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Von Kaffee- und anderen
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Ein
musikalisch-literarisches Trio lässt beim Rheingau-Musikfestival
die Zeitd er Wiener Kaffeehäuser wieder aufleben |
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Das Rheingau
Musik Festival trägt seine enge Beziehung zum Wein bereits im
Namen; hier gilt sozusagen das Motto "nomen est omen". Dass der
Großteil der Veranstaltungen in größeren - Schloss
Johannisberg- oder kleineren Weingütern stattfindet, liegt dabei
auf der Hand. Bisweilen jedoch wird die Veranstaltung selbst zur
Hommage an den Wein und seine Auswirkungen, und bei diesen meist
komödiantisch gefärbten Abenden bietet sich ein eher
lauschiges, nicht ganz so "repräsentatives" Weingut als
Veranstaltungsort an. Wien steht dabei für Grinzing, und wenn auch
das berühmte Wiener Kaffeehaus eine eher andere flüssige
Droge im Namen führt, ist doch auch dort der Weg vom Kaffee bis
zum ersten Wein oft recht kurz.
So
mögen die Veranstalter gedacht haben, als sie das Trio Maria
Reiter, Heinrich Klug und Wolf Euba einluden, einen Abend dem Thema
"Kaffehaus" zu widmen. Maria Reiter ist eine Meisterin des Akkordeons
und hat auf diesem bereits eine Reihe von Musikstielen und - epochen
absolviert bzw. kreiert. Heinrich Klug ist Solo-Cellist bei den
Münchner Philharmonikern und hat sich besonders für die
Breitenmmusik engagiert. Wolf Euba schließlich hat zwar einmal
Pädagogik studiert, ist aber unmittelbar nach dem Studium ins
Schauspielfach gewechselt und betätigt sich mit Vorliebe als
Sprecher literarischer Texte. Ihm kommt wie Heinrich
Klug bei seinen komödiantischen Auftritten seine mundartliche
Färbung zugute. Sein Fränkisch kann leicht ins Urbayerische
umschlagen, und auch das Weanerische bereitet ihm keine Probleme.
Heinrich Klug ist dank seiner Herkunft aus Wurzen bei Dresden - "vor
Wurzen wurd's em schlecht, nach Wurzem wurd's em besser" - immer
für einen Lacher gut, ohne ihn ihn dabei auf diese doch etwas
strapazierte Komik festnageln zu wollen. Alle drei zeigen einen
ausgesprochenen Humor und bringen diesen in den kurzen Szenen "à
trois" auch gekonnt zum Ausdruck. Wolf Euba kommt an diesem Abend die literarische Rolle zu. Er zitiert Texte von Alfred Polgar, Egon Friedell, Kurt Tucholsky, Ludwig Thoma (Josef Filser) und anderen, meist im Alpenraum angesiedelten Humoristen, Maria Reiter und Heinrich Klug unterlegen diese Lesungen mit passender Musik von Béla Bartók, Chopin, Schostakowitsch, Astor Piazolla und anderen mehr oder minder bekannten E- und U-Komponisten. Gleich
zu Beginn trägt Euba ein frivoles Gedicht über eheliche
(Un-)Treue vor, das man glatt Kurt Tucholsky zuordnen würde, nur
um dann zu erfahren, dass es von Gotthold Ephraim Lessing stammt und
damit schon gut zweihundertfünfzig Jahre alt ist. Die musikalische
Einleitung davor besteht aus einem wilden Duo von Béla
Bartók, das geradezu vor musikalischem Witz strotzt und den
beiden Musikern sichtlich Spaß bereitet. Vor allem Heinrich Klug
unterstreicht sein expressives Spiel mit deutlichen Gesten und
Grimassen. Anschließend kommt wieder Wolf Euba zu Wort mit
Betrachtungen des Wiener Alltagschronisten Peter Altenberg über
das "Café Herrenhaus", in denen dieser mit trockenem Humor die
sozio-kulturelle Struktur des Wiener Kaffeehauses beschreibt.
