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Last und Lust der Musen |
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Eine
kabarettistische Reise durch die Musikgeschichte über Musiker und
ihre Musen |
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Neben einem
anspruchsvollen musikalischen Programm bietet das Rheingau Musik
Festival auch komödiantische bis kabarettistische
Veranstaltungen rund um und mit Musik. Dafür wählt man gerne
die Weingüter der Region, da dort erstens eine eine weniger
"strenge" Atmosphäre als im Konzertsaal herrscht und zweitens das
gastronomische Beiprogramm gesichert ist. Schließlich möchte
man unterhaltsame Darbietungen bei Getränken und Speisen der
Region genießen und nicht nur asketisch den Künstlern
lauschen. Das Weingut Diefenhardt in
Martinsthal bot sich in diesem
Fall aus zweifachem Grunde für den musikalischen Gang durch den
Mythos der Musen an: kam doch Ulrike Neradt, die Chansonette dieses
Abends, als Tochter des heutigen Weingutbesitzers zur Welt und bereiste
sogar als Weinkönigin die halbe Welt. Doch ihre stille Liebe galt
immer dem Gesang, und so gab sie ihren eher technischen Beruf auf und
widmete sich fortan nur noch dem Gesang. Glücklicherweise, muss
man sagen, denn andernfalls hätten wir uns nicht an ihren
Bühnenauftritten erfreuen können.
Ulrike
Neradt zur Seite stehen der ausgebildete Pianist, Dirirgent und
Komponist Alfons Nowacki sowie der "Allround-Künstler" Frank
Golischewski, der zwar Musik studiert hat, doch sein
künstlerisches
Talent in vielfältigen Positionen und Tätigkeiten unter
Beweis
gestellt hat. In diesem Trio sind die Rollen klar verteilt: Ulrike
Neradt steht als Frau, "Muse" und Sängerin im Mittelpunkt, Alfons
Nowacki ist für die musikalische Begleitung am Klavier und
ironische
bis sarkastische Bemerkungen zuständig, und Frank Golischewski
bildet
den immer wieder wechselnden männlichen Gegenpart zu Ulrike
Neradt, mal
als musenbedürftiger Mozart, mal als schmusebedürftiger Kurt
Weill, mal
als bloßes Opfer weiblicher Herrschsucht.....
Als
Ouvertüre zur Geschichte der Musen singt Ulrike Neradt die "Hymne
à l'Amour" von Edith Piaf. Es folgt ein "Dauerbrenner" der
Musikliteratur, das von Generationen missverstandene und strapazierte
"Ständchen" von Franz Schubert ("Lei..heise flehen mei..heine
Lieder....), das Ulrike Neradt und Frank Golischewski mit herrlich
augenzwinkernder Naivität vortragen. Schnell kommt man über
Bach zu Mozart, der sich natürllich beim Thema "Musen" geradezu
anbietet. Das "Bäsle" findet ebenso Erwähnung wie die
Schwestern Weber aus Mannheim, die Mozart soviel Glück und
Schmerzen bereitet haben (oder er ihnen...). Nach Goethes "Veilchen",
von Mozart vertont, hören wir eine von Frank Golischewski in
modernem Sprechgesang - nicht unbedingt RAP - vorgetragene Version des
"bezaubernden Bildnis" aus der "Zauberflöte", dem das frech
interpretierte Duett "Bei Männern, welche Liebe fühlen" und
dann eine wiederum modern-"coole" Interpretation der Arie "Hier soll
ich dich nun sehen" aus der "Entführung" folgen. Ein
Höhepunkt des ersten Teils ist das Duett "Reich mir die Hand mein
Leben" aus "Don Giovanni", das Ulrike Neradt und Frank Golischewski zur
fetzigen Begleitung von Alfons Nowacki im Stil des Jazz-Rock vortragen.
Gelächter und Szenenapplaus! Von
da geht es schnurstracks ins 20. Jahrhundert in die " Dreigroschenoper"
zu Kurt Weill und Lotte Lenya. Das "Eifersuchtsduett" wird ebenso mit
Lebensdaten von Lotte Lenya und Kurt Weill unterlegt wie die folgenden
Schlager aus den zwanziger Jahre, wobei Ulrike Neradt mal als Lotte
Lenya, mal als Alma Mahler-Werfel-Gropius- (und was sonst noch)
auftritt. Diesen Musen zu Füßen liegt dann unter anderem ein
Gustav Mahler, der sich gerne - wie auch Kurt Weill - in debilen
Kosewörtern für seine doch so reale Muse ergeht. Als
besonderen Gag führt Ulrike Neradt alias Alma Mahler bei dem Song
"Willst Du mit mir gehn" (nun schon spätes 20. Jahrhundert!) den
vor ihr auf Knien hechelnden Golischewski alias Mahler an der roten
Hundeleine. Der erste Teil endet wie er begonnen hat, mit einem Lied
von Edith Piaf, dem, berühmten "La vie en Rose".
Der
zweite Teil beginnt dann noch einmal frech und provokant mit zwei
Liedern aus der "Dreigroschenoper", dem "Barbara"-Song und der
Zuhälterballade, landet dann aber ein wenig zu gefällig in
der amerikanischen Musicalszene mit Evergreens wie "Speak low" oder
"Septembersong", die wie auch "Ich steh im Regen" zwar nett-nostalgisch
aber doch auch etwas langweilig wirken. "Der Mond über Soho" aus
der Dreigroschenoper bringt noch einmal etwas Kabarett ins Programm,
bevor dann nach zwei eher unbekannten Liedern Ulrike Neradt mit einer
temperamentvollen Parodie von Marylin Monroes "I wanna be loved by you"
vor Mr. Kennedy alias Frank Golischewski das Publikum zu Szenenapplaus
hinreißt. Den Reigen schließt passend das uralte Kult-
und Casablanca-Lied "As time goes by", wobei Ulrike Neradt in
vertauschten Rollen als Humphrey Bogart mit Trenchcoat und Hut und
Frank Golischewski als großäugige Ingrid Bergmann auftreten.
Immerhin, von der Größe her hätte es passen
können, und Ulrike Neradts Rick muss von unten zu ihrem Partner
"Schau mir in die Augen, Kleiner" sagen. Da
der Wettergott ein Einsehen hatte und auch an diesem Abend einen
wolkenfreien Himmel und sommerliche Wärme lieferte, der Wein dem
Standard des Rheingaus entsprach und die Speisen die kulinarische
Ansprüche des Publikums erfüllten, stand dem Erfolg dieser
Veranstaltung nichts mehr im Wege. Frank Raudszus |
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