfer des berühmten Songs "Over the Rainbow", erwähnte, betonte er das "o" in dessen Namen und verwies den Namen Harald in eine andere, noch nicht vergessene Welt. Wer Herbert Feuersteins Rolle in Harald Schmidts frühen Programmen kennt, konnte ihm das nachfühlen. Ansonsten kommentierte er launig die einzelnen Musiktitel: "Can't help loving dat man" aus dem Musical Show Boat erklärte er zur gequälten Hymne der "Linken" - wer ist da wohl gemeint? -, und "The man I love" sowie "Love is here to stay" als Roland Kochs ausdrückliche Musikwünsche mit Hinblick auf die nächste Wahl. Als er Auszüge aus Cole Porters Musical "Kiss me Kate" ankündigte, konnte er sich nicht verkneifen, auf Shakespeares Vorlage "Der Widerspenstigen Zähmung" zu diesem Musical hinzuweisen: das  Wiesbadener Parlament unter der Leitung von Roland Koch habe die Komödie des englischen Dramatikers in der letzten Saison in einer Laieninszenierung überzeugend aufgeführt.

Mit diesen mal ironischen, mal etwas nostalgischen Bemerkungen brachte Feuerstein das Publikum in eine gehobene Feierlaune, vor allem, da vor allem die politisch angehauchten Scherze die Befindlichkeit des Publikums genau getropffen haben dürften. Bei der Musik dominierte - natürlich - George Gershwin, unter anderem mit mehreren Passagen - "Summertime" - aus Porgy and Bess, aber auch mit anderen bekannten "Evergreens" wie "I got rhythm" oder "Embraceable you".  Nicole Cabell trug diese Stücke mit einem gewissen melancholischen Timbre vor und setzte dadurch ein wenig von den oftmals eher swingenden Versionen dieser Lieder ab. Den Schluss bildeten zwei berühmte Musical-Nummern: "I feel pretty" aus Leonard Bernsteins West Side Story und "I could have danced all night" aus My Fair Lady. Hier dominierten zum Abschluss wieder Tempo und Lebensfreude. Danach gestand das Orchester dem Publikum noch die ein oder andere Zugabe zu, bevor man zurück in die anderen Höfe zu Wein, W.. und Gesang ging. Die Nachtluft hatte inzwischen etwas Kühlung gebracht, so dass man befreit zwischen den einzelnen Höfen flanieren, einen Wein oder Rieslingsekt genießen und der Musik lauschen konnte. Den Abend beendete wie üblich ein rauschendes Feuerwerk, dass sich dieses Mal vor einem wolkenlosen Abendhimmel abspielte.

Frank Raudszus