Nach dem Chopin-Walzer o0p. 34 Nr. 2, gesetzt für Cello und
Akkordeon, folgt Alfred Polgars melancholisch-philosophische
Beschreibung des "Café Central", in dem er den es bewohnenden
verlorenen Seelen ein kleines literarisches Denkmal setzt.
Schostakoswitschs "Frühlingswalzer", wiederum in einer eigenwillig
aufwühlenden Interpretation von Cello und Akkordeon, setzt den
Kontrapunkt zu diesem fast ein wenig larmoyanten Essay. In
Egon Fridells "Die Schale Nussgold" geht es um in
satirisch-parodistischer Form um die Ausbildung Wiener Kellner, wobei
auch Maria Reiter als "resche" Kellnerin und Heinrich Klug als -
sächsischer - Kellner auftreten und gemeinsam den Schlendrian
sowie die Bequemlichkeit und das lose Mundwerk Wiener
Kaffeehaus-Bedienungen aufspießen. Dazu passt dann Astor
Piazollas ursprünglich für Gitarre und Flöte (sic")
konzipierte Stück "Das Bordell", das Maria Reiter und Heinrich
Klug wieder mit viel Witz und überraschenden Einfällen
vortragen. Ein
Abstecher führt von Wien ins feindliche Bayern (Österreicher
und Bayern waren sich noch nie recht grün, weil sie sich so
ähnlich sind), wo sich Ludwig Thomas Josef Filser in
urbajuwarischer Mundart drastisch über die seltsame
Toilettenhierachie im bayerischen Landtag auslässt, und das
musikalische Duo trägt zusammen mit Wolf Euba als Sänger
Georg Kreislers "Telefonbuchpolka" mit dem schönen Refarin "Vondrak, Vortel, Viplaschil, Vojtech, Vozek,
Vimlatil, Viora, Vrabl, Vrtilek, Viklasch, Vrazet, Vychnalek, Vreka,
Vrba, Vikutil, Vrablic, Vuzem, Viplaschil, Vochetecka, Vuckelic,
Vrtatko, Vukasinovic, Vorak, Voralek, Vorlicek, Vosmych, Vorlych,
Vrmbl, Vrzl, Vodruk, Vap, Vozenilek, Vrinis, Voustarek, Vrtala,
Viplasil, Vrzala, Vistlaschil, Vouk, Votikba, Vicesal, Vrazdil Vrana,
Vimmeltal, Vrbicki, Vrbecki, Vranek usw." vor. Die zweite Hälfte des
Abends ist weitgehend von Alfred Polgars szenischer Erzählung "Der
Heurige" geprägt, in der Polgar das bedächtig und nutzlos
dahinströmende Leben in einem Kaffeehaus schildert: der schlechte
Kaffe, die harten Kipferln, die ewig klammen und schnorrenden
Gäste, die Besserwisser und Schlitzohren, die schnell noch einen
anderen Gast über den Tisch ziehen, und die bleierne EInsamkeit,
die über den Tischen liegt. Die
drei Protagonisten auf der Bühne schufen mit ihrem Auftritt eine
echte Kaffeehaus-Atmosphäre und ließen den längst
verloren gegangenen morbiden Charme der späten k.u.k.-Zeit in Wien
wieder aufleben. Wolf Eubas gekonnte Imitationen des "Weanerischen" und
anderer Idiome trugen ebenso zur Erheiterung des Publikums bei wie die
Einwürfe seiner musikalsichen Begleiter sowie deren
humorvolle und gekonnt präsentierte Musik. Die Zuschauer, unter
ihnen der Ministerpräsident Roland Koch und seine "body guards",
bedankten sich dafür mit anhaltendem, rhythmischem Beifall und
holten auf diese Weise noch zwei Zugaben heraus. Frank Raudszus |
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